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Zeichnung

Porträt Christoph Martin Wieland

1776

Inventarnummer
GGz/2251
Inventarnummer
GGz/2251
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209929

Bleistift, Rötel, Pinsel in Grau (teilweise laviert), Aquarell (einzelne Partien des Gesichts, Auge, Torso), Deckweiß

Bleistift, Rötel, Pinsel in Grau (teilweise laviert), Aquarell (einzelne Partien des Gesichts, Auge, Torso), Deckweiß

Die Zeichnung gehört zu den Porträtzeichnungen. In einem Brief vom 15. Januar 1773 an Johann Christian Kestner schrieb Goethe: „Ich binn ietzt ganz Zeichner, und besonders glücklich im Portrait.“ (WA IV 2, S. 52-53 / Online-Edition: GB 2, Nr. 3 (Elke Richter / Georg Kurscheidt), in: http://goethe-biographica.de/id/GB02_BR003_0 (Version vom 02.09.2024)). In den Jahren von 1776 bis 1780 erreichte Goethes Interesse an der Porträtzeichnung einen Höhepunkt. Es entstanden zahlreiche Porträts von Freunden und Bekannten, mit Vorliebe im reinen Profil (vgl. Hecht 1982, S. 90). Das Porträtzeichnen bei gegenseitigen Besuchen und das Verschenken der Porträts verleihen diesen Zeichnungen eine wichtige Rolle im sozialen Gefüge.

Im reinen Profil erscheint das Schulterstück des Schriftstellers Christoph Martin Wieland. Wieland, der zur Erziehung des Herzogs Carl August nach Weimar gekommen war, verband eine langjährige Freundschaft mit Goethe (vgl. Thiel, in: Ausst.-Kat. Frankfurt (Main) 1999, S. 213).

Die Zeichnung ist in einer für Goethe ungewöhnlichen Mischtechnik ausgeführt. Über einer Bleistiftzeichnung, die grau laviert ist, liegen Akzente mit Rötel und Deckweiß. Partien des Gesichts und des Torsos sind mit Aquarell ausgeführt. Das Papier ist verbräunt und unsauber zu einem Oval geschnitten, wodurch der Eindruck eines Medaillons entsteht.

Von Wieland fertigte Goethe bereits 1775 eine Silhouette, die Wieland kurz darauf an Johann Caspar Lavater sandte (vgl. BuG I, S. 387 / Online-Edition: BuG I, BuG01_A_0490 (Ernst Grumach/Renate Grumach), in: http://goethe-biographica.de/id/BuG01_A_0490 (Version vom 02.09.2024)).

Im Tagebuch notiert Goethe am 24. Juni 1776, er habe „Wielanden gezeichnet“ (WA IV 3, S. 15 / Online-Edition: GT I, 24.6.1776 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0079 (Version vom 02.09.2024)). Dies wird durch Wieland selbst in seinem Brief an Johann Heinrich Merck vom 5. Juli des Jahres bestätigt: „Er hat mich in voriger Woche en profil (auf seinem Garten) gezeichnet – In Größe eines nicht gar kleinen Mignaturbildes. Alles was halbweg Menschenaugen hat, sagt, es sehe mir ungemein gleich. Mir kömts auch so vor. Noch kein Maler von Profess. hat mich nur leidlich getroffen. Der Hauptumstand ist, daß es Göthe und con amore gemacht hat. Er ist aber doch noch nicht zufrieden, wills noch einmal machen. Jenes oder das Zweyte das er machen will, soll Chodowieky radiren, nicht wahr?“ (BuG I, S. 434 / Online-Edition: BuG I, BuG01_A_0627 (Ernst Grumach/Renate Grumach), in: http://goethe-biographica.de/id/BuG01_A_0627 (Version vom 02.09.2024)). Dass Goethe nach der ersten Porträtzeichnung noch eine weitere plante, wiederholt Wieland wenig später in seinem Brief an Johann Caspar Lavater vom 29. Juli: „Weil aber dies nur mein Werkeltagsgesicht ist, so hat er sich in den Kopf gesezt, auch mein Sonntagsgesicht zu zeichnen.“ (ebd.) Die im Juni gefertigte und viel gelobte Zeichnung ist nach einer Mitteilung Wielands an den Medailleur Abraham Abramson geschickt worden und ist heute nicht mehr bekannt (vgl. Bode 1918, Goethe in vertraulichen Briefen seiner Zeitgenossen, Bd. 1, S. 209). Bei dem vorliegenden Blatt handelt es sich nicht um die Vorlage für die Medaille (MM-2022/10203), aber könnte es sich um die zweite Fassung handeln, die später, mühevoll in verschiedenen Materialien ausgeführt und vermutlich nicht während eines Besuches entstanden ist.

Laura Lisa Beier, 2025-06-24

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