Brief

Von Friedrich Ludwig Zacharias Werner (22. August 1809)

Lebhafte Erinnerung an den Abschiedsabend bei Frommanns in Jena (4. Juni) mit Erwähnung des Soldatenliedes aus G.s "Egmont". Vergleich des Verhältnisses von Klärchen zu Egmont mit seiner eigenen Beziehung zu G. Über seine Reise durch das herrliche Saaletal an jenem Junimorgen und seine Stimmung, an die er wie an seine Jugend zurückdenke. - Der Abschied von Rudolstadt sei ihm schwergefallen; Einsicht über sein Zigeunerleben. Beschreibung seines Reiseweges: Gotha, Meiningen, Würzburg, Frankfurt; erwähnt: die Herzogin von Sachsen-Meiningen, K. T. von Dalberg. - Rheinfahrt nach Köln; Begeisterung über den Schatz von alten Gemählden der deutschen Schule vor Dürer in Köln. Hinweis auf die Sammlungen S. und M. Boisserées sowie J. B. Bertrams mit Heiligenbildern von L. van Leyden und einer "Anbetung der Könige" von J. van Eyck. Alles aber werde von der Darstellung der Anbetung eines unbekannten Meisters (S. Lochner) auf dem Kölner Rathaus übertroffen, die schon Dürers Bewunderung hervorgerufen habe und W. lieber sei als alle Madonnenbilder Raffaels außer der Sixtinischen; Hinweis auf C. Schlossers Urteil. Aufforderung, Köln zu besuchen. - von Köln aus sei W. zu Fuß über den Drachenfels, Koblenz und den Ehrenbreitstein gewandert. In Schlangenbad habe ihm Gerning aus seinem Gedicht "Die Heilquellen am Taunus" vorgelesen, wofür W. ihm eine Bademuse überlassen habe (vgl. W.s Sonett "Liebe und Freundschaft"). Weiterreise über Frankfurt nach Mannheim, wo er für acht Tage von H. Hendel gekapert worden sei, wie seinerzeit Baggesen, Oehlenschläger und J. H. Voß. Im Hause der Sängerin J. Beck habe H. Hendel eine Vielzahl antiker Heldinnen und das Leben der Jungfrau Maria dargestellt; bewundernde Beschreibung ihres Talents; dabei erwähnt: L. Beck. W. sei hier zu einem Gedicht im MBl (1809, Nr. 205: "Die neue Pythia") begeistert worden. Schilderung ihres schweren und turbulenten Lebensweges; erwähnt: ihr Vater K. J. C. Schüler, ihr Lehrer J. J. Engel, Horaz, J. D. Sander und ihre gothaische Großmutter (M. E. M. Schüler oder A. K. Schindel). W. habe mit ihr die Ruinen des Reichstagssaales in Worms besichtigt und auf Luthers und G.s Gesundheit getrunken. Über ihren Wunsch, im Winter nach Hamburg zu gehen und zuvor in Weimar zu spielen, wozu ihr früher die Erlaubnis verweigert worden sei. Ob ein nochmaliger Versuch Erfolg haben werde, konnte W. nicht beantworten. - Die Heidelberger Studenten hätten H. Hendel und W. in Mannheim ein Vivat gebracht; erwähnt: Gotters "Medea". Mit G.s Sohn habe er schöne Stunden auf dem Heidelberger Schlosse verlebt (vgl. RA 5, Nr. 1235). Morgen reise W. von Tübingen nach Coppet und wäre glücklich, trotz G.s Abneigung noch ein Stück für eine Weimarer Aufführung schreiben zu dürfen. Anfrage, ob er im Winter wieder nach Weimar kommen könne. Ferner erwähnt: C. V. Goethe, das Herzogspaar, J. Schopenhauer, S. von Schardt, Riemer, Meyer, Cotta.

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