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Zeichnung
Das 'Hamburger Wappen' in der Baumannshöhle
1777
- Inventarnummer
- GGz/0960
- Inventarnummer
- GGz/0960
- PID
- pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209773
Blaues Papier; Bleistift, schwarze Kreide (teilweise gewischt)
Die Zeichnung entstand während Goethes erster Harzreise im Winter 1777.
Die Ansicht aus dem Inneren der Baumannshöhle im Harz zeigt die markante Gesteinsformation, die als ‚Hamburger Wappen‘ bezeichnet wird.
Die Zeichnung ist skizzenhaft auf blauem Papier ausgeführt, die Kreideschraffuren sind teilweise gewischt. Das Blatt ist links, rechts und unten unregelmäßig zugeschnitten, oben befindet sich die Schöpfkante. Das Papier ist verbräunt und weist stellenweise Abrieb und an allen Seiten einen Lichtrand auf. Einstichlöcher sind oben und unten mittig sowie in den oberen Ecken zu erkennen.
Femmel vermutet eine Datierung der Zeichnung um 1777 aufgrund der Verwendung des Papiers in dieser Zeit, vermag aber den vermeintlich dargestellten Höhleneingang nicht zuzuordnen (Corpus I, S. 74). Auch Maisak geht von dieser Annahme aus, kommt dabei aber der Lösung näher durch den Vergleich zu der Zeichnung der ‚Hexenszene aus ‚MacBeth‘‘ (GGz/1368), die im Inneren einer Höhle situiert ist. Dabei käme nicht nur Goethes Interesse an der Geologie, sondern auch an der morphologischen Betrachtung zum Ausdruck (vgl. Maisak, in: Ausst.-Kat. Frankfurt (Main)/Düsseldorf/Rom 2002, S. 44). Tatsächlich handelt es sich bei dem Motiv um eine Ansicht aus dem Inneren der Baumannshöhle. Die von Dunkelheit umgebene helle Form im Zentrum stellt dabei die Gesteinsformation aus einem der kleineren Höhlensäle dar, die aufgrund ihrer Ähnlichkeit zur der Burgsilhouette mit drei Türmen als ‚Hamburger Wappen‘ bezeichnet wird. Den Eingang zur Baumannshöhle stellt Goethe in einer anderen Zeichnung dar (GGz/0961), die das gleiche Wasserzeichen aufweist und möglicherweise vom selben Foliobogen stammt.
Während seiner ersten Harzreise gelangte Goethe am 1. Dezember 1777 nach Elbingerode und suchte noch am selben Tag die Baumannshöhle auf: „Nach Tische in die Baumannshöle“ (WA III 1, S. 55 / Online-Edition: GT I, 1.12.1777 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0485 (Version vom 02.09.2024)). Die Faszination für die zu jener Zeit einzige bekannte Tropfsteinhöhle Deutschlands spiegelt sich in seinem Tagebucheintrag vom Folgetag wider, demzufolge er „Den ganzen Tag in der Baumanshöle“ verbrachte. (WA III 1, S. 55 / Online-Edition: GT I, 2.12.1777 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0486 (Version vom 02.09.2024)). In einem Brief an Charlotte von Stein vom selben Tag kommt seine Begeisterung für die Natureindrücke zum Ausdruck und er schreibt: „Ich zeichne wieder den ganzen Tag und werde doch nichts mitbringen, wie gewöhnlich.“ (WA IV 3, S. 189-192; GB 3 I Nr. 309 / Online-Edition: GB 3, Nr. 309, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR309_0 (Version vom 02.09.2024)). Goethes wiederholter Besuch der Baumannshöhle ist im Grunde nicht ungewöhnlich, die Höhle galt als eine beliebte Sehenswürdigkeit, die man jedoch üblicherweise im Rahmen einer einstündigen Führung besichtigte, denn die Erkundung des unterirdischen Labyrinths war mit gewissen Risiken verbunden (vgl. Denecke 1991, S. 33-34). Zu fragen wäre, ob die Zeichnung bei den einschränkten Lichtverhältnisse entstanden sein kann oder ob sie aus der Erinnerung geschaffen wurde.
