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Zeichnung
Schloss Wörlitz
1778
- Inventarnummer
- GGz/0962
- Inventarnummer
- GGz/0962
- PID
- pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209785
Bleistift, Pinsel in Grau (teilweise laviert)
Gezeigt ist eine Ansicht von Schloss Wörlitz, das im Blick durch die Lindenallee im Mittelgrund erscheint. Von dem 1773 vollendeten klassizistischen Schloss sind lediglich Souterrain und Hauptgeschoss, Säulenvorhalle, Figurennische und Freitreppe sichtbar, der obere Teil des Gebäudes wird durch das dichte Laubwerke der Bäume im Vordergrund verdeckt. Die Kronen der eng stehenden Bäume sind miteinander verwoben und bewirken ein Spiel von Licht und Schatten im getupften Laubwerk und dem sonnengefleckten Rasen.
Das Blatt ist an allen Seiten zugeschnitten und weist oben und unten, sowie in den oberen Ecken Einstichlöcher auf.
Der Fokus liegt auf den natürlichen Elementen des Parkensembles, der repräsentative Bau wird von den Bäumen überlagert. Im Vergleich der Wörlitzer Zeichnung, mit der von Christian August Günther radierten ‚Ansicht des fürstlichen Hauses zu Wörlitz‘, die nahezu die gleiche Perspektive abbildet wird diese Fokusverlagerung deutlich. Maisak überlegt, ob das Schloss bewusst in den Hintergrund gerückt wird, gemäß Goethes bevorzugter Darstellung bescheidener Hütten und Höfe gegenüber Prachtbauten (Maisak 1996, S. 92), über die er in einem Brief an Friedrich Müller vom 12. Juni 1780 schreibt (vgl. WA IV 4, S. 233-234 / Online-Edition: GB 4, Nr. 113, in: http://goethe-biographica.de/id/GB04_BR113_0 (Version vom 02.09.2024)). Die Zeichnung ‚Morgensonne am Gartenzaun‘ (GGz /1933) weist ähnliche Gestaltungsprinzipien auf. Mit der Zeichnung vom ‚Wörlitzer Park‘ (GGz/1205) greift Goethe ein weiteres Motiv aus dem Gartenreich auf und seine ‚Skizzen zu einem Schlossgebäude (recto)‘ (GGz/1488) bringt Femmel mit dem Wörlitzer Schlossgebäude in Verbindung (vgl. Corpus I, S. 77). Wörlitz lieferte wesentliche Impulse für die Umgestaltung des Herzoglichen Parks in Weimar, den Goethe in der Zeit von 1776 bis 1785 häufig zeichnete.
Auf seiner Reise mit dem Herzog Carl August nach Potsdam und Berlin im Mai 1778 besuchte Goethe den Fürsten Franz von Anhalt-Dessau, der mit dem Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff den ersten großen deutschen Landschaftspark nach englischem Muster geschaffen hatte. Am Tag nach der Ankunft in Wörlitz (vgl. WA III 1, S. 66 / Online-Edition: GT I, 13.5.1778 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0574 (Version vom 02.09.2024)) beschreibt er in einem Brief an Charlotte von Stein das ‚Gartenreich‘: „Hier ists iezt unendlich schön. Mich hats gestern Abend wie wir durch die Seen Canäle und Wäldgen schlichen sehr gerührt wie die Götter dem Fürsten erlaubt haben einen Traum um sich herum zu schaffen. Es ist wenn man so durchzieht wie ein Mährgen das einem vorgetragen wird und hat ganz den Charakter der Elisischen Felder in der sachtesten Mannigfaltigkeiten fliest eins in das andere. […] Das Buschwerk ist in seiner schönsten Jugend, und das ganze hat die reinste Lieblichkeit.“ (WA IV 3, S. 222-223 / Online-Edition: GB 3, Nr. 360, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR360_0 (Version vom 02.09.2024)). Im Tagebuch notiert Goethe am 24. und 26. Mai, als er sich während der Rückreise aus Potsdam erneut in Wörlitz aufhielt, er habe „früh gezeichnet.“ (WA III 1, S. 67 / Online-Edition: GT I, 24.5.1778 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0585 (Version vom 02.09.2024); WA III 1, S. 67 / Online-Edition: GT I, 26.5.1778 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0587 (Version vom 02.09.2024)). Die vorliegende Zeichnung kann mit einem dieser Einträge in Verbindung gebracht werden. Der Wörlitzer Park findet auch in Goethes ‚Dichtung und Wahrheit‘ Erwähnung (WA I 27, S. 184).
