Brief
Von Adam Friedrich Oeser (25. November 1768)
O. danke für G.s Brief und wünsche, G. bald vollkommen gesund zu wißen. Mit Vergnügen höre O., wie sich G. mit der Kunst beschäftige, und wolle mit ihm über die witzigen Köpfe [...] lachen, welche glauben, bei großer Sprachkenntnis anhand antiker Textstellen entscheidente Urtheile, ohne die geringste practische Kenntnis fällen zu können. Selbst Lessing habe sich bei der Stelle des Plinius: includuntur cum feliciter rumpere contigit, über die Technik der antiken Steinschneidekunst geirrt; er übersetze sie richtig und erkläre sie doch falsch (vgl. Lessing, "Briefe antiquarischen Inhalts", 1. Teil, 1768, 28. Brief). G. solle einen Wappen Steinschneider [...] eine Stunde arbeiten sehen und werde die Plinischen Worte beßer trefen [...] den Sinn derselben richtiger erklähren und über J. F. Christ, Lessing und C. A. Klotz in ein so gesundes Lachen geraten. Ausführliche Erörterungen über die Steinschneidekunst. - O. sorge sich um seinen Tischler J. C. Junge, dem er nach Frankfurt Geld angewiesen habe, und bitte G. um Nachricht. - C. F. Weiße sehe einer von G. verfaßten Lebensbeschreibung über J. K. Seekatz begierich entgegen.
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