Brief

An Johann Friedrich Heinrich Schlosser (19. Februar 1810)

Wohlgeborner, Insonders hochgeehrtester Herr Ew Wohlgebornen verzeihen, daß ich auf die mir schon längst überschickten, höchst interessanten Papiere noch nichts weiter vernehmen lassen. Sie haben dadurch den gan zen Zustand dessen, was mich in jener Gegend angeht, so klar aus einander gesetzt, daß mir weiter nichts zu wünschen übrig bleibt. Wie glücklich ist der Staat, wie glücklich die Einzelnen, die Ihnen ihre um deren Geschäfte anvertrauen sSie sich bemühen wollen. Haben Sie die Gefälligkeit nun mehr mit dem Abtrag des Capitals an H. Geheimenrath Willemer fort zufahren, u wenn diese Obliegen heit ganz erfüllt ist, mir von Zeit zu Zeit einige Nachricht zu geben, was etwa für mich in Casse liegt. Die verschiedenen StaatsPapiere durch die leider die Achiven gestraft werden für das was die Fürsten rasten, beurtheilen Sie voll kommen richtig. Ich dächte man sähe noch einige Zeit der Sache zu. Wenigstens kann es beynahe nicht schlim mer werden, als es gegenwärtig steht. Ew. W. befinden sich in einer großen Handelstadt eher im Fall auf diese Verhältnisse Acht zu haben und irgend einen günstigen Augenblick abzuwarten. Consolidirt sich der Zustand unsres Vaterlandes auf eine oder die andere Weise,;Komma zu Semikolon so verbessern sich vielleicht aufch diese Aussichten. Das übersendete Verzeichniß der gewünschten Bücher, kam leider um 8 Tage zu spät. Bey der Wohl feilheit der Preise sind freylich die Liebhaber gleich dahinterher. Sollte wieder so ein Ausgebot geschehen, so will ich das Verzeichniß bald mög lichst übersenden. Es haben sich bey uns, durch Todesfälle und andre Umstände so viele Dubletten von sehr bedeutenden Werken ge sammelt, welche man nach u nach auf diese Weise anzubringen denkt u ungeachtet des wohlfeilen Aus gebotes noch immer gegen Kosten und Unstatten einer Auction gewinnt. Die Lebensbeschreibung Götzens von Berlichingen hat mein Sohn, der sich gegenwärtig hier befin det u sich bestens empfiehlt, in Jena. Er wird bey seiner nächsten Hinüberkunft sogleich sie mir zusenden, u sie erfolgt alsdann von hier aus aufs baldigste mit Einweisungszeichen in linker Spalte erg. Die alten Rechnungs- Haushal tungsbücher, Quittungen u sonstige Papiere, welche noch in Ew. W. Händen sind, bitte in eine Kiste schlagen zu lassen u mir solche durch einen Fuhrmann zu über senden. Gewiß sind einige Notizen, die mir vielleicht zufällig brauchbar sind, die Fracht werth, die ich daran wende. An allem Guten, das Ihnen und den Ihrigen widerfährt, welche wir billig auch die unsrigen nennen, nehmen wir den herzlichsten Antheil. Empfehlen Sie uns zum besten sämmtlichen lieben Freunden. Von Ihres Herrn Bruders Behagen in Rom erhalte ich soeben durch Frau von Humboldt Nachricht, welche sich seines Umgangs vorzüglich erfreut. Meine Frau, die sich bestens em pfielt, wird nächstens selbst von sich hören lassen. Sie ist, wie auch ich, seit beynahe einem Monat durch die vielen aufeinander folgen den GeburtstagsFeste, welche durch einen sehr unangenehmen Faden von Einquartirung durchwirkt waren, in steter Beschäftigung u Unruhe gewesen. Sie dankt aber mit mir aufs herzlichste für alle freundschaft. Bemühungen, und freut sich mit treuer Theilnahme an den gegebenen guten Nachrichten. Erhalten Sie uns Ihr gütiges Andenken u empfehlen uns den lieben Ihrigen aufs allerbeste. Weimar den 19. Februar 1810

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