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Zeichnung

Felsen im Harz (verso); Eisensteintagebau mit Bergwerkskaue bei Elbingerode (recto)

1784

Inventarnummer
GGz/1508
Inventarnummer
GGz/1508
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209904

Bleistift (recto); Bleistift (verso)

Die Zeichnung entstand während Goethes dritter Harzreise im August und September 1784.

Auf der Vorderseite ist eine Gesteinsformation mit Klüftungen dargestellt. Die Skizze der Rückseite zeigt im Hochformat den Eisensteintagebau bei Elbingerode. Am oberen Rand der etwa 10 bis 15 Meter tiefen Grube sind eine Umzäunung sowie eine Haspelbrücke erkennbar. Auf der Sohle des Tagebaus sind zwei Personen, mehrere Leitern und eine Kaue (bzw. Hütte) zu sehen.

Das Blatt ist oben abgetrennt, rechts zugeschnitten, an den anderen Seiten befindet sich die Schöpfkante. Einstichlöcher sind oben und unten mittig sowie in den Ecken erkennbar.

Femmel ordnet die Zeichnung der dritten Harzreise zu (vgl. Corpus I, S. 97), die Goethe im Herbst 1784 in Begleitung von Georg Melchior Kraus unternahm, mit dem Ziel geologische Motive zu zeichnen und zeichnen zu lassen. Für Goethes Geologie müssen daher sowohl seine eigenen als auch die äußerst naturgetreuen Zeichnungen von Kraus berücksichtigt werden (vgl. Wagenbreth 1968, S. 65-66). Teilweise zeigen die Werke den gleichen Ort oder ein ähnliches Motiv, so zeigt auch Kraus einen ‚Eisensteintagebau bei Elbingerode‘ (GGz/0955) in einer anderen Ansicht. Bei den dargestellten Bergwerken könnte es sich laut Wagenbreth um verschiedene bei Elbingerode gelegene Gruben handeln (vgl. Wagenbreth 1968, S. 77), die Goethe und Kraus am 5. und 6. September besuchten (vgl. WA II 9, S. 161 / Online-Edition: GT I, 5.9.1784 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_1081 (Version vom 02.09.2024); WA II 9, S. 162 / Online-Edition: GT I, 6.9.1784 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_1082 (Version vom 02.09.2024)). Einen Ausschnitt aus der Bergwerksdarstellung greift Goethe in einer weiteren Zeichnung auf, beschränkt sich jedoch in der Replik auf das Motiv der Hütte beziehungsweise Bergwerkskaue (GGz/1039), die auf den Betrieb eines Untertagebaus hinweist (vgl. Wagenbreth 1968, S. 77).
Die Felsformation der Vorderseite konnte bisher nicht lokalisiert werden, im Zusammenhang mit der Rückseite wären neben Granit auch andere Gesteinsarten bei Elberingerode denkbar (vgl. Corpus Vb, S. 73). Das Thema der Felsformen und Gesteinsklüftungen beschäftigte Goethe seit der zweiten Schweizreise 1779, bei der dritten Harzreise gelang es ihm durch seine Zeichnungen und Beobachtungen am Granit zu Gesetzmäßigkeiten vorzustoßen (vgl. Wagenbreth 1968, S. 70). Femmel ordnet die Darstellung der Felsen ohne landschaftlichen Kontext dementsprechend seinem Band der naturwissenschaftlichen Zeichnungen zu, die Ansicht des Bergwerks auf der Rückseite allerdings dem Band der voritalienischen Zeichnungen. Dass die naturwissenschaftlichen und ästhetischen Interessen in Goethes Zeichnungen nicht immer eindeutig zu trennen sind, zeigt unter anderem, dass andere Bergwerksdarstellungen verschieden kategorisiert sind. So wird die Darstellung vom ‚Bergwerk bei Ilmenau‘ (GGz/1118) der einen, die Darstellung der ‚Bergwerkskaue bei Ilmenau‘ (KK 1280) der anderen Gruppe zugeordnet. Auch bei den Felsmotiven der Harzreisen ist die Zuordnung verschieden vorgenommen worden (vgl. GGz/1931 und GGz/0136).

Laura Lisa Beier, 2025-06-24

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