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Zeichnung

Felsen auf dem Ochsenkopf

1785

Inventarnummer
GGz/1523
Inventarnummer
GGz/1523
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209918

Bleistift, Aquarell

Die Zeichnung entstand während Goethes erster Reise ins Fichtelgebirge im Sommer 1785.

Dargestellt sind Granitfelsen auf dem Gipfel des Ochsenkopfes im Fichtelgebirge mit den für das Gestein typischen Klüftungen. Die Felsen sind umgeben von niedrigen Gewächsen und kleinen Bäumen.

Die Zeichnung ist nicht bis an den Rand des Blattes ausgeführt. Oben rechts und unten links befinden sich Pinselproben. Das Blatt ist rechts abgetrennt, an den anderen Seiten zugeschnitten und weist am unteren Rand eine waagerechte Knickfalte auf. Einstichlöcher sind an allen Seiten mittig zu erkennen. Am rechten Rand sind Rostrückstände einer Büroklammer zu sehen sowie ein Lichtrand, der Aufschluss über einen früheren Zustand der Lavierung gibt.

Die erste Reise ins Fichtelgebirge war ein mehrtägiger Zwischenstopp vom 30. Juni bis zum 4. Juli 1775 auf dem Weg nach Karlsbad in Begleitung von Karl Ludwig von Knebel. Während gemeinsamer Wanderungen entstanden unter anderem verschiedene Zeichnungen von Granitfelsen. Das Thema der Felsformen und Gesteinsklüftungen beschäftigte Goethe seit der zweiten Schweizreise 1779, bei der dritten Harzreise 1784 gelang es ihm durch seine Zeichnungen und Beobachtungen am Granit zu Gesetzmäßigkeiten vorzustoßen (vgl. Wagenbreth 1968, S. 70). Eine Identifizierung der Felsen ist durch die eigenhändige Bezeichnung einer weiteren Skizze derselben Felsen (GGz/0109) gesichert: „Ochsenkopf d. 30. Jun. / 85.“ Laut Knebels Tagebuch und seinen Aufzeichnungen vom 2. Juli 1785 fand der erste Aufstieg zum Ochsenkopf allerdings am 1. Juli statt (BuG II, S. 529-530 / Online-Edition: BuG II, BuG02_A_2391 (Ernst Grumach/Renate Grumach), in: http://goethe-biographica.de/id/BuG02_A_2391 (Version vom 02.09.2024)). Vermutlich ist die sorgfältig ausgeführte Zeichnung zu einem späteren Zeitpunkt auf Grundlage der Skizze entstanden, das Papier findet in keiner weiteren Zeichnungen der Fichtelgebirgsreise Verwendung.
In seinem Text ‚Über den Granit‘ (WA II 9, S. 172) erklärt Goethe die Entstehung der Welt durch die Argumentation des Neptunismus, in der er den Theorien Abraham Gottlob Werners folgt. Maisak bemerkt, dass seine gefühlsmäßige Betrachtung der Landschaft, die seine Zeichnungen der 1770er Jahre prägt, wie beispielsweise den ‚Brocken im Mondlicht‘ (GGz/0964), in dieser Gipfeldarstellung einer geognostischen Landschaftsbetrachtung weicht (vgl. Maisak 1996, S. 114). Die Einbettung der Felsen in eine Landschaft, die für die geologische Betrachtung bloße Staffage sind, zeigt, dass für Goethe im Rahmen einer ganzheitlichen Anschauung auch ästhetische Aspekte eine Rolle spielen (vgl. Wagenbreth 1968, S. 64-65). Dass die naturwissenschaftlichen und ästhetischen Interessen in Goethes Zeichnungen nicht immer eindeutig zu trennen sind, äußert sich auch in der verschiedenen Kategorisierung Femmels, der die skizzenhaften Darstellungen der Felsen auf dem Ochsenkopf dem Band der naturwissenschaftlichen Zeichnungen zuordnet (vgl. Corpus Vb, S. 73-74), die aquarellierte Darstellung mit landschaftlichem Beiwerk jedoch nicht (vgl. Corpus I, S. 99).

Laura Lisa Beier, 2025-06-24
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Rückseite eigenhändige Signatur mit Bleistift: "G"

Rückseite eigenhändige Signatur mit Bleistift: "G"

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