Brief
An Johann Friedrich Cotta (10. Mai 1812)
An Cotta.
Wie sehr hätte ich seit dem siebzehnten vorigen Monats gewünscht daß der edle Schiller noch leben möchte; er war bey unsern Angelegenheiten ein so lieber als glücklicher Mittelsmann. Was mich betrifft; so fühl ich immer aufs neue wie peinlich es ist mit Personen, mit denen man nur in sittlichem Verhältniß zu stehen wünscht, über öconomische Gegenstände zu handeln. Daher lies uns auch wohl beyde unsere letztere Zusammenkunft unbefriedigt und ich fühle mich gedrungen nunmehr nachzuhohlen was ich damals zu eröffnen versäumte.
Ich kann nämlich meine biographischen Arbeiten vorerst nicht weiter publiciren, wenn Ew. Wohlgeb. den Band nicht mit zweytausend Thalern honoriren können, so daß ich auch auf den ersten fünfhundert Thaler Nachschuß erhielte. Ich beziehe mich auf alles was ich früher über meine Lage eröffnet und füge nur soviel hinzu: daß abermals dringende Umstände meine Erklärung beschleunigen mit der ich ungern hervortrete.
Darf ich Sie um eine baldige Antwort ersuchen? da ich, im bejahenden Falle, Anfangs August nach Weimar zu gehen, im verneinenden meinen Sommer und Herbstbeschäfftigungen eine andere Richtung zu geben gedencke.
Hochachtend und vertrauend!
Carlsbad. d. 10. May 1812.bey den drey Mohren.
Goethe.
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