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Zeichnung

Bergwerk bei Ilmenau

1776

Inventarnummer
GGz/1118
Inventarnummer
GGz/1118
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209909

Bleistift, Pinsel in Grau (teilweise laviert)

Dargestellt ist eine Ansicht aus dem Bergwerk bei Ilmenau. Die Komposition situiert den Betrachter inmitten der durch den Tagebau entstandenen Grube. Rechts kragen die Holzkonstruktionen zweier Haspelbrücken in den Bildausschnitt, die die Funktion der Anlage verdeutlichen. Im Hintergrund über der Grube sind Bäume angedeutet.

Das Blatt ist an allen Seiten zugeschnitten.

Femmel hält eine Zuschreibung an Goethe nur unter der Voraussetzung einer späten Datierung für denkbar, als sich der Einfluss von Georg Melchior Kraus manifestierte, und schlägt eine Entstehung im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung des Bergwerks 1784 vor (vgl. Corpus I, S. 98). Die durch Femmel geprägte Bezeichnung als „Eingestürzte Schachtanlage“ (ebd.) wurde seitdem tradiert, obwohl bereits Wagenbreth auf den Fehlschluss hingewiesen hatte. Die intakten Holzkonstruktionen der Haspelbrücken würden dieser Interpretation widersprechen, das herumliegende Holz deute nicht zwangsläufig auf einen Einsturz hin (vgl. Wagenbreth 1968, S. 76). Eine Entstehung der Zeichnung während der Reise nach Ilmenau, die Goethe mit dem Herzog Carl August vom 18. Juli bis zum 14. August 1776 unternahm, um die Wiederbelebung des Bergbaus voranzutreiben, wie bereits von Walther vorgeschlagen (vgl. Walther 1930, S. 79-80), ist durchaus denkbar. In diesem Jahr hielt er sich wiederholt in Ilmenau auf, um seine bergmännischen Kenntnisse zu vertiefen (vgl. Krätz 1992, S. 45) und übernahm im Folgejahr die Leitung der neu gegründeten „Bergwerkskommission“ mit dem Ziel zur Wiedereröffnung des Ilmenauer Bergwerks (vgl. Müller, in: Ausst.-Kat. Weimar 2007, S. 93-94).
In einigen Zeichnungen der Ilmenauer Reise vermengen sich Goethes Interessen zur Ästhetik und Geologie, wie aus einem Brief an Johann Heinrich Merck vom 24. Juli 1776 deutlich wird: „Wir sind hier und wollen sehn, ob wir das alte Bergwerk wieder in Bewegung setzen. Du kannst denken, wie ich mich auf dem Thüringer Wald herumzeichne; der Herzog geht auf Hirsche, ich auf Landschaften aus und selbst zur Jagd führ ich mein Portefeuille mit.“ (WA IV 3, S. 90-91 / Online-Edition: GB 3, Nr. 146, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR146_0 (Version vom 02.09.2024)). Die Zeichnung der ‚Bergwerkskaue bei Ilmenau‘ (KK 1280) ordnet Femmel im Band der naturwissenschaftlichen Zeichnungen ein (vgl. Corpus Vb, S. 59). Dass es sich bei den in einer Landschaft gezeigten Hütten um eine „Schachtförderung mit Kehrrad“ (ebd.) handelt, bedarf allerdings einer gewissen Kenntnis um die Praktiken des Bergbaus. In den Zeichnungen ‚Mundloch des Kammerbergstollens‘ (GGz/0110) sowie der vorliegenden Darstellung des ‚Bergwerks bei Ilmenau‘ sind die Bergbau-Motive offenkundig, aber eben nicht dem naturwissenschaftlichen Band zugeordnet. Die landschaftlichen Motive, wie die oberhalb der Grube angedeuteten Bäume, treten in der Ansicht zugunsten des stillgelegten Bergwerks und seiner funktionstragenden Elemente zurück. Eine weitere Bergwerks-Darstellung findet sich auf der während der dritten Harzreise 1784 entstandenen Zeichnung ‚Felsen im Harz (verso); Bergbauskizze (recto)‘ (GGz/1508).

Laura Lisa Beier, 2025-06-24

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