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Zeichnung
Mundloch des Kammerbergstollens
1776
- Inventarnummer
- GGz/0110
- Inventarnummer
- GGz/0110
- PID
- pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209695
Blaues Papier; Bleistift, Pinsel in Grau und Braun (teilweise laviert)
Dargestellt ist der Eingang zum Kammerbergstollen der nahe der Ortschaft Manebach am Kickelhahn gelegen ist. Inmitten eines überwucherten Felshangs befindet sich die Öffnung mit einer trapezförmigen Laibung.
Das Blatt ist an allen Seiten zugeschnitten und weist oben mittig ein Einstichloch auf. Auf der Rückseite befindet sich der eigenhändige Vermerk „Kammerberger Stollen / d 22 Jul 76.“
Vom 18. Juli bis zum 14. August 1776 unternahm Goethe eine Reise nach Ilmenau mit Herzog Carl August, um die Wiederbelebung des Bergbaus voranzutreiben. Dabei entstanden am 22. Juli die beiden Zeichnungen der ‚Dampfenden Täler bei Ilmenau‘ (GGz/0115) und des Kammerbergstollens. Laut Maisak offenbart das Blatt nicht nur Goethes sachliches Interesse an der Örtlichkeit, sondern auch ein ästhetisches Interesse daran, diese so idyllisch und stimmungsvoll wie möglich darzustellen (vgl. Maisak 1996, S. 67). So übernahm Goethe die Leitung der im Februar 1777 gegründeten „Bergwerkskommission“ mit dem Ziel zur Wiedereröffnung des Ilmenauer Bergwerks (vgl. Müller, in: Ausst.-Kat. Weimar 2007. S. 93-94). Geowissenschaftliche Interessen, die in diesem Kontext entspringen, tauchen auch in einigen seiner literarischen Werke, wie etwa ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre‘ (1795/96) oder ‚Wilhelm Meisters Wanderjahre‘ (1821/29) (vgl. Krätz 1992, S. 50). Gleichzeitig bringt er seine Begeisterung für die Ilmenauer Landschaft in einem Brief an Johann Heinrich Merck vom 24. Juli 1776 zum Ausdruck: „Wir sind hier und wollen sehn, ob wir das alte Bergwerk wieder in Bewegung setzen. Du kannst denken, wie ich mich auf dem Thüringer Wald herumzeichne; der Herzog geht auf Hirsche, ich auf Landschaften aus und selbst zur Jagd führ ich mein Portefeuille mit.“ (WA IV 3, S. 90-91 / Online-Edition: GB 3, Nr. 146, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR146_0 (Version vom 02.09.2024)).
Zwar greift Goethe das Motiv eines Bergwerks in verschiedenen Zeichnungen auf (GGz/0118, GGz/1508 und KK 1280), für den Bildgegenstand des Stolleneingangs konnte er sich jedoch auf keine Bildtradition oder Vorlagen berufen. Ein vergleichbares Motiv wählte Carl Gustav Carus, einer der wichtigen Vertreter der Malerei der Romantik, für das um 1824 entstandene Gemälde eines überwucherten Minenschachtes (The Met, New York). Carus, der auch mit Goethe in Kontakt stand, wendet sich laut Rewald in diesem bescheidenen Motiv einer objektiveren Anschauung der Natur zu (vgl. Rewald, in: Kat. New York 2007, S. 16).
Die auf der Rückseite notierte Datierung wird durch den Eintrag im Tagebuch bestätigt, in dem Goethe schreibt: „Früh nach Cammerberg gezeichnet mit und Ohne Liebe. Betrachtungen drüber, gegen Mittag auf den Herrmannstein. Der […] in der Höhle geschrieben. auf den Gickelhahn. gezeichnet zurück. Mit Eins. und dem Comm.R. in der Fülle mahlerischer Empfindung geschwäzzt. mit Eins. auf dem Berg vor der Stadt zum Abend essen. zu Bete“ (WA III 1, S. 16-17 / Online-Edition: GT I, 22.7.1776 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0097 (Version vom 02.09.2024)).
