Brief

An Christian Gottlob Voigt (9. November 1812)

AN CHRISTIAN GOTTLOB VOIGT Ew Excellenz freundliche Zuschrift habe mit ganz besonderem Vergnügen erhalten und mich daran, wie an der beygefügten Sendung (ich erhielt beydes zusammen an einem einsamen Abend) ergetzt und erquickt. Von unserem alten Freund Trebra haben wir bisher manchen schönen Beytrag erhalten. Vor dreysig und mehr Jahren entdeckten wir zusammen einen geologisch höchst wichtigen Punct am Harze, wo ein entschiedener röthlicher Granit in ein schwarzes, wunderbares kaum zu benennendes Gestein übergeht. Ich nahm damals rohe und halb angeschliffene Stücke mit. Trebra ließ ein Paar ovale Tischplatten daraus schneiden und poliren, diese hielt er die lange Zeit her am Herzen und fasste nur jetzt erst den Vorsatz, sich derselben zu entäußern. Eine verehrte er Durchl. dem Herzog, die andere mir. Die erste ist nun zur Bewunderung und zum Kreuz der Mineralogen hier niedergelegt, die andere hoffe ich in Weimar vorzuweisen. Die Stufen salzsauren Kupfers hat Lenz sogleich mit großer Verehrung angenommen und sie in sein Schnupftuch gewickelt auf das Museum getragen. Er hatte vor dem Jahr ein kleines Exemplar aus America selbst erhalten. Aber diese sind durch ihre Schönheit höchst merkwürdig. Ihre Beschreibung wird ein Paar Seiten, wo nicht ein Paar Blätter in seinem neuen Oryktognostischen Werke einnehmen. An den Farben wenigstens können die Herren Mineralogen die ganze Litaney dieses äußern Kennzeichens herunter beten. Die Oelzischen Gemälde in Belvedere zu finden freut mich gar sehr. Es giebt immer einmal wieder Gelegenheit, Auge und Urtheil zu schärfen, und auch hier macht es oft mehr Vergnügen zu suchen als zu finden, zu urtheilen als zu genießen. Durchl. der Herzog munterte mich neulich auf, nach Berka an die Schwefelwasser zu gehen. Durchl. der Erbprinz verlangten meine Gedanken über eine dort anzulegende Badeanstalt. Ich habe die Sache durch gedacht, mit Prof. Kieser und Döbereiner durch gesprochen und hoffe bey meiner Rückkunft ein gedrängtes Promemoria zu überreichen. In solchen Fällen ist Klarheit höchst nöthig, man mag ein solches Anerbieten der Natur aufnehmen oder ablehnen. Mein dießmaliger Museumsbericht wird Ew Excellenz Vergnügen machen. Alles ist nicht nur wohl erhalten, sondern auch recht hübsch vermehrt worden. Mich zu freundschaftlicher Huld empfehlend. Jena den 9t November 1812.

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