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Zeichnung
Luisenkloster und Einsiedelei im Weimarer Park
1778
- Inventarnummer
- GGz/1285
- Inventarnummer
- GGz/1285
- PID
- pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209794
Graues Papier, Untersatz aus braunem Papier, Rahmenlinie mit Feder in Schwarz auf dem Untersatz; Bleistift, Feder in Grau, Pinsel in Grau (laviert)
Aufgrund seines Motivs wird das Blatt der Gruppe von Zeichnungen zum Park an der Ilm in Weimar zugeordnet.
Dargestellt sind die Ruine des Luisenklosters und die Einsiedelei am Westhang des Parks. Hinter dem Ensemble ragt eine hohe Baumgruppe empor.
Die Zeichnung ist mit Bleistift und Feder und Pinsel in Grau auf grauem Papier ausgeführt. Die Lavierung ist auf der linken Seite stärker ausgeführt, bis zu einer senkrechten Grenze nahe der Blattmitte. Das Blatt ist an allen Seiten zugeschnitten und auf einem Untersatz aus braunem Papier montiert, auf das Rahmenlinien gezeichnet ist. Einstichlöcher befinden sich in den Ecken der Zeichnung und den Ecken des Untersatzes.
Anlässlich des Festes zum Namenstag der Herzogin Luise gestalteten Goethe und der Hofgärtner Carl Heinrich Gentzsch im Juli 1778 innerhalb weniger Tage einen Teil der Südmauer des Welschen Gartens und den ungenutzten Pulverturm am Westhang des Parks nahe der Felsentreppe zu einer gothisierten Ruine um und errichteten eine moosverkleidete, strohgedeckte Holzhütte als Einsiedelei (vgl. Gutgesell 2023, S. 53). Unter dem Begriff der ‚Einsiedelei‘ ist immer wieder die Klosterruine oder das Gesamtensemble verstanden worden (vgl. Corpus I, S. 78-79; Maisak 1996, S. 98; Müller-Wolff 2007, S. 143; Gutgesell 2023, S. 55-56). Im zeitgenössischen Verständnis ist jedoch weniger das Kloster als vielmehr die Holzhütte gemeint. Im dritten Band seiner ‚Theorie der Gartenkunst‘ schreibt Hirschfeld: „die Einsiedeley ist eine Hütte, ein einfältiges Haus, von der Hand des Menschen […] von Holz erbauet und mit Schiefer gedeckt […]“ (Hirschfeld 1780, S. 97). Ähnlich beschreibt Goethe in seinem retrospektiven Bericht über ‚Das Louisenfest‘ die „sogenannte Einsiedelei, ein Zimmerchen mäßiger Größe, welches man eilig mit Stroh überdeckte und mit Moos bekleidete.“ (WA I 36, S. 236). In einer Tagebuchnotiz vom Anfang des Juli 1778 differenziert er eindeutig zwischen den Ensemblekomponenten: „Gearbeitet an dem Kloster und Einsiedeley zur Herzoginn Namenstag.“ (WA III 1, S. 68 / Online-Edition: GT I, ⟨vor 9.7.1778⟩ (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0593 (Link: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0593) (Version vom 02.09.2024)). Die vorliegende Zeichnung ist noch im selben Jahr des Luisenfestes entstanden, denn in der Radierung von Kraus von 1778 (KGr/03150) und Goethes Zeichnung ‚Luisenkloster, Einsiedelei und Floßbrücke im Weimarer Park‘ (GGz/1939) ist in die Einsiedelei bereits in einer neuen Fassung zu sehen. Die nur als temporäre Festarchitektur geplante Hütte musste bereits schnell ersetzt werden und als Holzhütte mit Schindeldach und einen Treppenaufgang errichtet. Herzog Carl August, der die Einsiedelei als Rückzugsort schätzte, ließ die Hütte 1784 zum ‚Borkenhäuschen‘ umbauen (vgl. Schneider, in: Klassik Stiftung Weimar 2021, S. 32). Die Klosterruine wurde ebenfalls noch unter Carl August abgetragen, 1786 wurde stattdessen auf Anregung Goethes die Kugelfangmauer des Schiesshaus Gartens oberhalb des Borkenhäuschens in eine neue künstliche Ruine verwandelt, die bis heute im Park zu sehen ist (vgl. ebd., S. 70).
