Brief
Von Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée (13. August 1816)
Der Vertrag mit der preußischen Regierung über den Verkauf der Gemäldesammlung sei am 7. August abgeschlossen worden; erwähnt: K. F. Schinkel und der preußische König. Die Bedingungen seien: 200,000 fl Kapital und außerdem 10,000 fl lebenslängliches Einkommen, beides als Kaufpreis. Hinzu kämen vorläufig noch 100,000 fl zur Vermehrung der Sammlung unter unserer fortdauernden Oberverwaltung. Der Vertrag bedürfe nur noch der Genehmigung des Staatskanzlers (Fürst K. A. Hardenberg), an der B. nicht zweifle. Die persönliche Bekanntschaft mit Schinkel habe viel zur Entscheidung für Berlin beigetragen, auch wenn man den Niederrhein als Standort vorgezogen hätte; erwähnt: K. F. Zelter und ein Freund, der als einziger ins Vertrauen gezogen worden sei. - B. habe darüber hinaus ein überaus großzügiges Angebot in den hiesigen Gegenden erhalten, dessen Herkunft er jedoch dem Papier nicht anvertrauen dürfe. - Er habe G. bereits früher schreiben wollen, aber die ihm bis zur kleinsten Kanzleiarbeit zu Theil gewordene Plackerey mit dem Verzeichnis und weitläufigen Vertrag hätten ihn sehr ermüdet. - Über die willkommene Erfrischung, die ihm die neue Ausgabe von G.s Gedichten verschafft habe ("Werke" B, Bd. 1-2); erwähnt: G.s alte und neue Werke. Hoffnung, das 2. Heft von "Über Kunst und Altertum" noch vor Jahresende zu erhalten. G. würde B. in seinem neuen Verhältniß gar sehr fördern, wenn er darin auf die Leistungen von B., M. Boisserée und J. B. Bertram für die Vervollständigung der Sammlung hinwiese. - Der bayerische Kronprinz, der B. besucht habe, nachdem er von den Verhandlungen mit Preußen erfahren habe, wolle die Vereinigung der Münchner altdeutschen Schätze mit B.s Gemäldesammlung erreichen und habe B. vorgestern nach seinen Bedingungen gefragt. Der Kronprinz sei von G.s Schrift ("Über Kunst und Altertum" I 1) überaus beeindruckt; Bemerkungen über das Steinmetzwesen. - K. W. und H. von Fritsch hätten die Gemäldesammlung besucht, wo sie mit K. vom und zum Stein und seiner Familie zusammengetroffen seien. - Bedauern darüber, daß G. in diesem Jahr nicht an den Rhein komme. Den nächten Brief B.s werde G. aus Baden-Baden erhalten. - Die von Frankfurt gekommenen Einlage habe einige Tage auf die Absendung gewartet.
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- Hardenberg, Karl August von
- Stein, Heinrich Friedrich Karl vom und zum
- Bertram, Johann Baptist
- Fritsch, Karl Wilhelm von
- Schinkel, Karl Friedrich
- Fritsch, Henriette von
- Ludwig I., Bayern, König
- Preußen, Friedrich Wilhelm III. König von
- Carl Friedrich Zelter
- Boisserée, Melchior Hermann Joseph Georg
- Stein, Heinrich Friedrich Karl vom und zum; dessen Familie
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