Brief

An Julius Eduard Hitzig (29. Juli 1817)

An J. E. Hitzig. Ew. Wohlgeboren haben durch Ihr geneigtes Schreiben eine sehr angenehme Empfindung in mir erregt, denn da ich, an der Stelle welche mir ein günstiges Geschick zuzutheilen beliebte, den Glauben nicht verlieren darf, daß der Mensch einer Besserung, Ausbildung und Vollendung fähig sey und daß der größte Vorzug seiner Gattung darin bestehe, daß er sich zur Selbstbeherrschung erheben könne; so muß mir nichts willkommner seyn, als wenn diejenigen, welche bestellt sind gegen das Gesetzlose zu wirken, nach Einsicht und Gewissen, von gleicher Hoffnung geleitet, zu mildem Entschluß sich bewogen fühlen. Konnten die redlichen Aufklärungen die ich in der Sache zu geben im Stande war etwas dazu beytragen, daß bey den hohen und höchsten Behörden jener Glaube gestärkt und einem wirklich fähigen und brauchbaren Menschen Zeit und Raum gelassen wurde seine Verirrungen einzusehen, zu vermeiden und in reine Thätigkeit aufzulösen, so muß ich mich nothwendig darüber höchlich freuen, mit dem Wunsch, daß dieser humane Versuch gelingen und zu ähnlichen in der Folge Überzeugung und Muth geben möge. Zugleich wünsche nichts mehr als daß Ew. Wohlgeboren meiner Dankbarkeit für geneigte Einwirkung und mir mitgetheilte gefällige Nachricht versichert seyen. Jena d. 29. July 1817.

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