Brief
Von Friedrich Heinrich Jacobi (25. März 1775)
Entschuldigung wegen ausgebliebener Briefe, verursacht durch leidige Geschäfte; dennoch habe J. im Geiste manche Stunde allein und still mit G. zugebracht. Von seiner starken inneren Verbundenheit mit G. - J. M. R. Lenz' "Briefe über die Moralität der Leiden des jungen Werthers" hätten ihm manche schöne Stunde gemacht, doch rate er ab, sie drucken zu lassen. [...] was Lenzens Briefe uns so lieb macht, daß wir auch das Stammeln und die blaße Farbe der Schönen reizend finden, das fühlen, das faßen nur die, welche jener Briefe eigentlich nicht bedürfen [...]. Die Zugabe zu den Briefen sei vortrefflich, mit dem nächsten Postwagen gehe alles nach Frankfurt zurück. Sollten die Briefe doch gedruckt werden, wäre er bereit, diese wie ein Blitz durch ganz Deutschland zu schaffen; doch sollte G. den sausenden Ton ein bischen tüschen, der durchherrscht und nur Wirrwarr aufbraust. J. nimmt weiterhin Anstand an Stellen im 6. Brief, im 9. Brief, wo etwas Grundfalsches von Rousseau's St. Preux (aus: "Julie ou la Nouvelle Héloïse") gesagt werde, und am Schluß des letzten Briefes, der sich, leicht ins heroisch komische Verzerren lasse. - Ob G. Schattenrisse für die Zeitschrift "Iris" besorgen wolle? - G.s "Stella" (Manuskript) werde erwartet.
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