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Das Blatt ist an allen Seiten zugeschnitten und weist oben und unten, sowie in den oberen Ecken Einstichlöcher auf.
Der Fokus liegt auf den natürlichen Elementen des Parkensembles, der repräsentative Bau wird von den Bäumen überlagert. Im Vergleich der Wörlitzer Zeichnung, mit der von Christian August Günther radierten ‚Ansicht des fürstlichen Hauses zu Wörlitz‘, die nahezu die gleiche Perspektive abbildet wird diese Fokusverlagerung deutlich. Maisak überlegt, ob das Schloss bewusst in den Hintergrund gerückt wird, gemäß Goethes bevorzugter Darstellung bescheidener Hütten und Höfe gegenüber Prachtbauten (Maisak 1996, S. 92), über die er in einem Brief an Friedrich Müller vom 12. Juni 1780 schreibt (vgl. WA IV 4, S. 233-234 / Online-Edition: GB 4, Nr. 113, in: http://goethe-biographica.de/id/GB04_BR113_0 (Version vom 02.09.2024)). Die Zeichnung ‚Morgensonne am Gartenzaun‘ (GGz /1933) weist ähnliche Gestaltungsprinzipien auf. Mit der Zeichnung vom ‚Wörlitzer Park‘ (GGz/1205) greift Goethe ein weiteres Motiv aus dem Gartenreich auf und seine ‚Skizzen zu einem Schlossgebäude (recto)‘ (GGz/1488) bringt Femmel mit dem Wörlitzer Schlossgebäude in Verbindung (vgl. Corpus I, S. 77). Wörlitz lieferte wesentliche Impulse für die Umgestaltung des Herzoglichen Parks in Weimar, den Goethe in der Zeit von 1776 bis 1785 häufig zeichnete.
Auf seiner Reise mit dem Herzog Carl August nach Potsdam und Berlin im Mai 1778 besuchte Goethe den Fürsten Franz von Anhalt-Dessau, der mit dem Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff den ersten großen deutschen Landschaftspark nach englischem Muster geschaffen hatte. Am Tag nach der Ankunft in Wörlitz (vgl. WA III 1, S. 66 / Online-Edition: GT I, 13.5.1778 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0574 (Version vom 02.09.2024)) beschreibt er in einem Brief an Charlotte von Stein das ‚Gartenreich‘: „Hier ists iezt unendlich schön. Mich hats gestern Abend wie wir durch die Seen Canäle und Wäldgen schlichen sehr gerührt wie die Götter dem Fürsten erlaubt haben einen Traum um sich herum zu schaffen. Es ist wenn man so durchzieht wie ein Mährgen das einem vorgetragen wird und hat ganz den Charakter der Elisischen Felder in der sachtesten Mannigfaltigkeiten fliest eins in das andere. […] Das Buschwerk ist in seiner schönsten Jugend, und das ganze hat die reinste Lieblichkeit.“ (WA IV 3, S. 222-223 / Online-Edition: GB 3, Nr. 360, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR360_0 (Version vom 02.09.2024)). Im Tagebuch notiert Goethe am 24. und 26. Mai, als er sich während der Rückreise aus Potsdam erneut in Wörlitz aufhielt, er habe „früh gezeichnet.“ (WA III 1, S. 67 / Online-Edition: GT I, 24.5.1778 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0585 (Version vom 02.09.2024); WA III 1, S. 67 / Online-Edition: GT I, 26.5.1778 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0587 (Version vom 02.09.2024)). Die vorliegende Zeichnung kann mit einem dieser Einträge in Verbindung gebracht werden. Der Wörlitzer Park findet auch in Goethes ‚Dichtung und Wahrheit‘ Erwähnung (WA I 27, S. 184).
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Beschriftung
Rückseite eigenhändig signiert und datiert unter Ortsangabe: "Wörlitz 26 May 78 G"
Rückseite eigenhändig signiert und datiert unter Ortsangabe: "Wörlitz 26 May 78 G"
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