Brief

Von Karl Friedrich Moritz Paul Graf von Brühl (10. Mai 1821)

Groß und herrlich ist Ihre Dichtung ("Prolog zu Eröffnung des Berliner Theaters im Mai 1821"), die B. auch P. A. Wolff mitgeteilt habe. Leider könne man aus verschiedenen, im einzelnen aufgeführten Gründen die szenischen Anforderungen G.s nicht erfüllen (vgl. "Bemerkungen, sich auf den Prolog überhaupt ... beziehend", WA I 13. 2, 202-205) und bitte ihn daher, die Decorations Verwandlung, Musik, Tanz so viel als möglich aufzugeben, und durch das Wort geistig vorführen zu lassen; erwähnt: G. Spontinis "Olympia" (Libretto von E. T. A. Hoffmann nach M. Dieulafoy und C. Brifaut), König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, das Ballett "Die Rosenfee" (von C. M. Telle und G. A. Schneider nach einer Idee von Prinz Karl von Mecklenburg-Strelitz), die (den Prolog vortragende) Künstlerin A. Stich und Großfürstin Alexandra Fjodorowna von Rußland. Für den letzten Teil wünsche B., daß neben einer Würdigung des Baumeisters (K. F. Schinkel) und der mitwirkenden Künstler (u. a. C. Rauch, F. Tieck und K. W. Gropius) auch eine Rückbesinnung des Theaters auf die klassischen Wurzeln anklänge; erwähnt: G.s "Iphigenie auf Tauris" und den die Aufführung eröffnenden Chorus (C. W. von Glucks Ouvertüre zu "Iphigenie in Aulis"). - Sämtliche Prinzen und Prinzeßinnen erneuerten ihre Einladung an G. nach Berlin. Fürst A. Radziwill hoffe, Szenen des "Faust" (in seiner Vertonung) geben zu können.

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