Brief
An Carl Ludwig von Knebel , Carl August Herzog von Sachsen-Weimar und Eisenach , Anna Amalia Herzogin von Sachsen-Weimar und Eisenach , Louise Herzogin von Sachsen-Weimar und Eisenach , Constantin Prinz von Sachsen-Weimar und Eisenach , Christoph Martin Wieland und Carl Theodor von Dalberg (19. Januar 1780)
An Herrn Hauptmann von Knebel
zu geneigter weitern Beförderung.
G.
Den 4. May. 1778. schrieb der Herr Stadthalter von Dalberg ein Billet in folgenden:
„Müller, der Maler, geht nach Italien. Wünscht Unterstützung, braucht sie. Verspricht dagegen Zeichnungen, Nachrichten von seiner Reise warmes Danckgefühl. Also bis zu seiner Rückkunft eine jährliche Pension: Ich wage es eine Subcription zu eröfnen:“
Es unterzeichneten sich
Müller der im August nach Italien gieng, erhielt durch mich den grösten Theil der Pension fürs erste Jahr im September, mit dem Versprechen, daß jährlich fortgefahren werden solte, und er also seine Einrichtung darnach machen könne.
Er erwartete also vergangenen September die versprochene Summe zum zweytenmal, da aber in meiner Abwesenheit Niemand war, der das Geld einsamlete und besorgt hätte, so gerieth Müller dadurch in große Verlegenheit.
Er schrieb einen Brief von Rom den 16. vergangenen Octobris, den ich bey meiner Rückkunft antraf.
Er klagt, daß mann zu Manheim übel mit ihm umgehe und seine einzige Hofnung auf die Beyhülfe von Weimar setze.
Ich zeichne einige Stellen des Briefes aus:
„Ich habe ein Stück für Sie fertig, was es ist, will ich Ihnen jetzo gleich sagen, hernach können wir weiter fortreden. Dieß Stück ist aus der Epistel Judä genommen, stellt den Streit des ErzEngel Michaelis mit Satan über den Leichnam Mosis vor, ein Subject das Raphael oder ein Michel Angelo hätte mahlen sollen – Kurz ich habs gemacht, und wie ichs gemacht, werden Sie bald sehen, wenn ichs künftiges Frühjahr durch meinen Freund Mechau nach Weimar werde überbringen laßen – Wers einmahl gesehen kommt immer und siehts wieder, und ob ich gleich nur ein Jahr hier bin, hat mirs doch so viel zu wege bracht, daß mein Wort immer unter denen die zwölf und funfzehn Jahre schon hier studiren, gilt –
Wie wollen Sie’s denn künftig mit meiner Pension einrichten, daß ich sie hier zu gewißen Zeiten ziehen und darnach meine Maasregeln in Ansehung der Ausgaben zu meinem Studio nehmen kann – Seyn Sie versichert, ich werde Ihnen als ein ehrlicher Mann immer so viel Arbeit dagegen liefern, daß Sie gewiß nicht zu kurz dabey kommen sollen – Das erste Jahr konnt ich nicht sogleich wie ich wolte, bis mann Rom kennen lernt, alle Gallerien, Villen, Monumenten p bis mann sich zum arbeiten eingericht, eine Werckstelle gefunden (wie ich denn bis dato noch keine eigene habe, und immer noch zu Gast arbeiten muß, das im Grunde sehr verdrüßlich ist) alles das nimmt Zeit hinweg, und dann wird auch die erste Arbeit nicht gleich so, daß mann sie einem brafen Mann zuschicken mag. Auf künfftiges Frühjahr hoff ich werden Sie mit mir zufrieden seyn.
Dencken sie also darauf mein lieber Göthe, wie Sie’s mit meiner Pension einrichten wollen – Der Winter bricht jetzt heran, da verdoppeln sich viele Ausgaben, ich muß mir eine eigene Werckstätte anschaffen, sollt ich mirs auch am Maul abspahren – Wir Teutsche müßen unsere eigene Academie hier unterhalten p Glauben Sie daß zu dem Gemälde das ich Ihnen überschicken werde die Studien allein an Modellen, Gipse, Mahlereyen die ich copirte, und für die Erlaubniß bezahlen müßen, mich über dreysig Zechinen belaufen – Das ist so wahr Gott lebt die Wahrheit.“
Unter diesen Umständen habe ich sogleich bey meiner Rückkunft die gantze Summe, die 304. r. 12. g. nach hiesig. Gelde ausmacht, an ihn nach Rom übermacht, und erbitte mir von seinen hohen Gönnern gnädigen und gefälligen Ersatz.
Ich bin überzeugt, daß er der wolthätigen Gesellschaft in der Folge sowohl Ehre als Vergnügen machen wird.
Wegen einer Einrichtung für die Zukunft will ich mich mit ihm abreden und seine Antwort vorzulegen nicht verfehlen.
Weimar
den 19. Jan.
Goethe
1780.
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