Werk
Kinder- und Hausmärchen
Überlieferung: Die 1810 an Brentano gesandte handschriftliche Urfassung blieb erhalten und bildet eine beliebte Quelle für die Märchenforschung und Germanistik. Die ersten Exemplare erschienen am 20. Dezember 1812 (Bd. 1), der größte Teil im März 1813 in einer Auflage von 900 Stück beim Verlag Reimer in Berlin, der 2. Bd. erschien 1815. Bis 1857 erschienen insgesamt 7 Auflagen, jeweils um weitere Märchen und auch Legenden ergänzt. Erst mit der "Kleinen Ausgabe" ab 1825 (bis 1858) wurde die Sammlung erfolgreich verkauft. Bis heute ist die Zus.-stellung ein zeitloser Klassiker und gilt durch die zahlreichen Übersetzungen als bekannteste Sammlung deutscher Literatur. Die Originaltexte sind den meisten Lesern unbekannt, sodass viele äußere Details, die heute Allgemeinwissen sind, tatsächlich nicht in der Märchensammlung belegt sind (bspw. im Froschkönig, bei Dornröschen oder Schneewittchen). Die KHM gehören seit 2005 zum Weltkulturerbe.
Inhalt: Die einzelnen Märchen sind meist relativ kurz gehalten und bedienen sich einer einfachen Sprache; viele Märchen wurden kindgerecht angepasst und von allzu grausamen oder sexuellen Anspielungen bereinigt. Richtete sich explizit auch an erwachsene Leser (Bildungsaspekt). Varianten von Märchenmotiven sind oft miteinander kombiniert. Das Buch sollte preiswert sein und zur Mitarbeit anregen. So wurde auch fragmentarisches Material abgedruckt, mit Anmerkungen direkt unter den Texten.
Zeit- und Sachbezug: Zusammenstellung von mündlich tradierten Märchen und Erzählungen, entstand ab 1806. Die Herkunft der Fassungen wird nicht unter Nennung der Pers.-namen sondern nach Landstrichen angegeben ("aus Zwehrn", "aus Hessen"). Die Annahme, dass die G.s umherzogen und einfache Leute befragten, ist nicht korrekt: die Mehrheit der Texte wurde ihnen von Personen des Bildungsbürgertums zugesandt und erhielt bereits durch deren Verschriftlichung eine erste künstlerische Umarbeitung; einzelne Märchen sind auch anderen Märchensammlungen entnommen. Impulse und Hinweise bekamen die G.s u.a. von A. v. Arnim, J. F. Reichardt und C. Brentano. Als (indirekte) Vorlagen dienten u.a. die Märchen von Perrault und Basile, aber auch Musäus eher unbekannte Anthologie.
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