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Zeichnung
Stützerbacher Grund
1776
- Inventarnummer
- GGz/1930
- Inventarnummer
- GGz/1930
- PID
- pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209702
Blaues Papier (kaschiert); Bleistift, Pinsel in Grau (teilweise laviert)
Die Landschaft zeigt einen Ausblick vom Schlossberg bei Stützerbach mit Blick nach Nordwesten. Der hohe Standpunkt erlaubt einen weiten Blick über die in einem Tal liegende Ortschaft, die zwischen den bewaldeten Hängen der umliegenden Berge liegt.
Das blaue Papier ist an allen Seiten zugeschnitten, ganzseitig kaschiert und weist ungefähr mittig eine vertikale Knickfalte auf.
Vom 18. Juli bis zum 14. August 1776 unternahm Goethe eine Reise nach Ilmenau mit Herzog Carl August, um die Wiederbelebung des Bergbaus voranzutreiben. Neben einer von praktischen Fragen geleiteten Anschauung der Natur, kommt auch Goethes Begeisterung für die Ilmenauer Landschaft in einem Brief an Johann Heinrich Merck vom 24. Juli 1776 zum Ausdruck: „Wir sind hier und wollen sehn, ob wir das alte Bergwerk wieder in Bewegung setzen. Du kannst denken, wie ich mich auf dem Thüringer Wald herumzeichne; der Herzog geht auf Hirsche, ich auf Landschaften aus und selbst zur Jagd führ ich mein Portefeuille mit.“ (WA IV 3, S. 90-91 / Online-Edition: GB 3, Nr. 146, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR146_0 (Version vom 02.09.2024)).
Tagebucheinträge und Briefe an Charlotte von Stein aus der Zeit von 2. bis 10. August geben Aufschluss über den Entstehungsprozess der Zeichnung, die auf einer Kompositionsstudie (GGz/0114) basiert (vgl. Maisak 1996, S. 69-70; vgl. Corpus I, S. 61). Am 3. August 1776 notiert Goethe im Tagebuch: „Früh aufm Schlossberg gez.“ (WA III 1, S. 18 / Online-Edition: GT I, 3.8.1776 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0109 (Version vom 02.09.2024)). Während das Zeichnen in Stützerbach auch am 2. und 8. August im Tagebuch erwähnt wird (WA III 1, S. 18; WA III 1, S. 19), berichtet Goethe Charlotte am 8. August vom Zeichnen der Aussicht vom Schlossberg, nachdem am selben Tag zuvor die Zeichnung der ‚Höhle am Hermannstein‘ (GGz/0947) entstanden war: „Ich hab heute den ganzen Tag für dich gezeichnet, nicht immer glücklich, aber immer warm. Heut aber sass ich wieder hier auf dem Schloßberg und hatte einen guten Augenblick. Wie erwünscht lag eben der Sonnenblick den Moment da ich auffstieg im Thal wie ich ihn aufs Papier fesseln mögt.” (WA IV 3, S. 94-95 / Online-Edition: GB 3, Nr. 150, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR150_0 (Version vom 02.09.2024)). Dass er sich unter einigen Schwierigkeiten erneut mit der Motiv beschäftigte, zeigen der Tagebucheintrag vom 9. August (WA III 1, S. 19) und der Brief vom Folgetag, an dem er letztendlich eine unvollendete Zeichnung an Charlotte sandte: “Ich schick Ihnen die Stüzzerbacher Zeichnung unvollendet, den ich fürcht ich verderb sie. Gestern versuchte mich ein böser Geist, dass ich in liebeleerem Augenblick drüber kam, und um ein Haar war sie verpudelt, und ich wäre rasend geworden. Auch haben Sie da noch ein ander Stück, das ich nur in Ihrer Gegenwart auszeichnen kann.” (WA IV 3, S. 96 / Online-Edition: GB 3, Nr. 152, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR152_0 (Version vom 02.09.2024)). Dabei fällt es schwer die Quellen auf eine der beiden Zeichnungen zu beziehen, während die großformatige Zeichnung wohl nicht in der freien Natur angefertigt wurde, zeigt die kleine Studie keine Anzeichen einer mehrstufigen Überarbeitung. Nach der Rückkehr nach Weimar sandte Goethe eine Stützerbacher Zeichnung an Charlotte (WA IV 3, S. 120-121). Die große Zeichnung könnte daher im August begonnen worden sein, ihre stufenweise Bearbeitung sich jedoch über einen längeren Zeitraum erstreckt haben.
