Brief
An Antonia Brentano (19. Januar 1820)
An Johanna Antonia Josefa Brentano, geb. Edle von Birkenstock.
Es ist eine Empfindung, verehrte Freundinn, so wunderbar als unerfreulich wenn wir uns an werthgeschätzte vielgeliebte Personen erinnern, mit denen wir so manche glückliche Geist und Gemüth fördernde Stunde verlebt haben und fernerhin zu verleben hofften, uns nun aber nach und nach gewöhnen sollen auf ein Wiedersehn Verzicht zu thun mit dem wir uns solange schmeichelten. Man mag sich nicht gern entschlißen dergleichen Gefühle auszudrucken und hierin liegt die Ursache meines langen Stillschweigens; ja ich darf wohl gestehen daß beykommendes Packet schon ein Vierteljahr geschlossen ist, ohne daß ich den Muth gehabt hätte diese wenigen Worte hinzuzufügen.
Nehmen Sie, verehrte, nachsichtige Freundinn, zum neuen Jahr diese Gabe geneigt auf; Sie haben an meinen früheren Arbeiten so schönen Antheil genommen, daß ich eine gleiche Gunst auch wohl für die späteren hoffen darf. Leben Sie glücklich in dem schönen Franckfurt, von den theuern Ihrigen umgeben, gedencken Sie mein bey den reichen Schönheiten der Natur und Kunst; lassen mich aber nicht ganz ohne Nachricht.
Meine werthen Landsleute haben sich vergangnes Jahr so höchst freundlich erwiesen daß ich über der Feyer des Alters das Alter selbst vergaß. Wie denn auch jetzt noch die schöne goldene Gabe, den trübsten Wintertag aufheitert.
Möge Ihnen alles zum Besten gedeihen! Und Sie meiner in Liebe und Neigung gedencken!
[Weimar den 19. Januar 1820.]
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