Brief

Von Karl Friedrich Zelter (21. Dezember 1817)

In den letzten Monaten habe Z. seine neue Wohnung bezogen, die neue Orgel in Neu Hardenberg [...] durch eine mäßige Musik eingeweihet (Z. "Kirchenmusik zum Reformationsfeste"; vgl. RA 7, Nr. 764) sowie Hamburg und auf der Rückreise Ratzeburg besucht, wo seine zweite Tochter (K. F. E. Lohmeier) seit ihrer letzten Begegnung 7 Kindlein zur Welt gebracht habe. In Hamburg, wo man noch immer die Folgen der französischen Besatzung beklage, habe Z. schöne musikalische Alterthümlichkeiten erhalten und die Oper "Tancredi" von G. Rossini (Libretto von G. Rossi) gehört. - Zufriedenheit darüber, daß die Rübchen bei G. gut angekommen seien. - Anfrage, ob die Nachricht vom Tod des Kapellmeisters A. E. Müller (am 3. Dezember) stimme, und Wunsch, aus dessen Nachlaß ein altes Musikwerk von Bodenschatz (? "Florilegium Portense") zu erwerben. - Bitte um Auskunft über G.s Nachricht [...] das Gemälde des L. d. Vinci betreffend (vgl. G.s Aufsatz "Joseph Bossi über Leonard da Vinci Abendmahl zu Mailand"); erwähnt: der Kuperstich (von R. Morghen) nach dem Gemälde. - Z. erwarte mit Ungeduld G.s neues Heft zur Naturlehre ("Zur Naturwissenschaft überhaupt, besonders zur Morphologie", Bd. 2, erst 1820). - G.s Impassibilität nach Art der Epikurischen Götter werde von Z. geteilt; Anspielung auf das NT. - Kotzebue lobe G.s "Italienische Reise" nach seiner Art (vgl. "Aus meinem Leben von Goethe", in: "Literarisches Wochenblatt" 1818, Nr. 3). Von Kotzebues Sohn (Moritz) sei ein referierender Brief aus Persien in seinem neuen Blatte abgedruckt (vom 14. August 1817, in: "Literarisches Wochenblatt" 1818, Nr. 4). - Z. habe durch H. Schadow G.s Dank für die Semmelstücke (Medaillen zum Reformationsjubiläum) an G. Schadow bestellen lassen. An C. L. F. Schultz werde Z. alles bestens ausrichten. - Anfrage, ob G. nicht etliche Gedichtchen zur Vertonung für die Berliner Liedertafel habe (vgl. "Lustrum ist ein fremdes Wort ...", WA I 4, 44) . - Im Falle eines Besuchs biete Z.s neue Wohnung für G. 3 gute Zimmer in der belétage gegenüber J. G. Langermann und Betreuung durch seine Töchter (Doris, Rosamunde und L. Flöricke); auch für den Bedienten sei ein Zimmer vorhanden. - Angabe seiner Adresse.

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