Brief

An Zacharias Werner (1. Oktober 1809)

Sie sollen, mein lieber Werner, für Ihren langen und interessanten Brief den schönsten Dank und eine kurze Gegenantwort haben. Ich befinde mich noch in Jena auf dem Platze wo Sie mich verlassen. Der Roman ist indessen gedruckt worden, den ich Ihnen hiermit zur freundlichen Aufnahme empfehlen habewill. Es war mir selbst höchst ange nehm, daß wir in Frieden u Freude an derselben Stätte wieder geschieden sind, wo wir zuerst mit gutem Muth und Willen uns zusammengefunden hatten. Es kommt nur auf Sie an, daß es immer so bleibe. Sie kennen mich genug, um zu wissen, daß wir immer einmal wieder eine Strecke Wegs mit Lust zusammen fortwandern können, wo wir uns auch treffen mögen; nur enthalten Sie sich ja, mir Fußangeln aus der Dornenkrone vor meine Schritte hin zu streuen. Lassen Sie mich den Pfad, den ich mir selbst gebahnt u gekehrt, ruhig hin u wieder spaziren und begleiten mich insofern es die Gelegenheit giebt. Sollte Sie dieser Brief bey Frau von Stael treffen, so empfehlen Sie mich ihr und auch Herrn Schlegel, an dessen Vorlesungen ich sehr viel Freude gehabt habe. In einigen Tagen gehe ich nach Weimar, wo ein gewisses Stück: Der 24tn Februar, sogleich bey ver schlossenen Thüren aufgeführt werden wird. H Der Schauspieler Heide hat das Ganze auswendig gelernt und wird also im Einzelnen schwerlich aus dem Ton fallen. Er setzt sich vor, Wunder zu thun, woran ich keinen Zweifel habe. Dieser tragische Tell ist ihm ganz angemessen. Finde ich bey der Vorstel lung, das Stück, wie ich mir’s den ke, lobenswürdig und gut; so soll mir Niemand nichts dagegen sagen, ohne sich Händel auf den Hals zu ziehen, und wenn es der Verfasser selbst wäre. Von andrem weiß ich nichts zu sagen. Noch ist auf unserm Theater nicht viel geschehen und was die Messe bringen kann, noch im Halbverborgenen. Leben Sie recht wohl, und lenken Sie Ihre Bahn gelegentlich immer einmal wieder auf Weimar zu. Ich würde denselbigen Wunsch auch in Absicht auf Madame Hendel äußern, wenn ich vor aussehen könnte, daß sie gewiß zu einem günstigen Augenblick komme. Die Zeiten sind so verschieden, daß in einer Woche unmöglich wird, was sich in der andern leicht machen läßt. Und auf das Zufällige mag ich Niemanden, am wenigsten eine so bedeutende Künstlerinn einladen. Leben Sie recht wohl und lassen bald wieder von sich hören.Auf der linken Blatthälfte am unteren Rand

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