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Zeichnung
Allstedt
1778
- Inventarnummer
- GGz/0111
- Inventarnummer
- GGz/0111
- PID
- pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209795
Bleistift, Pinsel in Grau (laviert), Rahmenlinie mit Feder in Schwarz
Die Ansicht der Stadt Allstedt zeigt den Blick von einem Fenster im Obergeschoss des Amtsgerichtsgebäudes auf den Torbau (ehemals Rhonetor). Am linken Rand ist ein Teil des Turms der Wigberti-Kirche zu sehen, mit der markanten Gaube am Turmhelm, vor dem sich ein Fachwerkhaus und eine Mauer befinden.
Das Blatt ist an allen Seiten zugeschnitten. Einstichlöcher sind oben, unten und links jeweils mittig zu erkennen. Auf der Rückseite befindet sich der eigenhändige Vermerk „Allstädt d 9 Aug 78“.
Vom Turm der Wigberti-Kirche aus soll der Reformator Thomas Münzer zu den Bauern gepredigt haben (vgl. Corpus I, S. 79). Im Allstedter Schloss hielt er die sogenannte ‚Füstenpredigt‘ (1524). Das Langhaus der Kirche wurde während der durch Münzer entfachten Aufstände zerstört (vgl. Maisak 1996, S. 95) und existiert auch heute nur als Ruine. Der historisch bedeutsame Ort wird in Goethes Zeichnung jedoch an den Rand gedrängt. Eine weitere Zeichnung des gleichen Motivs (GGz/0112) hält Femmel für eine Kopie von unbekannter Hand (vgl. Corpus I, S. 79). Jene Zeichnung unterscheidet sich im Grunde nur durch eine andere Strukturierung von Flächen wie Schatten und Laubwerk sowie einer einfacheren Gestaltung des Kirchturms und einiger Details. Es ist denkbar, dass beide Zeichnungen von Goethe stammen. Tatsächlich sprechen die Pinselproben auf der Vorderseite, die Porträtskizze auf der Rückseite und die weniger prononcierte Ausführung der zweiten Zeichnung nicht für eine Kopie, sondern eher für eine Vorlage. Möglich wäre, dass er eine Kopie oder eine korrigierte Ausführung erstellen wollte, Repliken sind in Goethes Œuvre mehrfach zu finden. Gestützt wird die Annahme durch die Verwendung des gleichen Papiers für beide Zeichnungen, die Foliohälften zeigen zueinander gehörende Gegenmarken eines Wasserzeichens.
Im Tagebuch notiert Goethe am 9. August 1778: „Nach Alstädt.“ (WA III 1, S. 69 / Online-Edition: GT I, 9.8.1778 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0602 (Version vom 02.09.2024)). Am Folgetag erwähnt er in einem Brief an Charlotte von Stein an beiden Tagen gezeichnet zu haben: „Ich zeichnete Ihnen wie beykommt und Frau v. Stubenvoll sagte mir Sie hätten auch in der Stube am andern Fenster gezeichnet. […] Wenn ich frisiert bin und fertig, tusch ich erst das gestrige aus und dann ist unten am Teich ein besonder schön Fleckgen, das ich zu erhaschen suchen will.“ (WA IV 3, S. 242 / Online-Edition: GB 3, Nr. 392, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR392_0 (Version vom 02.09.2024)). Während vorliegende Zeichnung eine Datierung auf den 9. August trägt, könnte die Zeichnung ‚Allstedter Schloss und Teich‘ (GGz/0645) dementsprechend am 10. August entstanden sein. Den im Brief explizit erwähnten Ausblick aus dem Fenster setzt Maisak in Verbindung mit dem Darstellungstypus von Fensteransichten, die sich in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts etabliert hatten und im 19. und 20. Jahrhundert zu einer Blüte gelangten (vgl. Maisak 1996, S. 95). Das Fenster selbst tritt in Goethes Zeichnung allerdings nicht in Erscheinung.
Provenienz
Vor 1832 | Schenkung von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) an Gottlob Friedrich Constantin von Stein, gen. Fritz von Stein (1772-1844) [1]
1844 | Erbschaft von Gottlob Friedrich Constantin von Stein, gen. Fritz von Stein (1772-1844) an Marie von Zobeltitz, geb. von Stein (1805-1876) [2].
1876 | Erbschaft von Marie von Zobeltitz, geb. von Stein (1805-1876) an Tosca von Kamptz, geb. Zobeltitz (nachgewiesen 1842/42).
1892 | Schenkung Tosca von Kamptz, geb. Zobeltitz (nachgewiesen 1842/42), an das das Goethe-Nationalmuseum Weimar (seit 1885) [1, 3].
Quellen zur Provenienz
[1] Brief von Tosca von Kamptz, geb. Zobeltitz, vom 11.02.1892 (GSA 150/M 74 Bl. 156-157): „Erw. Hochwohlgeboren erlaube ich mir hierdurch mitzutheilen daß heut 2 Werthsendungen an das Göthe National Museum abgegangen sind, nach Ihrer Anweisung, u. wünsche ich mir daß die Sachen, wenigstens ein Theil derselben, etwas Freude bereitetet, es sind alles Geschenke von Goethe an meinen Großvater.“
[2] Vgl. Ausst.-Kat. Berlin 1861, S. 41, Nr. 13: „Im Besitze der Frau Marie v. Zobeltitz geb. v. Stein.“
[3] Ruland 1893, S. 13: „Eine Urenkelin Charlotte v. Steins schenkte dem Goethe-National-Museum eine Anzahl äusserst interessanter Zeichnungen Goethes aus der 70r und 80r Jahren, mehrere schöne Blätter von Tischbein und Kniep aus der Zeit der Italienischen Reise, und die von Goethe selbst gefertigte, fast lebensgrosse Silhouette des jungen Fritz von Stein“.