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Die Ansicht aus dem Inneren der Baumannshöhle im Harz zeigt die markante Gesteinsformation, die als ‚Hamburger Wappen‘ bezeichnet wird.
Die Zeichnung ist skizzenhaft auf blauem Papier ausgeführt, die Kreideschraffuren sind teilweise gewischt. Das Blatt ist links, rechts und unten unregelmäßig zugeschnitten, oben befindet sich die Schöpfkante. Das Papier ist verbräunt und weist stellenweise Abrieb und an allen Seiten einen Lichtrand auf. Einstichlöcher sind oben und unten mittig sowie in den oberen Ecken zu erkennen.
Femmel vermutet eine Datierung der Zeichnung um 1777 aufgrund der Verwendung des Papiers in dieser Zeit, vermag aber den vermeintlich dargestellten Höhleneingang nicht zuzuordnen (Corpus I, S. 74). Auch Maisak geht von dieser Annahme aus, kommt dabei aber der Lösung näher durch den Vergleich zu der Zeichnung der ‚Hexenszene aus ‚MacBeth‘‘ (GGz/1368), die im Inneren einer Höhle situiert ist. Dabei käme nicht nur Goethes Interesse an der Geologie, sondern auch an der morphologischen Betrachtung zum Ausdruck (vgl. Maisak, in: Ausst.-Kat. Frankfurt (Main)/Düsseldorf/Rom 2002, S. 44). Tatsächlich handelt es sich bei dem Motiv um eine Ansicht aus dem Inneren der Baumannshöhle. Die von Dunkelheit umgebene helle Form im Zentrum stellt dabei die Gesteinsformation aus einem der kleineren Höhlensäle dar, die aufgrund ihrer Ähnlichkeit zur der Burgsilhouette mit drei Türmen als ‚Hamburger Wappen‘ bezeichnet wird. Den Eingang zur Baumannshöhle stellt Goethe in einer anderen Zeichnung dar (GGz/0961), die das gleiche Wasserzeichen aufweist und möglicherweise vom selben Foliobogen stammt.
Während seiner ersten Harzreise gelangte Goethe am 1. Dezember 1777 nach Elbingerode und suchte noch am selben Tag die Baumannshöhle auf: „Nach Tische in die Baumannshöle“ (WA III 1, S. 55 / Online-Edition: GT I, 1.12.1777 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0485 (Version vom 02.09.2024)). Die Faszination für die zu jener Zeit einzige bekannte Tropfsteinhöhle Deutschlands spiegelt sich in seinem Tagebucheintrag vom Folgetag wider, demzufolge er „Den ganzen Tag in der Baumanshöle“ verbrachte. (WA III 1, S. 55 / Online-Edition: GT I, 2.12.1777 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0486 (Version vom 02.09.2024)). In einem Brief an Charlotte von Stein vom selben Tag kommt seine Begeisterung für die Natureindrücke zum Ausdruck und er schreibt: „Ich zeichne wieder den ganzen Tag und werde doch nichts mitbringen, wie gewöhnlich.“ (WA IV 3, S. 189-192; GB 3 I Nr. 309 / Online-Edition: GB 3, Nr. 309, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR309_0 (Version vom 02.09.2024)). Goethes wiederholter Besuch der Baumannshöhle ist im Grunde nicht ungewöhnlich, die Höhle galt als eine beliebte Sehenswürdigkeit, die man jedoch üblicherweise im Rahmen einer einstündigen Führung besichtigte, denn die Erkundung des unterirdischen Labyrinths war mit gewissen Risiken verbunden (vgl. Denecke 1991, S. 33-34). Zu fragen wäre, ob die Zeichnung bei den einschränkten Lichtverhältnisse entstanden sein kann oder ob sie aus der Erinnerung geschaffen wurde.
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
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