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Radierung
Thüringisches Bauerngehöft
1777
- Inventarnummer
- GGz/1342
- Inventarnummer
- GGz/1342
- PID
- pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209733
Die Radierung gehört zu den wenigen eigenhändigen druckgrafischen Werken Goethes.
Gezeigt ist ein strohgedecktes Gebäude mit Bäumen. Die Darstellung basiert auf einer Zeichnung Goethes (GGz/1341), wobei insbesondere der Vordergrund detailreicher gestaltet ist und um eine sitzende Figur ergänzt ist. Die Zeichnung wurde um 1820 unter dem Einfluss Karl Liebers überarbeitet, dem ursprünglichen Eindruck bietet die Radierung einen Anhaltspunkt (vgl. Corpus I, S. 67, Nr. 162, 163).
Das Blatt ist oben und unten abgetrennt, links und rechts verblieb die Schöpfkante. An allen Seiten mittig am Rand der Darstellung sowie rechts oberhalb der Darstellung finden sich Einstichlöcher.
Innerhalb der Landschaftszeichnungen lassen sich vor allem die ländlichen Motive mit Goethes Auseinandersetzung mit der niederländischen Kunst in Verbindung bringen. Insbesondere die Kunst Allaert van Everdingens beeinflusste Goethe bei der Wahl seiner Motive, über die er in einem Brief vom 12. Juni 1780 an Friedrich Müller schreibt: „Ich meine verfallne Hütten, Höfgen, Strohdächer, Gebälke und Schweinställe. Man ist in glücklichen Stunden oft an solchen Gegenständen vorbeigegangen, findet sie zur Nachahmung immer bereit da stehen, und da man gerne von der Welt und den Prachthäusern in das Niedrige flieht, so knüpft man nach und nach so viel Ideen auf solche Gegenstände, daß sie sogar zaubrischer als das Edle selbst werden. Ich glaube, dass es den Niederländern in ihrer Kunst so gegangen ist.“ (WA IV 4, S. 233-234 / Online-Edition: GB 4, Nr. 113, in: http://goethe-biographica.de/id/GB04_BR113_0 (Version vom 02.09.2024); vgl. Ausst.-Kat. Madrid/Weimar 2008, S. 80).
Es ist anzunehmen, dass die Radierung zeitgleich mit der ‚Brandstätte‘ (GGz/2190) 1777 entstand und in Zusammenhang steht mit den letzten Erwähnungen einer eigenständigen druckgrafischen Betätigung in den Tagebüchern und Briefen (vgl. Ausst.-Kat. Frankfurt (Main) 1998, S. 291; WA III 1, S. 40; WA IV 3, S. 158).
Der Aufbewahrungsort der Platte ist unbekannt. Weitere Abzüge sind im Goethe-Museum Düsseldorf und der Forschungsbibliothek Gotha nachweisbar, wobei letzterer einen zweiten Zustand der Platte darstellt (vgl. Münz 1949, Abb. 54), in dem der Helldunkel-Kontrast verstärkt ist. Laut der Bezeichnung von Emil Leopold August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772-1822), dem Goethe den Gothaer Abzug, sowie den Abzug der ‚Brandstätte‘ schenkte, ätzte Goethe die Platte 1778 (vgl. Corpus I, S. 67), was sich auch auf den zweiten Plattenzustand beziehen könnte.
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Gezeigt ist ein strohgedecktes Gebäude mit Bäumen. Die Darstellung basiert auf einer Zeichnung Goethes (GGz/1341), wobei insbesondere der Vordergrund detailreicher gestaltet ist und um eine sitzende Figur ergänzt ist. Die Zeichnung wurde um 1820 unter dem Einfluss Karl Liebers überarbeitet, dem ursprünglichen Eindruck bietet die Radierung einen Anhaltspunkt (vgl. Corpus I, S. 67, Nr. 162, 163).
Das Blatt ist oben und unten abgetrennt, links und rechts verblieb die Schöpfkante. An allen Seiten mittig am Rand der Darstellung sowie rechts oberhalb der Darstellung finden sich Einstichlöcher.
Innerhalb der Landschaftszeichnungen lassen sich vor allem die ländlichen Motive mit Goethes Auseinandersetzung mit der niederländischen Kunst in Verbindung bringen. Insbesondere die Kunst Allaert van Everdingens beeinflusste Goethe bei der Wahl seiner Motive, über die er in einem Brief vom 12. Juni 1780 an Friedrich Müller schreibt: „Ich meine verfallne Hütten, Höfgen, Strohdächer, Gebälke und Schweinställe. Man ist in glücklichen Stunden oft an solchen Gegenständen vorbeigegangen, findet sie zur Nachahmung immer bereit da stehen, und da man gerne von der Welt und den Prachthäusern in das Niedrige flieht, so knüpft man nach und nach so viel Ideen auf solche Gegenstände, daß sie sogar zaubrischer als das Edle selbst werden. Ich glaube, dass es den Niederländern in ihrer Kunst so gegangen ist.“ (WA IV 4, S. 233-234 / Online-Edition: GB 4, Nr. 113, in: http://goethe-biographica.de/id/GB04_BR113_0 (Version vom 02.09.2024); vgl. Ausst.-Kat. Madrid/Weimar 2008, S. 80).
Es ist anzunehmen, dass die Radierung zeitgleich mit der ‚Brandstätte‘ (GGz/2190) 1777 entstand und in Zusammenhang steht mit den letzten Erwähnungen einer eigenständigen druckgrafischen Betätigung in den Tagebüchern und Briefen (vgl. Ausst.-Kat. Frankfurt (Main) 1998, S. 291; WA III 1, S. 40; WA IV 3, S. 158).
Der Aufbewahrungsort der Platte ist unbekannt. Weitere Abzüge sind im Goethe-Museum Düsseldorf und der Forschungsbibliothek Gotha nachweisbar, wobei letzterer einen zweiten Zustand der Platte darstellt (vgl. Münz 1949, Abb. 54), in dem der Helldunkel-Kontrast verstärkt ist. Laut der Bezeichnung von Emil Leopold August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772-1822), dem Goethe den Gothaer Abzug, sowie den Abzug der ‚Brandstätte‘ schenkte, ätzte Goethe die Platte 1778 (vgl. Corpus I, S. 67), was sich auch auf den zweiten Plattenzustand beziehen könnte.
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
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