Brief

An Carl Fürst Lichnowsky (16. Oktober 1810)

Ew Durchlaucht hätten schon längst einen Brief von mir er halten sollen, und ich kann die ses Versäumniß kaum entschul digen; doch darf ich anführen, daß mein Aufenthalt in Teplitz sehr unruhig und meine Rückreise über Dresden und Freyberg sehr zerstreuend gewesen; so wie ich auch die ersten Tagen meines Hier seyns nicht von mir selbst abhing. Nun sende ich aber ein Verzeichniß der vorzüglichen deutschen Dichter mit den dazu gefügten Preisen ihrer Werke. Es wäre freylich wünschenswerth, daß die Original Ausgaben in einer so edlen Bibliothek aufgestellt würden. Anfangs gedachten wir eine Art von räsonnirtem Catalog zu senden, welcher zugleich die Geschichte unserer Poesie in der neuen Epoche enthalten sollte; allein dieß führte zu weit und war hauptsächlich Ursache daß unsere Schuldigkeit Ew. Durch laucht zu dienen sich verspätete. Wir wünschen das Beykommendes von einigem Nutzen seyn möge und daß unsere Verzeihung von Ihrer Güte schon gewährt sey. Was den zweyten hohen Auftrag betrifft; so bin ich darin noch weniger glücklich gewesen. Schon die meisten Capitalien sind durch die Landesanlei hen aufgezehrt, welche veranstaltet wur den, die Contribution zu bezahlen und die Kriegskosten zu decken. Auch sind noch immer gegenwärtig, theils Particü liers, theils Corporationen, beschäftigt ihren Credit zu erweitern und sich durch größere Anleihen aus kleinen drückenden Schulden und Verhältnissen herauszurei ßen. Bey uns hat nun gar das große Eisenachische Unglück eine ungeheuere Lücke Wunde geschlagen, welche so manche Kräfte auf zehrt ohne dadurch geheilt zu werden. Eben so nehmen im Leipzig Königreich Sachsen große eröffnete Anleihen alles baare, noch allenfalls niedergelegte Geld weg, so daß ich wenig Hoffnung sehehabe, habe, Ew. Durch. Wünsche erfüllt zu sehen. Sollten Ew Durch. indessen räthlich finden, den Gedanken weiter zu verfolgen, so würde ein etwas umständliches Pro memoria, das man z B. dem Fregischen Hause in Leipzig communiciren könnte, wohl der erste Schritt des eines zu einem neuen Ver suches seyn. Mehr füge ich nicht hinzu, als die Versicherung, daß Ew. Durch. Gnade u Neigung mir unschätzbar bleiben. Mein Sohn dan dem Höchstdieselben einigen Theil nehmen wollen, u dem Durch der Herzog soeben den Character als Cammerassessor gab ertheilte zuerkannt, empfielt sich zu Gnaden u hofft dereinst eine günstige Auf nahme. Sie verzeihen, daß ich mich einer fremden Hand bediene. Es ist Dr Riemer der schreibt u die Gelegenheit ergreift für so manches Gute u Erfreuliche zu danken. Ich aber habe die Ehre mich mit vollkommener Verehrung zu unterzeichnen

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