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Zeichnung

Porträt der schlafenden Corona Schröter (recto); Schlosstrakt mit Treppenturm (verso)

1777

Inventarnummer
GGz/0122
Inventarnummer
GGz/0122
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209941

Schwarze Kreide (recto); Bleistift (verso)

Die Zeichnung gehört zu den Porträtzeichnungen. In einem Brief vom 15. Januar 1773 an Johann Christian Kestner schrieb Goethe: „Ich binn ietzt ganz Zeichner, und besonders glücklich im Portrait.“ (WA IV 2, S. 52-53 / Online-Edition: GB 2, Nr. 3 (Elke Richter / Georg Kurscheidt), in: http://goethe-biographica.de/id/GB02_BR003_0 (Version vom 02.09.2024)). In den Jahren von 1776 bis 1780 erreichte Goethes Interesse an der Porträtzeichnung einen Höhepunkt. Es entstanden zahlreiche Porträts von Freunden und Bekannten, mit Vorliebe im reinen Profil (vgl. Hecht 1982, S. 90). Das Porträtzeichnen bei gegenseitigen Besuchen und das Verschenken der Porträts verleihen diesen Zeichnungen eine wichtige Rolle im sozialen Gefüge.

Dargestellt ist die schlafende Corona Schröter, en face, aufrecht sitzend, den Kopf nach links angelehnt, in leichter Untersicht, unter Verzicht auf jegliche Umgebungsgestaltung. Die Schauspielerin und Sängerin, die im November 1776 nach Weimar kam und am Liebhabertheater aktiv war, verband eine enge Freundschaft mit Goethe, der sie liebevoll „Crone“ nannte (vgl. Maisak 1996, S. 83). Die Rückseite zeigt einen Teil eines Gebäudes, das bisher nicht identifiziert werden konnte. Im Winkel zweier Gebäudeflügel steht ein markanter polygonaler Treppenturm.

Das Blatt ist vorder- und rückseitig auf jeweils gegenüberliegenden Foliohälften bezeichnet. Die Vorderseite ist mit lockeren Kohlestrichen ausgeführt, die das charakteristische des Gesichts in einem flüchtigen Eindruck erfassen. Auf der Rückseite ist mit Bleistift das Wesentliche des Bauwerks skizzenhaft umrissen. In der Mitte ist das Blatt vertikal gefaltet, Einstichlöcher finden sich auf den Foliohälften gespiegelt, jeweils in den oberen Ecken, sowie oben und unten mittig am Rand.

Maisak bemerkt, dass sich Goethe in dieser Zeichnung von der Fixierung auf physiognomische Merkmale löse und an der individuellen Beobachtung am lebenden Modell erprobe und sich auf wenige Striche reduziere. „Er folgt dem Ideal einer unbefangenen Natürlichkeit und sucht die direkte Übertragung des subjektiven Eindrucks ins Medium der Zeichnung, wobei er die Intimität des Schlafes wahrt.“ (Maisak 1996, S. 83) In der privaten Wiedergabe kommt das enge Verhältnis zwischen Goethe und Schröter zum Ausdruck.

Am 18. Juli 1777 notiert Goethe im Tagebuch er habe eine Gruppe von Personen, darunter auch Schröter porträtiert (WA III 1, S. 42 / Online-Edition: GT I, 18.7.1777 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0397 (Version vom 02.09.2024)). Möglicherweise sind bei dieser Gelegenheit die Porträts von Wilhelmine Probst und ihrem Bruder entstanden (GGz/0121, GGz/0120). Der Eintrag am Folgetag „Früh. Cr. Gez.“ (WA III 1, S. 42 / Online-Edition: GT I, 19.7.1777 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0398 (Version vom 02.09.2024)) wird von Gerhard Femmel mit der vorliegenden Zeichnung in Verbindung gebracht.

Laura Lisa Beier, 2025-06-24

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