Brief

An Friedrich Schiller (29. Juli 1800)

Meine Arbeit geht ihren Gang fort, meine Uebersetzung schreibe ich des morgens so viel ich kann, mit Bleystift und dictire sie dann in ruhigen Augenblicken, wodurch das erste Manuscript schon ziemlich rein erscheinen wird. Zu Ende dieser Woche bin ich mit den drey letzten Acten fertig und will die zwey ersten auf einen frischen Angriff verspahren. Ich sage nichts vom Ganzen, das uns zu unsern Zwecken auf alle Weise behülflich seyn wird. Es ist eigentlich ein Schauspiel; denn alles wird darin zur Schau aufgestellt und diesen Character des Stücks kann ich noch mehr durchsezen, da ich weniger genirt bin als der Franzose. Der theatra. Effect kann nicht außen bleiben, weil alles darauf berechnet ist und berechnet werden kann. Als öffentliche Begebenheit und Handlung fordert das Stück nothwendig Chöre, für die will ich auch sorgen und hoffe es dadurch so weit zu treiben als es seine Natur und die erste Gallische Anlage erlaubt. Es wird uns zu guten neuen Erfahrungen helfen. Zu dieser Arbeit brauch ich ohngefähr 4 Stunden und zur Uebersicht dient folgendes Schema wie mannigfaltig und mitunter lustig die übrige Zeit benutzt worden. / Kurze Uebersicht derer Gaben, welche mir in dieser Stapelstadt des Wissens und der Wissenschafft, zur Unterhaltung sowohl, als zur geistigen und leiblichen Nahrung mitgetheilt werden. Loder gab fürtreffliche Krebse, von denen ich Ihnen einen Teller zugewünscht habe. köstliche Weine, einen zu amputirenden Fuß, einen Nasenpolypen, einige anatomische und chirurgische Aufsätze, verschiedne Anecdoten, Ein Microscop und Zeitungen. Frommann Griesens Tasso, Tyks Journal erstes Stück. Fr. Schlegel Ein eignes Gedicht, Aushängebogen des Athenäum. Lenz. Neue Mineralien, besonders sehr schön kristallisirte Chalcedone. Mineralogische Gesellschafft Einige Aufsätze hohen und tiefen Standpuncts, Gelegenheit zu allerley Betrachtungen. Ilgen Die Geschichte Tobi’s, Verschiedne heitre Philologika. / Der botanische Gärtner Viele Pflanzen, nach Ordnungen, wie sie hier im Garten stehen und zusammen blühen. Cotta. Philiberts Botanik. Der Zufall Gustav Wasa von Brentano. Die Litteraturhändel Lust Steffens kleine Schrifft über Mineralogie zu lesen. Graf Veltheim Seine zusammengedruckten Schrifften, geistreich und lustig; aber leider leichtsinnig, dilettantisch mitunter hasenfüßig und phantastisch. Einige Geschäffte Gelegenheit mich zu vergnügen und zu ärgern. Zuletzt sollte ich Ihres Memnons nicht vergessen, der denn auch wie billig zu den merkwürdigen Erscheinungen und Zeichen der Zeit gerechnet werden muß. Wenn Sie nun alle diese Gespenster durch einander spuken lassen, so können Sie denken daß ich weder auf meinem Zimmer, noch auf meinen einsamen Promenaden allein bin. Für die nächsten Tage ist mir noch die wunderlichste Mannigfaltigkeit angekündigt, wovon mit nächstem Botentag das mehrere. Zugleich werde ich auch den Tag meiner Rückkunft bestimmen können. Leben Sie recht wohl und thätig wenn Ihnen diese Barometerhöhe so gut als mir bekommt. Jena am 29 Jul 1800. G

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