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Zeichnung

Luisenkloster, Einsiedelei und Floßbrücke im Weimarer Park

1778

Inventarnummer
GGz/1939
Inventarnummer
GGz/1939
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209825

Blaugraues Papier, Untersatz aus braunem Papier, Rahmenlinie mit Feder und Pinsel in Grau auf dem Untersatz; schwarze Kreide, Feder in Grau, Pinsel in Grau (laviert)

Aufgrund seines Motivs wird das Blatt der Gruppe von Zeichnungen zum Park an der Ilm in Weimar zugeordnet.

Im Zentrum des Bildes sind die Ruine des Luisenklosters und die Einsiedelei dargestellt, hinter denen eine hohe Baumgruppe aufragt. Links ist der Verlauf der Ilm, ein Wehr und die Floßbrücke zu sehen. Entlang des Ufers verläuft mittig ein Weg in die Tiefe auf das Kloster zu. Rechts ist der karge Felshang an der Westseite des Parks gezeigt, im Hintergrund ergibt sich der Blick auf eine Hügelkette.

Die Zeichnung ist mit schwarzer Kreide, Feder und Pinsel in Grau sorgfältig ausgeführt. Das blaugraue Papier ist an allen Seiten zugeschnitten und auf einen Untersatz aus braunem Papier montiert, auf den Rahmenlinien gezeichnet sind. Einstichlöcher befinden sich in den oberen Ecken, sowie oben und unten mittig. Auf der Rückseite des Untersatzes ist das Wasserzeichen der Zeichnung durchgezeichnet.

Die Ansicht ist vermutlich idealisiert, die Lage der Elemente zueinander erscheint nicht realistisch (vgl. Verena Pohl: Untersuchung der Sichten im Park an der Ilm, unpubl., 2023, S. 23). Die Zeichnung von Georg Melchior Kraus ‚An der Floßbrücke bei Weimar‘ (Städelmuseum Frankfurt am Main) stellt in einer ähnlichen Ansicht die Parksituation vor den Umgestaltungsmaßnahmen dar. In Goethes Zeichnung ist hingegen die Floßbrücke bereits mit einem Geländer versehen und das Tor entfernt worden. Um 1798/99 wurde die Brücke neu ausgerichtet und gänzlich umgeformt, zur sogenannten „Naturbrücke“ (vgl. Schneider, in: Klassik Stiftung Weimar 2021, S. 40). Anlässlich des Festes zum Namenstag der Herzogin Luise gestalteten Goethe und der Hofgärtner Carl Heinrich Gentzsch im Juli 1778 innerhalb weniger Tage einen Teil der Südmauer des Welschen Gartens und den ungenutzten Pulverturm am Westhang des Parks nahe der Felsentreppe zu einer gothisierten Ruine um und errichteten eine moosverkleidete, strohgedeckte Holzhütte als Einsiedelei (vgl. Gutgesell 2023, S. 53). Unter dem Begriff der „Einsiedelei“ ist immer wieder die Klosterruine oder das Gesamtensemble verstanden worden (vgl. Corpus I, S. 78-79; Maisak 1996, S. 98; Müller-Wolff 2007, S. 143; Gutgesell 2023, S. 55-56). Im zeitgenössischen Verständnis ist jedoch weniger das Kloster als vielmehr die Holzhütte gemeint. Im dritten Band seiner ‚Theorie der Gartenkunst‘ schreibt Hirschfeld: „die Einsiedeley ist eine Hütte, ein einfältiges Haus, von der Hand des Menschen […] von Holz erbauet und mit Schiefer gedeckt […]“ (Hirschfeld 1780, S. 97). Ähnlich beschreibt Goethe in seinem retrospektiven Bericht über ‚Das Louisenfest‘ die „sogenannte Einsiedelei, ein Zimmerchen mäßiger Größe, welches man eilig mit Stroh überdeckte und mit Moos bekleidete.“ (WA I 36, S. 236). In einer Tagebuchnotiz vom Anfang des Juli 1778 differenziert er eindeutig zwischen den Ensemblekomponenten: „Gearbeitet an dem Kloster und Einsiedeley zur Herzoginn Namenstag.“ (WA III 1, S. 68 / Online-Edition: GT I, (vor 9.7.1778) (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0593 (Version vom 02.09.2024)). Die Einsiedelei ist in der vorliegenden Zeichnung bereits in einer neuen Fassung mit Holzverkleidung, Schindeldach und Treppe zu sehen, die die ursprüngliche strohgedeckte und moosverkleidete Hütte, die noch in der Zeichnung ‚Luisenkloster, Einsiedelei und Floßbrücke im Weimarer Park‘ (GGz/1939) dargestellt ist, ersetzte. Femmel datiert das Blatt daher um 1780 (vgl. Corpus I, S. 84). Eine frühere Datierung ab 1778 ist jedoch wahrscheinlich, da in den Zeichnungen zum Bereich des Hangs bei der Felsentreppe ein dichter Baumbestand gezeigt ist, der auf eine einsetzende vegetative Umgestaltung hinweist (GGz/1923 und KK 1322). Herzog Carl August, der die Einsiedelei als Rückzugsort schätzte, ließ die Hütte 1784 zum „Borkenhäuschen“ umbauen (vgl. Schneider, in: Klassik Stiftung Weimar 2021, S. 32). Die Klosterruine wurde ebenfalls noch unter Carl August abgetragen, 1786 wurde stattdessen auf Anregung Goethes die Kugelfangmauer des Schiesshaus Gartens – die hier am rechten Rand angedeutet ist – oberhalb des Borkenhäuschens in eine neue künstliche Ruine verwandelt, die bis heute im Park zu sehen ist (vgl. ebd, S. 70).

