Werk
Rapunzel
Inhalt: Als seine schwangere Frau nach Rapunzeln verlangt, schleicht sich ihr Gatte allabendlich in den Nachbarsgarten und pflückt die Pflanzen. Als er einmal von der Besitzerin, einer Zauberin, entdeckt wird, verlangt sie daraufhin, er möge ihr sein Kind geben, sobald es geboren sei - ansonsten würde ihm ein Unheil geschehen. Sobald es geboren ist, holt die Zauberin das Kind und nennt es Rapunzel. Mit 12 Jahren sperrt sie das Mächen in einen türlosen Turm ein. Nur mithilfe Rapunzels langer Haare kann sie zu ihr gelangen. Eines Tages entdeckt ein Prinz den Turm und das Mädchen und gelangt durch eine List ("Rapunzel, Rapunzel, lass mir dein Haar herunter!“) zu ihr und verspricht, sie zu erlösen. Als die Zauberin davon erfährt, schneidet sie Rapunzel die Haare ab und verbannt sie. Mit den abgeschnittenen Haaren lockt sie den Prinzen hinauf, stößt ihn vom Turm hinab in die Dornen, sodass er erblindet. Als beide sich schließlich begegnen und er Rapunzel an ihrem Gesang wiedererkennt, weint sie Tränen über sein Gesicht, woraufhin er das Augenlicht zurück erhält und seine Braut heimführt. In der ersten Auflage entdeckte die Zauberin durch Rapunzels Schwangerschaft den Betrug: diese Anspielungen auf vorehelichen Sex fehlten in der Ausgabe ab 1819.
Überlieferung: Steht in den KHM an Stelle 12, laut Märchenindex ATU 310 (Jungfrau im Turm). Vielfach adaptiert und (neu) interpretiert: bekannt sind die Buchillustrationen von A. Rackham und D. Hockney, einzelne Märchenverfilmungen existieren bis in die Gegenwart, auch wurde der Stoff als Oper und Musical bearbeitet.
Zeit- und Sachbezug: Basiert indirekt auf der ital. Vorlage: die Grimms nutzten die französ. Adaption ("Persinette") bzw. deren Übersetzung von Friedrich Schulz (er hatte auch Petersilie in Rapunzel umgewandelt).