Brief
An Johann Friedrich Heinrich Schlosser (16. Oktober 1809)
Wohlgeborner, Insonders hochgeehrtester Herr.
Nach einer beynahe dreymo natlichen Abwesenheit kehre ich nach Weimar zurück und ver fehle nicht, mich vor allen Dingen bey Ew W. zu entschuldigen, daß ich so lange Zeit geschwiegen. Die verlangte Declaration nebst den Vollmachten übersende ich hiermit und wünsche daß alles zweckmäßig und gehörig seyn möge.
Ew. W. sind überzeugt, daß ich nur mit einer Art von Be schämung daran denken kann, wie sehr ich Ihr Schuldner geworden bin und bleibe, ohne daß ich des halb viele Worte mache. Ihre mir so sehr bekannte Denkungs art und Thätigkeit können mich allein beruhigen, wenn ich fort fahren muß, Ihnen mit ver trauenden Aufträgen beschwerlich zu seyn: denn auch gegenwärtig habe ich um eine neue Gefälligkeit zu bitten.
Ich wünschte über die mir nunmehr zugetheilten Kapitalien nur kurze Bemerkungen, in wie fern sie mehr oder weniger sicher stehen, und was die DCrebditoren für Leute sind. Die StaatsPapiere betreffend, erbitte ich mir Ihren einsichtsvollen Rath, in wiefern solche zu veräußern vortheil haft wäre. Vielleicht wartete man am besten den nunmehr höchst wahrscheinlichen Frieden ab, wo durch vielleicht der Verlust ver mindert werden könnte.
Sodann wäre mir sehr angenehm ein bestimmter Auswurf der halb jährig zu hoffenden Interessen, damit man seine Disposition des halb machen und etwa Ostern u Michaelis einer gewissen Ein nahme entgegensehen könnte. Was gegenwärtig in Cassa ist haben Sie wohl die Güte mir zu bemerken. Vorerst möchten wohl davon die jährigen Interessen an H Geh. R. Willemer zu zahlen seyn; wie ich denn auch vor allen Dingen die Ab zahlung dieses Capitals, so wie es die Casse erlaubt, entweder auf einmal oder durch Rückzahlung für die erste Pflicht halte.
Einer gefälligen Rückantwort entgegensehend empfehle ich mich u die Meinigen bestens. Versichern Sie die lieben Ihrigen einer fortdauernden, aufrichtigen freundschaft. Theilnahme u er lauben mir von Zeit zu Zeit eine Anfrage u Erkundigung. Der ich die Ehre habe mich mit vorzüglicher Hochachtung zu unter zeichnen
Weimar den 16 Oktober 1809.
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