Aufenthalte beim Kloster und der Einsiedelei werden im Tagebuch am 01. September 1778 (WA III 1, S. 69 / Online-Edition: GT I, 1.9.1778 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0609 (Version vom 02.09.2024)), sowie im Brief an Charlotte von Stein vom 6. August 1778 erwähnt (WA III 1, S. 69 / Online-Edition: GB 3, Nr. 389, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR389_0 (Version vom 02.09.2024)).
Provenienz
1832 | Erbschaft von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) an seine Enkel Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885), Wolfgang Maximilian von Goethe (1820-1883) und Alma von Goethe (1827-1844) [1].
1885 | Vermächtnis von Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885) an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach [2].
1885 | Stiftung des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach an das Goethe-Nationalmuseum Weimar (seit 1885) [3].
Quellen zur Provenienz
[1] Testament Johann Wolfgang von Goethes vom 6. Januar 1831: „Ich ernenne meine drey Enkel Walther, Wolfgang und Alma von Goethe zu meinen Universal=Erben [...].“
[2] Testament von Walther Wolfgang von Goethe vom 24. September 1883: "Ich ernenne das Großherzogthum Sachsen - den Staat - zum Erben des, aus dem Nachlaß meines seligen Großvaters des Geheimerathes Johann Wolfgang von Goethe herrührenden, in der Stadt Weimar belegenen Immobiliarbesitzes. [...] Der genannte Erbe erhält weiter: die, ebenfalls aus dem Nachlasse meines Großvaters herrührenden, im Goethehaus verwahrten Sammlungen von Bildern, Medaillen, Mineralien, Kunstwerken aller Art, u.s.w."; Schuchardt 1848/1, S. 264, Nr. 324.
[3] Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach: Stiftungsbrief des Goethe-Nationalmuseums, Wartburg bei Eisenach, 8. August 1885.
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Dargestellt sind die Ruine des Luisenklosters und die Einsiedelei am Westhang des Parks. Hinter dem Ensemble ragt eine hohe Baumgruppe empor.
Die Zeichnung ist mit Bleistift und Feder und Pinsel in Grau auf grauem Papier ausgeführt. Die Lavierung ist auf der linken Seite stärker ausgeführt, bis zu einer senkrechten Grenze nahe der Blattmitte. Das Blatt ist an allen Seiten zugeschnitten und auf einem Untersatz aus braunem Papier montiert, auf das Rahmenlinien gezeichnet ist. Einstichlöcher befinden sich in den Ecken der Zeichnung und den Ecken des Untersatzes.
