Brief
An Friedrich Wilhelm Gotter (Juni 1773)
Schicke dir hier den alten Götzen.
Magst ihn nun zu deinen Heilgen setzen,
Oder magst ihn in die Zahl
Der ungeblätterten stellen zumal.
Habs geschrieben in guter Zeit,
Tags, Abends und Nachts Herrlichkeit.
Und find nicht halb die Freud so mehr,
Da nun gedruckt ist ein groses Heer.
Find daß es wie mit den Kindern ist,
Da doch wohl immer die schönste Frist
Bleibt wenn man in der schönen Nacht
Sie hat der lieben Frau gemacht.
Das andre geht dann seinen Gang,
Und Rechnen, Wehn, und Tauf' und Sang.
Mögt euch nun auch ergötzen dran,
So habt ihr doppelt wohlgethan.
Magst wie ich höre denn allda
Agiren tragiren Commödia ,
Vor Stadt und Land, und Hof und Herrn,
Die sehn das Schattenspiel wohl gern.
So such dir dann in deinem Haus
Einen recht tüchtigen Bengel aus,
Und gieb ihm die Roll von meinem Götz,
In Panzer, Blechhaub und Geschwäz
Dann nimm den Weisling vor dich hin,
In Pumphos, Kragen und stolzem Kinn,
Und Spada wohl nach Spanierart
Und Weitnaslöchern, Stüzleinbart,
Und sey ein Falscher an den Frauen,
Laß dich zuletzt vergiftet schauen.
Und bring, da hast du meinen Dank,
Mich vor die Weiblein ohn Gestank,
Must alle garst'ge Worte lindern,
Aus Scheiskerl Schurken, aus Arsch mach Hintern,
Und gleich das alles so fortan,
Wie du's wohl ehmals schon getahn.
Goethe.
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