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Das Blatt ist an allen Seiten zugeschnitten. Einstichlöcher sind oben, unten und links jeweils mittig zu erkennen. Auf der Rückseite befindet sich der eigenhändige Vermerk „Allstädt d 9 Aug 78“.
Vom Turm der Wigberti-Kirche aus soll der Reformator Thomas Münzer zu den Bauern gepredigt haben (vgl. Corpus I, S. 79). Im Allstedter Schloss hielt er die sogenannte ‚Füstenpredigt‘ (1524). Das Langhaus der Kirche wurde während der durch Münzer entfachten Aufstände zerstört (vgl. Maisak 1996, S. 95) und existiert auch heute nur als Ruine. Der historisch bedeutsame Ort wird in Goethes Zeichnung jedoch an den Rand gedrängt. Eine weitere Zeichnung des gleichen Motivs (GGz/0112) hält Femmel für eine Kopie von unbekannter Hand (vgl. Corpus I, S. 79). Jene Zeichnung unterscheidet sich im Grunde nur durch eine andere Strukturierung von Flächen wie Schatten und Laubwerk sowie einer einfacheren Gestaltung des Kirchturms und einiger Details. Es ist denkbar, dass beide Zeichnungen von Goethe stammen. Tatsächlich sprechen die Pinselproben auf der Vorderseite, die Porträtskizze auf der Rückseite und die weniger prononcierte Ausführung der zweiten Zeichnung nicht für eine Kopie, sondern eher für eine Vorlage. Möglich wäre, dass er eine Kopie oder eine korrigierte Ausführung erstellen wollte, Repliken sind in Goethes Œuvre mehrfach zu finden. Gestützt wird die Annahme durch die Verwendung des gleichen Papiers für beide Zeichnungen, die Foliohälften zeigen zueinander gehörende Gegenmarken eines Wasserzeichens.
Im Tagebuch notiert Goethe am 9. August 1778: „Nach Alstädt.“ (WA III 1, S. 69 / Online-Edition: GT I, 9.8.1778 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0602 (Version vom 02.09.2024)). Am Folgetag erwähnt er in einem Brief an Charlotte von Stein an beiden Tagen gezeichnet zu haben: „Ich zeichnete Ihnen wie beykommt und Frau v. Stubenvoll sagte mir Sie hätten auch in der Stube am andern Fenster gezeichnet. […] Wenn ich frisiert bin und fertig, tusch ich erst das gestrige aus und dann ist unten am Teich ein besonder schön Fleckgen, das ich zu erhaschen suchen will.“ (WA IV 3, S. 242 / Online-Edition: GB 3, Nr. 392, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR392_0 (Version vom 02.09.2024)). Während vorliegende Zeichnung eine Datierung auf den 9. August trägt, könnte die Zeichnung ‚Allstedter Schloss und Teich‘ (GGz/0645) dementsprechend am 10. August entstanden sein. Den im Brief explizit erwähnten Ausblick aus dem Fenster setzt Maisak in Verbindung mit dem Darstellungstypus von Fensteransichten, die sich in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts etabliert hatten und im 19. und 20. Jahrhundert zu einer Blüte gelangten (vgl. Maisak 1996, S. 95). Das Fenster selbst tritt in Goethes Zeichnung allerdings nicht in Erscheinung.
Provenienz
Vor 1832 | Schenkung von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) an Gottlob Friedrich Constantin von Stein, gen. Fritz von Stein (1772-1844) [1]
1844 | Erbschaft von Gottlob Friedrich Constantin von Stein, gen. Fritz von Stein (1772-1844) an Marie von Zobeltitz, geb. von Stein (1805-1876) [2].
1876 | Erbschaft von Marie von Zobeltitz, geb. von Stein (1805-1876) an Tosca von Kamptz, geb. Zobeltitz (nachgewiesen 1842/42).
1892 | Schenkung Tosca von Kamptz, geb. Zobeltitz (nachgewiesen 1842/42), an das das Goethe-Nationalmuseum Weimar (seit 1885) [1, 3].
Quellen zur Provenienz
[1] Brief von Tosca von Kamptz, geb. Zobeltitz, vom 11.02.1892 (GSA 150/M 74 Bl. 156-157): „Erw. Hochwohlgeboren erlaube ich mir hierdurch mitzutheilen daß heut 2 Werthsendungen an das Göthe National Museum abgegangen sind, nach Ihrer Anweisung, u. wünsche ich mir daß die Sachen, wenigstens ein Theil derselben, etwas Freude bereitetet, es sind alles Geschenke von Goethe an meinen Großvater.“
[2] Vgl. Ausst.-Kat. Berlin 1861, S. 41, Nr. 13: „Im Besitze der Frau Marie v. Zobeltitz geb. v. Stein.“
[3] Ruland 1893, S. 13: „Eine Urenkelin Charlotte v. Steins schenkte dem Goethe-National-Museum eine Anzahl äusserst interessanter Zeichnungen Goethes aus der 70r und 80r Jahren, mehrere schöne Blätter von Tischbein und Kniep aus der Zeit der Italienischen Reise, und die von Goethe selbst gefertigte, fast lebensgrosse Silhouette des jungen Fritz von Stein“.
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Beschriftung
Lokalisierungs- und Datierungsvermerke: Vorderseite eigenhändig (?) mit Feder in Schwarz: "9 Aug 1778."
Lokalisierungs- und Datierungsvermerke: Vorderseite eigenhändig (?) mit Feder in Schwarz: "9 Aug 1778."
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- Bleistift, Pinsel in Grau (laviert), Rahmenlinie mit Feder in Schwarz