Anlässlich des Festes zum Namenstag der Herzogin Luise gestalteten Goethe und der Hofgärtner Carl Heinrich Gentzsch im Juli 1778 innerhalb weniger Tage einen Teil der Südmauer des Welschen Gartens und den ungenutzten Pulverturm am Westhang des Parks nahe der Felsentreppe zu einer gothisierten Ruine um und errichteten eine moosverkleidete, strohgedeckte Holzhütte als Einsiedelei (vgl. Gutgesell 2023, S. 53). Unter dem Begriff der ‚Einsiedelei‘ ist immer wieder die Klosterruine oder das Gesamtensemble verstanden worden (vgl. Corpus I, S. 78-79; Maisak 1996, S. 98; Müller-Wolff 2007, S. 143; Gutgesell 2023, S. 55-56). Im zeitgenössischen Verständnis ist jedoch weniger das Kloster als vielmehr die Holzhütte gemeint. Im dritten Band seiner ‚Theorie der Gartenkunst‘ schreibt Hirschfeld: „die Einsiedeley ist eine Hütte, ein einfältiges Haus, von der Hand des Menschen […] von Holz erbauet und mit Schiefer gedeckt […]“ (Hirschfeld 1780, S. 97). Ähnlich beschreibt Goethe in seinem retrospektiven Bericht über ‚Das Louisenfest‘ die „sogenannte Einsiedelei, ein Zimmerchen mäßiger Größe, welches man eilig mit Stroh überdeckte und mit Moos bekleidete.“ (WA I 36, S. 236). In einer Tagebuchnotiz vom Anfang des Juli 1778 differenziert er eindeutig zwischen den Ensemblekomponenten: „Gearbeitet an dem Kloster und Einsiedeley zur Herzoginn Namenstag.“ (WA III 1, S. 68 / Online-Edition: GT I, ⟨vor 9.7.1778⟩ (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0593 (Link: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0593) (Version vom 02.09.2024)). Die vorliegende Zeichnung ist noch im selben Jahr des Luisenfestes entstanden, denn in der Radierung von Kraus von 1778 (KGr/03150) und Goethes Zeichnung ‚Luisenkloster, Einsiedelei und Floßbrücke im Weimarer Park‘ (GGz/1939) ist in die Einsiedelei bereits in einer neuen Fassung zu sehen. Die nur als temporäre Festarchitektur geplante Hütte musste bereits schnell ersetzt werden und als Holzhütte mit Schindeldach und einen Treppenaufgang errichtet. Herzog Carl August, der die Einsiedelei als Rückzugsort schätzte, ließ die Hütte 1784 zum ‚Borkenhäuschen‘ umbauen (vgl. Schneider, in: Klassik Stiftung Weimar 2021, S. 32). Die Klosterruine wurde ebenfalls noch unter Carl August abgetragen, 1786 wurde stattdessen auf Anregung Goethes die Kugelfangmauer des Schiesshaus Gartens oberhalb des Borkenhäuschens in eine neue künstliche Ruine verwandelt, die bis heute im Park zu sehen ist (vgl. ebd., S. 70).
Aufenthalte beim Kloster und der Einsiedelei werden im Tagebuch am 01. September 1778 (WA III 1, S. 69 / Online-Edition: GT I, 1.9.1778 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0609 (Version vom 02.09.2024)), sowie im Brief an Charlotte von Stein vom 6. August 1778 erwähnt (WA III 1, S. 69 / Online-Edition: GB 3, Nr. 389, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR389_0 (Version vom 02.09.2024)).
Provenienz
1832 | Erbschaft von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) an seine Enkel Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885), Wolfgang Maximilian von Goethe (1820-1883) und Alma von Goethe (1827-1844) [1].
1885 | Vermächtnis von Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885) an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach [2].
1885 | Stiftung des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach an das Goethe-Nationalmuseum Weimar (seit 1885) [3].
Quellen zur Provenienz
[1] Testament Johann Wolfgang von Goethes vom 6. Januar 1831: „Ich ernenne meine drey Enkel Walther, Wolfgang und Alma von Goethe zu meinen Universal=Erben [...].“
[2] Testament von Walther Wolfgang von Goethe vom 24. September 1883: "Ich ernenne das Großherzogthum Sachsen - den Staat - zum Erben des, aus dem Nachlaß meines seligen Großvaters des Geheimerathes Johann Wolfgang von Goethe herrührenden, in der Stadt Weimar belegenen Immobiliarbesitzes. [...] Der genannte Erbe erhält weiter: die, ebenfalls aus dem Nachlasse meines Großvaters herrührenden, im Goethehaus verwahrten Sammlungen von Bildern, Medaillen, Mineralien, Kunstwerken aller Art, u.s.w."; Schuchardt 1848/1, S. 264, Nr. 324.
[3] Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach: Stiftungsbrief des Goethe-Nationalmuseums, Wartburg bei Eisenach, 8. August 1885.
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
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