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Das Blatt ist an allen Seiten zugeschnitten und weist oben mittig ein Einstichloch auf. Auf der Rückseite befindet sich der eigenhändige Vermerk „Kammerberger Stollen / d 22 Jul 76.“
Vom 18. Juli bis zum 14. August 1776 unternahm Goethe eine Reise nach Ilmenau mit Herzog Carl August, um die Wiederbelebung des Bergbaus voranzutreiben. Dabei entstanden am 22. Juli die beiden Zeichnungen der ‚Dampfenden Täler bei Ilmenau‘ (GGz/0115) und des Kammerbergstollens. Laut Maisak offenbart das Blatt nicht nur Goethes sachliches Interesse an der Örtlichkeit, sondern auch ein ästhetisches Interesse daran, diese so idyllisch und stimmungsvoll wie möglich darzustellen (vgl. Maisak 1996, S. 67). So übernahm Goethe die Leitung der im Februar 1777 gegründeten „Bergwerkskommission“ mit dem Ziel zur Wiedereröffnung des Ilmenauer Bergwerks (vgl. Müller, in: Ausst.-Kat. Weimar 2007. S. 93-94). Geowissenschaftliche Interessen, die in diesem Kontext entspringen, tauchen auch in einigen seiner literarischen Werke, wie etwa ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre‘ (1795/96) oder ‚Wilhelm Meisters Wanderjahre‘ (1821/29) (vgl. Krätz 1992, S. 50). Gleichzeitig bringt er seine Begeisterung für die Ilmenauer Landschaft in einem Brief an Johann Heinrich Merck vom 24. Juli 1776 zum Ausdruck: „Wir sind hier und wollen sehn, ob wir das alte Bergwerk wieder in Bewegung setzen. Du kannst denken, wie ich mich auf dem Thüringer Wald herumzeichne; der Herzog geht auf Hirsche, ich auf Landschaften aus und selbst zur Jagd führ ich mein Portefeuille mit.“ (WA IV 3, S. 90-91 / Online-Edition: GB 3, Nr. 146, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR146_0 (Version vom 02.09.2024)).
Zwar greift Goethe das Motiv eines Bergwerks in verschiedenen Zeichnungen auf (GGz/0118, GGz/1508 und KK 1280), für den Bildgegenstand des Stolleneingangs konnte er sich jedoch auf keine Bildtradition oder Vorlagen berufen. Ein vergleichbares Motiv wählte Carl Gustav Carus, einer der wichtigen Vertreter der Malerei der Romantik, für das um 1824 entstandene Gemälde eines überwucherten Minenschachtes (The Met, New York). Carus, der auch mit Goethe in Kontakt stand, wendet sich laut Rewald in diesem bescheidenen Motiv einer objektiveren Anschauung der Natur zu (vgl. Rewald, in: Kat. New York 2007, S. 16).
Die auf der Rückseite notierte Datierung wird durch den Eintrag im Tagebuch bestätigt, in dem Goethe schreibt: „Früh nach Cammerberg gezeichnet mit und Ohne Liebe. Betrachtungen drüber, gegen Mittag auf den Herrmannstein. Der […] in der Höhle geschrieben. auf den Gickelhahn. gezeichnet zurück. Mit Eins. und dem Comm.R. in der Fülle mahlerischer Empfindung geschwäzzt. mit Eins. auf dem Berg vor der Stadt zum Abend essen. zu Bete“ (WA III 1, S. 16-17 / Online-Edition: GT I, 22.7.1776 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0097 (Version vom 02.09.2024)).
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Beschriftung
Rechts mit Bleistift von Goethe lokalisiert und datiert: "Kammerberger Stollen d 22 Jul 76"
Rechts mit Bleistift von Goethe lokalisiert und datiert: "Kammerberger Stollen d 22 Jul 76"
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