Bild anklicken für die vergrößerbare Ansicht (IIIF).

Zeichnung

Stützerbacher Grund (recto); Skizzenfragment Buschwerk (verso)

1776

Inventarnummer
GGz/0114
Inventarnummer
GGz/0114
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209698

Blaues Papier; Bleistift, Pinsel in Grau (laviert) (recto); schwarze Kreide (gewischt), weiße Kreide (verso)

Die Landschaft zeigt einen Ausblick vom Schlossberg bei Stützerbach mit Blick nach Nordwesten. Der hohe Standpunkt erlaubt einen weiten Blick über die in einem Tal liegende Ortschaft, die zwischen den bewaldeten Hängen der umliegenden Berge erscheint. Die Rückseite zeigt eine Baumskizze in umgekehrter Ausrichtung des Blattes.

Das Blatt ist an allen Seiten zugeschnitten, die Darstellung nicht bis an den Rand ausgeführt. Einstichlöcher sind oben und unten mittig zu erkennen.

Vom 18. Juli bis zum 14. August 1776 unternahm Goethe eine Reise nach Ilmenau mit Herzog Carl August, um die Wiederbelebung des Bergbaus voranzutreiben. Neben einer von praktischen Fragen geleiteten Anschauung der Natur, kommt auch Goethes Begeisterung für die Ilmenauer Landschaft in einem Brief an Johann Heinrich Merck vom 24. Juli 1776 zum Ausdruck: „Wir sind hier und wollen sehn, ob wir das alte Bergwerk wieder in Bewegung setzen. Du kannst denken, wie ich mich auf dem Thüringer Wald herumzeichne; der Herzog geht auf Hirsche, ich auf Landschaften aus und selbst zur Jagd führ ich mein Portefeuille mit.“ (WA IV 3, S. 90-91 / Online-Edition: GB 3, Nr. 146, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR146_0 (Version vom 02.09.2024)).

Tagebucheinträge und Briefe an Charlotte von Stein aus der Zeit von 2. bis 10. August geben Aufschluss über den Entstehungsprozess der Zeichnung, die als Kompositionsstudie für das großformatige Blatt desselben Motivs (GGz/1930) verwendet wurde und mit großflächigen angelegten Lavierungen die Komposition erfasst und den Kammlinien und Baumwipfeln durch Ritzungen nachträglich Struktur verleiht (vgl. Maisak 1996, S. 69-70; vgl. Corpus I, S. 61). Am 3. August 1776 notiert Goethe im Tagebuch: „Früh aufm Schlossberg gez.“ (WA III 1, S. 18 / Online-Edition: GT I, 3.8.1776 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0109 (Version vom 02.09.2024)). Während das Zeichnen in Stützerbach auch am 2. und 8. August im Tagebuch erwähnt wird (WA III 1, S. 18; WA III 1, S. 19), berichtet Goethe Charlotte am 8. August vom Zeichnen der Aussicht vom Schlossberg, nachdem am selben Tag zuvor die Zeichnung der ‚Höhle am Hermannstein‘ (GGz/0947) entstanden war: „Ich hab heute den ganzen Tag für dich gezeichnet, nicht immer glücklich, aber immer warm. Heut aber sass ich wieder hier auf dem Schloßberg und hatte einen guten Augenblick. Wie erwünscht lag eben der Sonnenblick den Moment da ich auffstieg im Thal wie ich ihn aufs Papier fesseln mögt.” (WA IV 3, S. 94-95 / Online-Edition: GB 3, Nr. 150, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR150_0 (Version vom 02.09.2024)). Dass er sich unter einigen Schwierigkeiten erneut mit der Motiv beschäftigte, zeigen der Tagebucheintrag vom 9. August (WA III 1, S. 19) und der Brief vom Folgetag, an dem er letztendlich eine unvollendete Zeichnung an Charlotte sandte: “Ich schick Ihnen die Stüzzerbacher Zeichnung unvollendet, den ich fürcht ich verderb sie. Gestern versuchte mich ein böser Geist, dass ich in liebeleerem Augenblick drüber kam, und um ein Haar war sie verpudelt, und ich wäre rasend geworden. Auch haben Sie da noch ein ander Stück, das ich nur in Ihrer Gegenwart auszeichnen kann.” (WA IV 3, S. 96 / Online-Edition: GB 3, Nr. 152, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR152_0 (Version vom 02.09.2024)). Dabei fällt es schwer die Quellen auf eine der beiden Zeichnungen zu beziehen, während die großformatige Zeichnung wohl nicht in der freien Natur angefertigt wurde, zeigt die kleine Studie keine Anzeichen einer mehrstufigen Überarbeitung. Später zurück in Weimar sandte Goethe eine Stützerbacher Zeichnung an Charlotte (WA IV 3, S. 120-121). Die große Zeichnung könnte daher im August begonnen worden sein, ihre stufenweise Bearbeitung sich jedoch über einen längeren Zeitraum erstreckt haben.

Laura Lisa Beier, 2025-06-24

Bezüge im Wissensnetz

Teil der Sammlung (45)

Museumsbestand (KSW)

45 Einträge — alle anzeigen →

Handelt über (14)

KSW-Projekte
14 Einträge anzeigen

Material (6)

Goethe-Texte
  • 131
  • 3
  • 43.5
  • 56.5
  • 89
  • Blaues Papier; Bleistift, Pinsel in Grau (laviert) (recto); schwarze Kreide (gewischt), weiße Kreide (verso)

Zugehöriger Ort (2)

Weitere Quellen

Wird dargestellt durch (1)

Weitere Quellen
Cookie-Einstellungen