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Zeichnung

Ziegenrücken im Okerthale

1784

Inventarnummer
GGz/1931
Inventarnummer
GGz/1931
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209910

Bleistift, schwarze Kreide, Pinsel in Grau (laviert)

Die Zeichnung entstand während Goethes dritter Harzreise im August und September 1784.

Dargestellt ist eine Felswand am Ufer der Oker beim Ziegenrücken. Die Granitformation ist in vorrangig in steile Klüfte gegliedert, einige Felsblöcke sind herabgestürzt. Zwischen und auf den Felsen wachsen einige Bäume empor.

Das Blatt ist an allen Seiten zugeschnitten und weist in den Ecken Bleistiftmarkierungen auf. Unten rechts befindet sich der eigenhändige Vermerk zu Lokalisierung und Datierung: „Ziegenrücken im Okerthale / d 2 Sept 84“. Papier mit dem gleichen Wasserzeichen wurde während der Harzreise auch für eine weitere Zeichnung verwendet (GGz/0144).

Die eigenhändige Bezeichnung steht im Einklang mit dem Eintrag im Geognostischen Tagebuch in dem Goethe am 2. September 1784 notiert: „Der Ziegenrücken, ein Granitfels.“ (WA II 9, S. 158 / Online-Edition: GT I, 2.9.1784 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_1078 (Version vom 02.09.2024)). Seine dritte Harzreise unternahm er im Herbst 1784 in Begleitung von Georg Melchior Kraus, mit dem Ziel geologische Motive zu zeichnen und zeichnen zu lassen. Für Goethes Geologie müssen daher sowohl seine eigenen als auch die äußerst naturgetreuen Zeichnungen von Kraus berücksichtigt werden (vgl. Wagenbreth 1968, S. 65-66). Das Thema der Felsformen und Gesteinsklüftungen beschäftigte Goethe seit der zweiten Schweizreise 1779, bei der dritten Harzreise gelang es ihm durch seine Zeichnungen und Beobachtungen am Granit zu Gesetzmäßigkeiten vorzustoßen (vgl. Wagenbreth 1968, S. 70). In seinem Aufsatz ‚Gestaltung großer anorganischer Massen‘ (WA II 9, S. 232-240), in dem Goethe rückblickend die Bedeutung der Harzreise für seine geologischen Forschungen betont, wird das Blatt neben einigen Kraus-Zeichnungen aufgelistet: „Ziegenrücken im Ockerthale; regelmäßig rechtwinklig getrennte Granitmasse“ (WA II 9, S. 240, Nr. f). Die Kennzeichnung des Blattes mit dem Buchstaben „f“ nimmt darauf Bezug, ist aber nachträglich von unbekannter Hand zugeordnet worden. Über das epistemische Potenzial der Zeichnungen schreibt er in seinem Aufsatz: „der Zeichner [kommt] ganz allein zur Fähigkeit, Felsenwände und Gipfel richtig und wahrhaft darzustellen, indem er das Unsichtbare durch das Sichtbare sich verdeutlicht und den allgemeinen Charakter im Kleinen wie im Ungeheuren durchzuführen vermag. Die Urgestaltung wird ihm klar, er begreift wie dasselbe Gestein bald als Platte, Säule und doch auch als Wand erscheinen könne, und wie allen diesen Phänomenen eine verwandte Form zum Grunde liege.“ (WA II 9, S. 235)
Obwohl die Reise zu dezidiert geologischen Forschungszwecken unternommen wurde, ist die Trennung zwischen naturwissenschaftlichen und ästhetischen Interessen in Goethes Zeichnungen nicht immer eindeutig. Während Femmel viele der Darstellungen von Granitfelsen den naturwissenschaftlichen Zeichnungen in Band Vb zuordnet, zählt die Zeichnung vom Ziegenrücken aufgrund des landschaftlichen Kontextes zu den voritalienischen Zeichnungen in Band I.

Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Beschriftung

Eigenhändige Lokalisierung und Datierung: "Ziegenrücken im Okerthale d 2 Sept 84."

Eigenhändige Lokalisierung und Datierung: "Ziegenrücken im Okerthale d 2 Sept 84."

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