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Zeichnung

Schloss Kochberg

1777

Inventarnummer
GGz/0957
Inventarnummer
GGz/0957
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209740

Papier aus Versatzstücken zusammengesetzt, Untersatz aus blauem Papier; Bleistift, Feder in Grau (laviert), Rahmenlinie mit Feder in Schwarz

Die Ansicht zeigt einen Blick nach Osten über den Wallgraben des Schloss Kochberg, dessen Nordfassade mit dem Renaissance-Giebel zu sehen ist. Das Gebäude spiegelt sich in der Wasseroberfläche, die Ufer des Grabens sind dicht bewachsen.

Der Bildträger besteht aus vier Versatzstücken, oben, unten und rechts ist jeweils ein Streifen ergänzt. Das Objekt ist auf einen Untersatz aus blauem Papier montiert. Während sich an den an den Kanten Inkongruenzen bei den Federlinien zeigen, was dafür spricht, dass diese vor der Montage ausgeführt wurden, scheint die Lavierung stimmig und nachträglich hinzugefügt worden zu sein.

Die maßgeblichen Eingriffe könnten auf eine spätere, eigenhändige Überarbeitung des Blattes sprechen, möglicherweise auch unter Anleitung. Die Schwierigkeit die Zeichnung zu datieren (vgl. Corpus I, S. 68) hängt unter anderem damit zusammen, dass das Zeichnen in Kochberg in Goethes Tagebuch und Briefen mehrfach erwähnt wird. Wiederholt hielt sich Goethe in dem Schloss, dem Wohnsitz der Familie von Stein, auf, besonders häufig im Sommer 1777. Aufgrund der technischen Ausführung und der Komposition vermutet Maisak eine spätere Entstehung und schlägt einen Zusammenhang mit dem Tagebucheintrag vom 22. August 1779 vor, in dem Goethe notiert: „Nachmitt nach Kochberg [...] Zeichnete frisch, hoffte auf ein wenig Talent“ (WA III 1, S. 95 / Online-Edition: GT I, 22.8.1779 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0759 (Version vom 02.09.2024)). In den Zeichnungen von ‚Schloss Wörlitz‘ (GGz/0962) und der ‚Eingangsseite von Goethes Gartenhaus in Weimar‘ (GGz/1942) sieht Maisak vergleichbare Gestaltungsprinzipien, wie etwa die Nutzung der Diagonale des Baukörpers für die Tiefenwirkung oder der Beschränkung auf die Darstellung eines Fragments des jeweiligen Gebäudekomplexes. Der Blickwinkel richte sich von der Natur auf die Architektur und wähle dabei einen malerischen Blickwinkel. Insbesondere in der Aufmerksamkeit gegenüber Details, wie Pflanzen, Architektur und Wasserspiegelung, biete sich eine Parallele zu der Gartenhaus-Zeichnung (vgl. Maisak 1996, S. 101).


Provenienz

Vor 1832 | Schenkung von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) an Gottlob Friedrich Constantin von Stein, gen. Fritz von Stein (1772-1844) [1]

1844 | Erbschaft von Gottlob Friedrich Constantin von Stein, gen. Fritz von Stein (1772-1844) an Marie von Zobeltitz, geb. von Stein (1805-1876) [2].

1876 | Erbschaft von Marie von Zobeltitz, geb. von Stein (1805-1876) an Tosca von Kamptz, geb. Zobeltitz (nachgewiesen 1842/42).

1892 | Schenkung Tosca von Kamptz, geb. Zobeltitz (nachgewiesen 1842/42), an das das Goethe-Nationalmuseum Weimar (seit 1885) [1, 3].

Quellen zur Provenienz

[1] Brief von Tosca von Kamptz, geb. Zobeltitz, vom 11.02.1892 (GSA 150/M 74 Bl. 156-157): „Erw. Hochwohlgeboren erlaube ich mir hierdurch mitzutheilen daß heut 2 Werthsendungen an das Göthe National Museum abgegangen sind, nach Ihrer Anweisung, u. wünsche ich mir daß die Sachen, wenigstens ein Theil derselben, etwas Freude bereitetet, es sind alles Geschenke von Goethe an meinen Großvater.“

[2] Vgl. Ausst.-Kat. Berlin 1861, S. 41, Nr. 11: „Im Besitze der Frau Marie v. Zobeltitz geb. v. Stein.“

[3] Ruland 1893, S. 13: „Eine Urenkelin Charlotte v. Steins schenkte dem Goethe-National-Museum eine Anzahl äusserst interessanter Zeichnungen Goethes aus der 70r und 80r Jahren, mehrere schöne Blätter von Tischbein und Kniep aus der Zeit der Italienischen Reise, und die von Goethe selbst gefertigte, fast lebensgrosse Silhouette des jungen Fritz von Stein“.

Laura Lisa Beier, 2025-06-24

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