Provenienz
1832 | Erbschaft von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) an seine Enkel Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885), Wolfgang Maximilian von Goethe (1820-1883) und Alma von Goethe (1827-1844) [1].
1885 | Erbschaft von Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885) an die Familien Vulpius und Henckel-Donnersmarck [2].
Februar 1929 | Verkauf von Walther Vulpius (1860-1944) an das Goethe-Nationalmuseum Weimar (seit 1885) [3].
Quellen zur Provenienz
[1] Testament Johann Wolfgang von Goethes vom 6. Januar 1831: „Ich ernenne meine drey Enkel Walther, Wolfgang und Alma von Goethe zu meinen Universal=Erben [...].“
[2] Testament von Walther Wolfgang von Goethe vom 24. September 1883, und dessen Präzisierung vom 10. März 1885: „die von Goetheschen (großväterlichen) Sammlungen: die Übergabe einerseits und Besitzergreifung andererseits, hat nur durch Aushändigung und Empfangnahme der betreffenden Schlüssel, seither in den Händen der verwittweten Frau Direktorin Schuchardt statt zu finden!“. Da die im Testament erwähnten Schlüssel aus der Verwaltung Schuchardts nicht die Schlüssel zur Wohnung Walther von Goethes in der Mansarde des Goethehauses einschlossen, fielen damit die dort befindlichen Gegenstände nicht dem Großherzogtum, sondern in der Erbfolge von August von Goethe und seiner Gattin Ottilie (geb. Pogwisch) den Familien Vulpius und Henckel-Donnersmarck zu.
[3] Sammlerstempel „Dr. W. Vulpius“; Vgl. Wahl 1929, S. 318; Erwerb von 33 Goethezeichnungen von Walther Vulpius die in zwei Einträgen im GNM-Neuerwerbungsbuch verzeichnet sind, dabei ist unklar, welchem der beiden Einträge die Zeichnungen jeweils zuzuordnen sind: GNM Neuerwerbungsbuch (1912-1929), S. 188, Nr. 59: „Vier Handzeichnungen Goethes“; GNM Neuerwerbungsbuch (1912-1929), S. 189, Nr. 68: „29 Goethesche Handzeichnungen aus dem Besitze der Familie Vulpius-Weimar.“
Laura Lisa Beier, 2025-10-07
Das blaue Papier ist an allen Seiten zugeschnitten, ganzseitig kaschiert und weist ungefähr mittig eine vertikale Knickfalte auf.
Vom 18. Juli bis zum 14. August 1776 unternahm Goethe eine Reise nach Ilmenau mit Herzog Carl August, um die Wiederbelebung des Bergbaus voranzutreiben. Neben einer von praktischen Fragen geleiteten Anschauung der Natur, kommt auch Goethes Begeisterung für die Ilmenauer Landschaft in einem Brief an Johann Heinrich Merck vom 24. Juli 1776 zum Ausdruck: „Wir sind hier und wollen sehn, ob wir das alte Bergwerk wieder in Bewegung setzen. Du kannst denken, wie ich mich auf dem Thüringer Wald herumzeichne; der Herzog geht auf Hirsche, ich auf Landschaften aus und selbst zur Jagd führ ich mein Portefeuille mit.“ (WA IV 3, S. 90-91 / Online-Edition: GB 3, Nr. 146, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR146_0 (Version vom 02.09.2024)).
