Brief
An Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (24. Februar 1806)
Weimar den 24 Februar 1806.
Ihre Briefe, mein bester Tischbein, haben mir sehr viel Freude gemacht, wie alles übrige, was Sie schriftlich nach Weimar erlassen haben. Vorzüglich aber sey Ihnen Dank gesagt für die größern und kleinern Zeichnungen, die Sie uns mittheilten, die uns genugsam überzeugten, daß Ihr Sinn für die Natur noch der alte ist, daß Sie Ihre Arbeiten noch immer durch geistreiche Gedanken beleben und bedeutend machen, und daß die in Italien ange zündete Flamme des guten Stils und eines freyeren Lebens noch wacker bey Ihnen fortbrennt. Nächstens sollen in Ihr heiteres Buch auch einige Worte von uns eingezeichnet werden, und wenn Sie diese schönen Blätter zu rückerhalten, so versäumen Sie ja nicht uns von Zeit zu Zeit etwas neues zu senden. Besonders verlangend wäre ich, Ihre Cassandra, auch nur in dem leichtesten Feder umrisse zu sehen, wodurch man sich doch wenigstens die Com position vergegenwärtigte. Ich habe alle Blättchen auf gehoben, auf welchen Sie mit wenigen Strichen so viel be deutendes vor den Geist brachten.
Herr Albers hat sehr viel Anlagen und ist von uns auf das freundlichste behandelt worden. Ich danke Ihnen für die nähere Schilderung dieses werthen Mannes.Lassen Sie mich doch manch mal etwas von Ihren Umgebungen erfahren. Es ist höchst erfreulich zu empfinden, daß frühere gute Verhältnisse durch Zeit und Entfernung nicht leiden., G (Punkt zu Komma korr.) ia sich eher durch fortdauernde Wirkung verbessern. Goethe
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