Brief
An Carl Friedrich Zelter (16. Dezember 1817)
An Zelter.
Von Weimar aus kommt mir die Nachricht, daß die periodischen Rübchen wieder glücklich angelangt sind, und so will ich mich denn durch dieses Erderzeugniß aufmahnen lassen, meine Gedanken zwar nicht, die oft bey dir sind, aber doch ein schriftliches Zeugniß derselben an dich zu wenden. Es ist so lange her, daß wir keine Nachrichten gewechselt, so daß wir also beide im Rest stehen, wie lange es aber auch sey, kann ich versichern, daß ich mich jeden Tag gemüht habe, das hast du auch gethan, noch kräftiger und nothgedrungener als ich.
Meine Neapel- und Sicilien-Reise hast du freundlich aus Schultzens Exemplar aufgenommen, und so habe ich jetzt weiter nichts zu schicken; denn was an Bänden, Bändchen und Heften auf dein Theil kommt, liegt ruhig beysammen, bis zur endlichen allgemeinen Absendung.
Ich lebe zwischen Weimar und Jena; an beiden Orten habe ich Geschäfte die mir Freude machen, in Jena kann ich sogar thun und lernen zugleich; die Naturwissenschaft, besonders die Chemie, ist so lebendig daß man auf die angenehmste Weise wieder jung wird, indem man seine frühesten Ahndungen, Hoffnungen und Wünsche realisirt findet, und Belege zu dem Höchsten und Besten wozu man sich im Gedanken erheben konnte. Mein nächstes Heft zur Naturlehre soll dir, hoffe ich, manches bringen, was dir gewiß als Symbol deiner lieben und guten Vorsätze dienen wird.
Auf diese unschuldige Weise halte ich mich im Stillen, und lasse den garstigen Wartburger Feuerstank verdunsten, den ganz Deutschland übel empfindet, indeß er bey uns schon verraucht wäre, wenn er nicht bey Nord-Ost-Wind wieder zurück schlüge und uns zum zweytenmal beizte.
In solchen Fällen muß es denn auch dem Einzelnen, der an der allgemeinen Thorheit leidet, erlaubt seyn, sich mit einiger Selbstgefälligkeit zu sagen, daß er das alles, wo nicht voraus gesehn, doch voraus gefühlt, daß er in denen Puncten die ihm klar geworden nicht allein wider rathen sondern auch gerathen, und zwar das was alle, da die Sache schief geht, gethan haben möchten. Dieses berechtigt mich zur Impassibilität, deshalb ich mich denn auch wie die Epikurischen Götter in eine stille Wolke gehüllt habe, möge ich sie immer dichter und unzugänglicher um mich versammeln können.
Leider wenn ich an Musik denke, kommt es mir seltsam vor, daß ich von diesem höchsten und schönsten Genuß gänzlich abgeschnitten bin; finde ich nun dabey daß mir doch noch manches Lied gelingt und dein guter urkünstlerischer Wille mir immer zur Seite schwebt, so kommt es mir ganz wunderlich vor, daß, indessen die ganze Welt pfuscht, etwas der Ordnung gemäß nicht zu Stande kommen kann.
Ein Werk, das der Großherzog von Mayland mitgebracht hat, bezüglich auf das Abendmahl von
Und so weit waren wir denn gekommen! wo ich nur, in Hoffnung einer baldigen Erwiderung, hinzufüge, Gruß an Freunde.
Herrn Schultz sage, daß ich täglich sein gedenke. Was uns beide beschäftigt, ist herrlich als Erscheinung, ehrenwerth als Theil des Naturganzen und als Symbol seiner Geschwistertheile ehrwürdig. Diesen Gruß erließ ich mit mehrerer Freudigkeit, würde mir die Hoffnung euch künftiges Frühjahr zu sehen, nicht mit jedem Tage mehr umnebelt.
Herrn Director Schadow danke zum schönsten, daß er mir die Reformations-Medaillen semmelwarm überschicken wollte, ich bekenne die Schuld und werde sie nächstens abtragen.
Da hörten wir also mit einer abzutragenden Schuld auf, erinnert wie es denn eigentlich mit uns beschaffen sey.
and so forth and for ever
Jena. 16, Dec. 1817.
G.
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