Tagebucheinträge und Briefe an Charlotte von Stein aus der Zeit von 2. bis 10. August geben Aufschluss über den Entstehungsprozess der Zeichnung, die auf einer Kompositionsstudie (GGz/0114) basiert (vgl. Maisak 1996, S. 69-70; vgl. Corpus I, S. 61). Am 3. August 1776 notiert Goethe im Tagebuch: „Früh aufm Schlossberg gez.“ (WA III 1, S. 18 / Online-Edition: GT I, 3.8.1776 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0109 (Version vom 02.09.2024)). Während das Zeichnen in Stützerbach auch am 2. und 8. August im Tagebuch erwähnt wird (WA III 1, S. 18; WA III 1, S. 19), berichtet Goethe Charlotte am 8. August vom Zeichnen der Aussicht vom Schlossberg, nachdem am selben Tag zuvor die Zeichnung der ‚Höhle am Hermannstein‘ (GGz/0947) entstanden war: „Ich hab heute den ganzen Tag für dich gezeichnet, nicht immer glücklich, aber immer warm. Heut aber sass ich wieder hier auf dem Schloßberg und hatte einen guten Augenblick. Wie erwünscht lag eben der Sonnenblick den Moment da ich auffstieg im Thal wie ich ihn aufs Papier fesseln mögt.” (WA IV 3, S. 94-95 / Online-Edition: GB 3, Nr. 150, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR150_0 (Version vom 02.09.2024)). Dass er sich unter einigen Schwierigkeiten erneut mit der Motiv beschäftigte, zeigen der Tagebucheintrag vom 9. August (WA III 1, S. 19) und der Brief vom Folgetag, an dem er letztendlich eine unvollendete Zeichnung an Charlotte sandte: “Ich schick Ihnen die Stüzzerbacher Zeichnung unvollendet, den ich fürcht ich verderb sie. Gestern versuchte mich ein böser Geist, dass ich in liebeleerem Augenblick drüber kam, und um ein Haar war sie verpudelt, und ich wäre rasend geworden. Auch haben Sie da noch ein ander Stück, das ich nur in Ihrer Gegenwart auszeichnen kann.” (WA IV 3, S. 96 / Online-Edition: GB 3, Nr. 152, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR152_0 (Version vom 02.09.2024)). Dabei fällt es schwer die Quellen auf eine der beiden Zeichnungen zu beziehen, während die großformatige Zeichnung wohl nicht in der freien Natur angefertigt wurde, zeigt die kleine Studie keine Anzeichen einer mehrstufigen Überarbeitung. Nach der Rückkehr nach Weimar sandte Goethe eine Stützerbacher Zeichnung an Charlotte (WA IV 3, S. 120-121). Die große Zeichnung könnte daher im August begonnen worden sein, ihre stufenweise Bearbeitung sich jedoch über einen längeren Zeitraum erstreckt haben.
Provenienz
1832 | Erbschaft von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) an seine Enkel Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885), Wolfgang Maximilian von Goethe (1820-1883) und Alma von Goethe (1827-1844) [1].
1885 | Erbschaft von Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885) an die Familien Vulpius und Henckel-Donnersmarck [2].
Februar 1929 | Verkauf von Walther Vulpius (1860-1944) an das Goethe-Nationalmuseum Weimar (seit 1885) [3].
Quellen zur Provenienz
[1] Testament Johann Wolfgang von Goethes vom 6. Januar 1831: „Ich ernenne meine drey Enkel Walther, Wolfgang und Alma von Goethe zu meinen Universal=Erben [...].“
[2] Testament von Walther Wolfgang von Goethe vom 24. September 1883, und dessen Präzisierung vom 10. März 1885: „die von Goetheschen (großväterlichen) Sammlungen: die Übergabe einerseits und Besitzergreifung andererseits, hat nur durch Aushändigung und Empfangnahme der betreffenden Schlüssel, seither in den Händen der verwittweten Frau Direktorin Schuchardt statt zu finden!“. Da die im Testament erwähnten Schlüssel aus der Verwaltung Schuchardts nicht die Schlüssel zur Wohnung Walther von Goethes in der Mansarde des Goethehauses einschlossen, fielen damit die dort befindlichen Gegenstände nicht dem Großherzogtum, sondern in der Erbfolge von August von Goethe und seiner Gattin Ottilie (geb. Pogwisch) den Familien Vulpius und Henckel-Donnersmarck zu.
[3] Sammlerstempel „Dr. W. Vulpius“; Vgl. Wahl 1929, S. 318; Erwerb von 33 Goethezeichnungen von Walther Vulpius die in zwei Einträgen im GNM-Neuerwerbungsbuch verzeichnet sind, dabei ist unklar, welchem der beiden Einträge die Zeichnungen jeweils zuzuordnen sind: GNM Neuerwerbungsbuch (1912-1929), S. 188, Nr. 59: „Vier Handzeichnungen Goethes“; GNM Neuerwerbungsbuch (1912-1929), S. 189, Nr. 68: „29 Goethesche Handzeichnungen aus dem Besitze der Familie Vulpius-Weimar.“
Laura Lisa Beier, 2025-10-07
Beschriftung
Rückseite, Besitzstempel: "31. Dr. W. Vulpius"
Rückseite, Besitzstempel: "31. Dr. W. Vulpius"
Bezüge im Wissensnetz
Teil der Sammlung (36)
Museumsbestand (KSW)36 Einträge — alle anzeigen →
Handelt über (12)
KSW-ProjekteThemen (8)
Weitere QuellenMaterial (3)
Goethe-Texte- 442
- 595
- Blaues Papier (kaschiert); Bleistift, Pinsel in Grau (teilweise laviert)
Zugehöriger Ort (2)
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