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Zeichnung

Porträt Johann Wolfgang von Goethe (?) (recto); Schluchtweg (verso)

1776 - 1780

Inventarnummer
GGz/2346
Inventarnummer
GGz/2346
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209934

Braunes Papier; Schwarze Kreide (recto); Bleistift, schwarze Kreide (gewischt) (verso)

Die Zeichnung gehört zu den Porträtzeichnungen. In einem Brief vom 15. Januar 1773 an Johann Christian Kestner schrieb Goethe: „Ich binn ietzt ganz Zeichner, und besonders glücklich im Portrait.“ (WA IV 2, S. 52-53 / Online-Edition: GB 2, Nr. 3 (Elke Richter / Georg Kurscheidt), in: http://goethe-biographica.de/id/GB02_BR003_0 (Version vom 02.09.2024)). In den Jahren von 1776 bis 1780 erreichte Goethes Interesse an der Porträtzeichnung einen Höhepunkt. Es entstanden zahlreiche Porträts von Freunden und Bekannten, mit Vorliebe im reinen Profil (vgl. Hecht 1982, S. 90). Das Porträtzeichnen bei gegenseitigen Besuchen und das Verschenken der Porträts verleihen diesen Zeichnungen eine wichtige Rolle im sozialen Gefüge.

Die Vorderseite zeigt das Brustbild eines Mannes im reinen Profil, die Rückseite eine Landschaft mit steilen Felshängen, durch die ein Weg führt, im Zentrum des Vordergrundes sind sitzende Staffagefiguren in Rückenansicht zu erkennen.

Die Zeichnung ist vorderseitig mit schwarzer Kreide auf braunem Papier ausgeführt, die Darstellung ist auf wenige Konturlinien reduziert, der dunkle Hintergrund mit einer groben Schraffur angedeutet. Eine Unterzeichnung mit geringen Abweichungen ist erkennbar. Die Darstellung der Rückseite ist skizzenhaft mit einigen Konturlinien mit Bleistift und gewischter Kreide für die Schattierung ausgeführt.

Die Identifizierung als (Selbst-)Porträt Goethes basiert auf der Bezeichnung des Blattes von unbekannter Hand mit „Goethe“, sowie dem Tagebucheintrag vom 13.03.1777, in der er notiert: „früh mich selbst gezeichnet.“ (WA III 1, S. 35 / Online-Edition: GT I, 13.3.1777 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0310 (Version vom 02.09.2024)). Die Zuordnung Goethes, sowohl in Bezug auf das Motiv als auch auf die Autorschaft, war stets mit Zweifeln belastet (vgl. Schulte-Strathaus 1910, S. 20; Wahl 1934, S. 568; Corpus I, S. 101). Die Reduzierung auf wenige Konturlinien des Profils unter Auslassung von Details wie dem Unterlid erschweren eine Identifizierung, lassen aber vermuten, dass es sich um eine Kopie nach einer Vorlage handeln könnte. Im Vergleich zu anderen Porträts, wie dem von Georg Melchior Kraus (KHz1993/00370), fallen allgemeine Gemeinsamkeiten, aber vor allem Unterschiede in Details wie der Nasen-Augen-Partie auf. Dass es unter den zahlreichen Goethe-Bildnissen zu deutlichen Abweichungen kommt, bemerkt auch Körner im Vergleich der Porträts von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (KHz1984/00225), Angelika Kauffmann (KGe/00445) und Johann Heinrich Meyer (KHz/02152): „Es scheint jeweils eine andere Person zu sein. Nicht untereinander, sondern mit den jeweiligen Selbstbildnissen der Malerin und der Maler besteht die größere Verwandtschaft, ja frappante physiognomische Ähnlichkeit.“ (Körner, in: Katalog Frankfurt/Weimar 1994, S. 158) Tatsächlich bietet sich eine alternative Identifizierung durch den Vergleich zu Goethes Porträt von Friedrich Maximilian Klinger (Corpus VIb 246) sowie dem Umrissstich (Gr-2018/1300) an.

Die Landschaftsskizze der Rückseite erinnert mit den steilen Felshängen an Zeichnungen der Schweizreise, die unscheinbar plattierten Figuren, im Vordergrund zur Skalierung der gewaltigen Landschaft dienen tauchen auch in der Zeichnung eines Felsenkessels auf (GGz/0646). Die eher schematisch angelegte Schattierung und Struktur der Felsen hingegen sind untypisch für Goethe.

Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Beschriftung

Am unteren Rand Stiftungsstempel und Testat von unbekannter Hand: "Goethe"

Am unteren Rand Stiftungsstempel und Testat von unbekannter Hand: "Goethe"

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