Aufenthalte beim Kloster und der Einsiedelei werden im Tagebuch am 01. September 1778 (WA III 1, S. 69 / Online-Edition: GT I, 1.9.1778 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0609 (Version vom 02.09.2024)), sowie im Brief an Charlotte von Stein vom 6. August 1778 erwähnt (WA III 1, S. 69 / Online-Edition: GB 3, Nr. 389, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR389_0 (Version vom 02.09.2024)).


Provenienz

1834 | Schenkung von Ottilie von Goethe, geb. Pogwisch (1796-1872), Empfänger unbekannt [1].

Spätestens 1899 | Erwerb durch Richard von Passavant-Gontard (1852-1923), Frankfurt (Main), Erwerbsart unbekannt [2].

03.12.1931 | Verkauf aus dem Nachlass von Richard von Passavant-Gontard (1852-1923) durch die Firma Hugo Helbing, Frankfurt (Main) (1885-1938) an das Goethe-Nationalmuseum Weimar (seit 1885) [3].

Quellen zur Provenienz

[1] Rückseite, Bezeichnung: „Eine Zeichnung von Göthe, gemacht in den 70er Jahren, u mir geschenkt / von F. Ottilie v. Gothe im Jahre 1834“.

[2] Rückseite, Bezeichnung: „Passavant-Gontard, 1899“.

[3] GNM Neuerwerbungsbuch (1930-1952), S. 29, Nr. 135; Aukt.-Kat. Helbing 1931, S. 52, Nr. 1051; vgl. 47. Jahresbericht (Berichtsjahr 1931/32), in: Jahrbuch der Goethe-Gesellschaft, Bd. 18 (1932), S. 225: "Aus den Erwerbungen heben wir hervor: […] eine wichtige Tuschzeichnung Goethes aus dem Weimarer Park, die den Ilmbezirk nahe seinem Gartenhäuschen mit dem eben errichteten Luisenkloster darstellt."

Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Beschriftung

Rückseite Besitzvermerk: "eine Zeichnung Goethes gemacht in den 70er Jahren und uns geschenkt von F. Ottilie v. Goethe im Jahre 1834". Am unteren Rand von anderer Hand, ebenfalls mit Tinte: "Passavant-Gontard 1899"; ferner die Erwerbsnummer 135/31

Rückseite Besitzvermerk: "eine Zeichnung Goethes gemacht in den 70er Jahren und uns geschenkt von F. Ottilie v. Goethe im Jahre 1834". Am unteren Rand von anderer Hand, ebenfalls mit Tinte: "Passavant-Gontard 1899"; ferner die Erwerbsnummer 135/31

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