Werk

Der treue Johannes

Inhalt: Johannes, treuer Diener des sterbenden Königs, verspricht diesem, seinen Sohn zu unterrichten und ihm alle Kammern im Schloss zu zeigen, außer der letzten, in der das Bild der Königstochter vom goldenen Dache steht. Der Königssohn merkt, wie der treue Johannes ihm ein Zimmer nicht zeigen will, und besteht darauf, woraufhin er in Ohnmacht fällt beim Anblick des Bildes. Der treue Johannes segelt vor das Schloss der Königstochter und lockt sie mit Goldsachen aufs Schiff und fährt los, während ihr der Königssohn unter Deck noch den übrigen Schatz zeigt und ihr seine Liebe offenbart. derweil hört der treue Johannes am Bug drei Raben zu. Sie sprechen von einem fuchsroten Pferd, das den König davontragen wird, wenn nicht ein anderer vorher aufspringt und es erschießt, einem Brautkleid aus Schwefel und Pech, das ihn bis auf die Knochen verbrennen wird, wenn nicht einer es mit Handschuhen ins Feuer wirft, und dass die Braut beim Tanz wie tot hinfallen und sterben wird, wenn ihr nicht einer drei Blutstropfen aus der Brust zieht und wieder ausspeit. Wer das aber dem König verrät, wird zu Stein. Als der treue Johannes schweigend dem König zuvorkommt und das Pferd und das Kleid unschädlich macht, verteidigt der ihn noch vor den anderen Dienern. Als er aber die Braut rettet, indem er ihr Blut aus der Brust zieht, wird er zum Galgen geführt. Dort erklärt sich der treue Johannes und wird zu Stein. Der König bereut und lässt das steinerne Bild neben seinem Bett aufstellen. Eines Tages spricht es zu ihm, dass er seinen treuen Diener erretten kann, wenn er seinen beiden Söhnlein den Kopf abhaut und ihn mit deren Blut bestreicht. Der Vater tut es schweren Herzens, worauf der Johannes lebendig wird und auch die Söhne wiederbelebt. Nachdem die Königin beweist, dass sie ebenso entschieden hätte, leben sie glücklich.

Zeit- und Sachbezug: Quelle aus "Zwehrn" (vermutlich D. Viehmann). Auffallende Ähnlichkeit mit Basiles Märchen "Lo cuorvo" (Opferung der Kinder, Entzauberung des steinernen Dieners). Bezüge zum Alten Testament und Volksglauben (Wunderkräfte des Blutes unschuldiger Kinder) sowie zur Freundschaftssage um "Amicus und Amelius" (ATU 516 C, erstmals 1090 erwähnt).

Überlieferung: Steht in den KHM an 6. Stelle, laut Märchenindex ATU 516 (Treuer John). Ersetzte in der Ausgabe von 1819 das Märchen "Von der Nachtigall und der Blindschleiche". Vergleichsweise geringe Rezeption, in KHM-Ausgaben für Kinder kaum vertreten. Vorlage für H. C. Andersens Märchen "Raven" (1832). Illustrationen von W. Crane.

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