Brief

Von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (24. Juli 1788)

Von G. habe er lange nichts gehört, und T. habe auch selber lange nicht geschrieben. - T. habe in Neapel ein Haus eingerichtet, seine Sachen aus Rom kommen lassen und Kniep sowie J. H. Meyer zu sich genommen. Ohne die Pension Herzog Ernsts II. von Sachsen-Gotha in Anspruch zu nehmen, bestreite er durch seine Arbeit alle Unkosten selbst. Kniep arbeite für sich, Meyer für T. Bediente würden T. helfen, daß er Zeit gewinne, um zu arbeiten. Sein bisgen talent müsse er strenge angreifen, denn Deine Mahler jahre würden bald dahin sein. - Beiliegend erhalte G. eine Kopie von T.s Brief an Reiffenstein über seine Pensionsangelegenheit. G. möge bei Gelegenheit aus eigener Erfahrung berichten, daß es onmöglich sei, auf die ardt, wie T. vom Herzog behandelt worden sei, etwas in der kunst machen zu könen. T. habe, um in des Herzogs Diensten zu bleiben, leicht erfüllbare Vorschläge gemacht, denn er gestehe, daß sein hang sehr nach Deutschlandt sei und er nur aus noth in Neapel bleibe, weil er in Rom Kumer und Elend ausstehen müßte. KämeT. jezo nach Deutschlandt, so käme er als ein gemachter Mahler und könne Kunstsachen mit bringen die einem König Ehre machen sie zu besizen. Bemerkungen über Bilder, die er bereits besitze und noch zu erwerben gedenke, unter anderen von Schülern Raffaels und Parejas. D. da Volterras "Grablegung" habe er M. A. A. Zucchi überlassen müssen. Das Porträt G.s habe T. von Rom kommen lassen und werde es mit rechter Lust fertig malen. - Empfehlungen von Sir W. Hamilton, E. Harte, Venuti und Fürst C. A. von Waldeck. T. wünschte G.s Anwesenheit in Portici, wo er mit Meyer bei Professor Haus das förchterlige schöne Schauspiel des Vesuvausbruchs erlebe. Schilderung eines Wagenrennens, das ihm ein antikes Wettrennen veranschaulicht habe. - Über seine Bekanntschaft mit dem Pater Andonio. Nachschrift von Haus, Jakob Joseph von: H. erinnere sich mit vielem Vergnügen der glücklichen Tage, als er G. kennengelernt habe. In der wahrsten reinsten Verehrung hoffe H., G. in Italien wiederzusehen. Nachricht vom Tode G. Filangieris.

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