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Zeichnung
Porträt Charlotte von Stein (?)
1777
- Inventarnummer
- GGz/1945
- Inventarnummer
- GGz/1945
- PID
- pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209940
Graues Papier, aus Versatzstücken zusammengesetzt; Schwarze Kreide
Die Zeichnung gehört zu den Porträtzeichnungen. In einem Brief vom 15. Januar 1773 an Johann Christian Kestner schrieb Goethe: „Ich binn ietzt ganz Zeichner, und besonders glücklich im Portrait.“ (WA IV 2, S. 52-53 / Online-Edition: GB 2, Nr. 3 (Elke Richter / Georg Kurscheidt), in: http://goethe-biographica.de/id/GB02_BR003_0 (Version vom 02.09.2024)). In den Jahren von 1776 bis 1780 erreichte Goethes Interesse an der Porträtzeichnung einen Höhepunkt. Es entstanden zahlreiche Porträts von Freunden und Bekannten, mit Vorliebe im reinen Profil (vgl. Hecht 1982, S. 90). Das Porträtzeichnen bei gegenseitigen Besuchen und das Verschenken der Porträts verleihen diesen Zeichnungen eine wichtige Rolle im sozialen Gefüge.
Dargestellt ist das Schulterstück einer Frau im reinen Profil, deren helles Gesicht sich vor einem dunkel gestalteten Hintergrund abhebt.
Das Porträt ist mit schwarzer Kreide auf grauem Papier sorgfältig ausgeführt, der Torso dazu im Kontrast skizzenhaft. Das Blatt ist am linken und oberen Rand durch einen angesetzten Streifen ergänzt und zeigt am rechten Rand eine vertikale Knickfalte. Einstichlöcher finden sich unten und links mittig am Rand, besonders in der rechten Hälfte zeigt sich ein starker Abrieb der Kreide.
Von Ruland zunächst als Herzogin Luise von Sachsen-Weimar-Eisenach identifiziert (vgl. Ruland 1904a, S. 9), kamen Wahl diesbezüglich Zweifel (vgl. Wahl 1934, S. 568). Stattdessen schlug er die Identifizierung als Charlotte von Stein vor (vgl. Wahl 1940, o. P., Abb. 11), die sich bis heute erhalten hat, allerdings noch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet ist. Maisak hält die Ähnlichkeiten zu dem Silberstiftporträt, das Dora Stock oder auch Charlotte von Stein selbst zugeschrieben wird für überzeugend (vgl. Maisak 1996, S. 82; KPh/6314).
Goethes Neigung zu Charlotte von Stein kommt beispielsweise in seinem Gedicht ‚Warum gabst du uns die tiefen Blicke‘ (WA I 4, S. 97-98) oder den fast täglich an sie gerichteten Briefe zum Ausdruck (vgl. ebd.). Am 14. März 1777 schreibt Goethe ihr: „Ich habe grose Lust und Hoffnung Sie zu zeichnen.“ (WA IV 3, S. 142 / Online-Edition: GB 3, Nr. 233, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR233_0 (Version vom 02.09.2024)). Die Tagebucheinträge und Briefe der folgenden Tage lassen auf eine mehrtägige Beschäftigung mit einem entsprechenden Porträt schließen, das mit der sorgfältigen Ausführung der vorliegenden Zeichnung im Einklang steht (WA III 1, S. 35; WA IV 3, S. 143; WA III 1, S. 35; WA III 1, S. 36; WA IV 3, S. 146). Ein Porträt Charlotte von Steins führte Goethe laut einem Brief vom 06.09.1777 (WA IV 3, S. 173 / Online-Edition: GB 3, Nr. 286, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR286_0 (Version vom 02.09.2024)) bei einer Reise mit sich, ähnlich einer Reliquie (vgl. Maisak 1996, S. 82).
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Dargestellt ist das Schulterstück einer Frau im reinen Profil, deren helles Gesicht sich vor einem dunkel gestalteten Hintergrund abhebt.
Das Porträt ist mit schwarzer Kreide auf grauem Papier sorgfältig ausgeführt, der Torso dazu im Kontrast skizzenhaft. Das Blatt ist am linken und oberen Rand durch einen angesetzten Streifen ergänzt und zeigt am rechten Rand eine vertikale Knickfalte. Einstichlöcher finden sich unten und links mittig am Rand, besonders in der rechten Hälfte zeigt sich ein starker Abrieb der Kreide.
Von Ruland zunächst als Herzogin Luise von Sachsen-Weimar-Eisenach identifiziert (vgl. Ruland 1904a, S. 9), kamen Wahl diesbezüglich Zweifel (vgl. Wahl 1934, S. 568). Stattdessen schlug er die Identifizierung als Charlotte von Stein vor (vgl. Wahl 1940, o. P., Abb. 11), die sich bis heute erhalten hat, allerdings noch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet ist. Maisak hält die Ähnlichkeiten zu dem Silberstiftporträt, das Dora Stock oder auch Charlotte von Stein selbst zugeschrieben wird für überzeugend (vgl. Maisak 1996, S. 82; KPh/6314).
Goethes Neigung zu Charlotte von Stein kommt beispielsweise in seinem Gedicht ‚Warum gabst du uns die tiefen Blicke‘ (WA I 4, S. 97-98) oder den fast täglich an sie gerichteten Briefe zum Ausdruck (vgl. ebd.). Am 14. März 1777 schreibt Goethe ihr: „Ich habe grose Lust und Hoffnung Sie zu zeichnen.“ (WA IV 3, S. 142 / Online-Edition: GB 3, Nr. 233, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR233_0 (Version vom 02.09.2024)). Die Tagebucheinträge und Briefe der folgenden Tage lassen auf eine mehrtägige Beschäftigung mit einem entsprechenden Porträt schließen, das mit der sorgfältigen Ausführung der vorliegenden Zeichnung im Einklang steht (WA III 1, S. 35; WA IV 3, S. 143; WA III 1, S. 35; WA III 1, S. 36; WA IV 3, S. 146). Ein Porträt Charlotte von Steins führte Goethe laut einem Brief vom 06.09.1777 (WA IV 3, S. 173 / Online-Edition: GB 3, Nr. 286, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR286_0 (Version vom 02.09.2024)) bei einer Reise mit sich, ähnlich einer Reliquie (vgl. Maisak 1996, S. 82).
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
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