Brief

Von Johann Heinrich Meyer (22. bis 29. Juli 1788)

1788 Juli 22 Aus Krankheitsgründen schreibe M. erst nach seiner Reise von Rom nach Neapel. - M. berichtet über letzte Kunsterlebnisse in Rom: Bewundernde Beschreibung des Bildes "Himmelfahrt Mariä" von Fra Bartolomeo (d.i. della Porta), das bei Aufhebung eines Klosters in Pisa in den Vatikan gelangt sei, und des Gemäldes "Odysseus und Circe" von Annibale Carracci aus dem Palast Farnese. Gegenüber einer alten Auffassung, nach der dieses Thema von einem alten Basreilef oder geschnittnen Stein entlehnt sey, betont M. neben der Schönheit der anlage hauptsächlich die eigenständige Weisheit mit welcher der Künstler zwey Erzehlungen des Dichters zueiner Vorstellung zusammen gezogen habe. Da G. den Kupferstich des Werkes besitze, gebe M. keine weiteren Erläuterungen. Zusammen mit Bury habe M. die originale Darstellung der "Pieta" von Carracci vor dem Untergang gerettet und wünschte sehr, daß G. dieses Kunstwerk künftig verwahre. Vergleich mit ähnlichen Bildern in den Palästen Doria, Rospigliosi und von Capodimonti. - Die Büste der "Juno Ludovisi" habe M. A. A. Zucchi von G. erhalten. M. vermisse in Neapel die Gipse von Jupiter und Juno. Auf seiner Reise nach dieser Stadt habe er die Reste des Jupitertempels zu Terracina und das Amphitheater zu Capua gesehen, leider nicht die berühmte Vase zu Gaeta (? der aus Gaeta stammende Krater des Salpion neuattischen Ursprungs). Neapel sei M. zu lermend; dazu befinde sich die Kunst in armsell'gen kläglichen Umständen. Den neapolitanischen Meistern, wie F. Solimena, G. Corrado, L. Giordano, sei M. feind, dagegen tröste ihn die Darstellung des "Johannes in der Wüste" von Raffael im Besitze W. Tischbeins. Beschreibung und Einschätzung von Tischbeins Bild "Orest und Iphigenie". - Beim Antiquitätenhändler Concolo in Rom habe M. noch keine wertvollen geschnittenen Steine für G. finden können. Klage über G.s Fernsein. H. Koella empfehle sich. 1788 Juli 29 Dieser Brief habe auf Tischbeins mitgehende Epistel gewartet. Über einen Besuch in Portici, wohin ihre Hausgemeinschaft von J. J. von Haus geladen worden sei: die Etrurische laufende Minerva sei gewiß nichts weiter als eine Nachahmung des Etrurischen Styls. Der Verlust der unschönen Quadriga, die auf dem Theater gestanden habe, sei nicht zubedauern. Über die ihn verwirrenden Gemälde; M. könne kein endgültiges Urteil abgeben.

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