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Zeichnung

Brandstätte

1776

Inventarnummer
GGz/1286

Untersatz aus braunem Papier, Rahmenlinien mit Feder und Pinsel in Grau auf dem Untersatz; Bleistift, Feder in Grau, Pinsel in Grau (laviert)

Die Zeichnung gehört zu den Brandzeichnungen Goethes (GGz/0033, KK 1325).

Gezeigt sind die Überreste eines durch Brand zerstörten Gebäudes, dessen Fachwerkkonstruktion und Dachstuhl teilweise freiliegen. Die Zeichnung diente als Vorlage für Goethes eigenhändige Radierung einer ‚Brandstätte‘ (GGz/2190), deren Bildausschnitt enger gefasst und Hell-Dunkel-Kontrast verstärkt sind.

Die Zeichnung ist mit Bleistift, Feder und Pinsel in Grau sehr sorgfältig ausgeführt. Einstichlöcher finden sich in allen Ecken des Blattes, an allen Seiten mittig direkt am Blattrand, sowie an allen Seiten mittig im Untersatz. Eine spätere Überarbeitung des Blattes, auch unter der Anleitung Karl Liebers, ist denkbar.

In den frühen Weimarer Jahren erlebte Goethe eine Reihe von Brandfällen, zu denen er als Begleiter oder Vertreter des Herzogs reisen musste. In den Tagebüchern der Jahre 1776 bis 1780 werden siebzehn Brandfälle erwähnt, wobei sich die Darstellung nicht eindeutig einem der Brände zuordnen lässt. Im Tagebuch finden die ‚Feuerzeichnungen‘ am 2. Juni 1776 Erwähnung (WA III 1, S. 40 / Online-Edition: GT I, 2.6.1776 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0059 (Version vom 02.09.2024)), die wohl aus den Eindrücken vom Brand in Utenbach am Tag zuvor entstanden (WA III 1, S. 40 / Online-Edition: GT I, 1.6.1776 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0058 (Version vom 02.09.2024. Die Zeichnungen GGz/1286 und KK 1325 könnten in diesem Zusammenhang entstanden sein. Aus den Briefen an Charlotte von Stein vom 3. und 7. Juni geht hervor, dass die ‚Feuerzeichnungen‘ in ihrem Haus, in dem Goethe in der Brandnacht übernachtete, verblieben seien (WA IV 3, S. 73 / Online-Edition: GB 3, Nr. 122, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR122_0 (Version vom 02.09.2024); WA IV 3, S. 76 / Online-Edition: GB 3, Nr. 125, in: http://goethe-biographica.de/id/GB03_BR125_0 (Version vom 02.09.2024)). Schon im Haus seines Vaters begegneten ihm die ‚Feuersbrünste‘ von Johann Georg Trautmann (KK 4189), in denen der starke Hell-Dunkel-Kontrast brennender Dörfer bei Nacht eine hohe Dramaturgie erzeugt. Anknüpfend an den Bildtypus der Brandstücke der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, lassen sich Trautmanns Darstellungen keinen konkreten Ereignissen zuordnen (vgl. Kölsch 1999, S. 100-101; Ausst.-Kat. Hamburg 2018, S. 266). In ‚Dichtung und Wahrheit‘ schreibt Goethe, Trautmann habe „sich den Rembrandt zum Muster genommen und es in eingeschlossenen Lichtern und Widerscheinen, nicht weniger in effektvollen Feuersbrünsten weit gebracht“ (WA I 26, S. 40). Goethes Brandzeichnungen erscheinen im Vergleich zu Trautmanns dramatischen Darstellungen eher nüchtern.


Provenienz

1832 | Erbschaft von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) an seine Enkel Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885), Wolfgang Maximilian von Goethe (1820-1883) und Alma von Goethe (1827-1844) [1].

1885 | Vermächtnis von Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885) an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach [2].

1885 | Stiftung des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach an das Goethe-Nationalmuseum Weimar (seit 1885) [3].

Quellen zur Provenienz

[1] Testament Johann Wolfgang von Goethes vom 6. Januar 1831: „Ich ernenne meine drey Enkel Walther, Wolfgang und Alma von Goethe zu meinen Universal=Erben [...].“

[2] Testament von Walther Wolfgang von Goethe vom 24. September 1883: "Ich ernenne das Großherzogthum Sachsen - den Staat - zum Erben des, aus dem Nachlaß meines seligen Großvaters des Geheimerathes Johann Wolfgang von Goethe herrührenden, in der Stadt Weimar belegenen Immobiliarbesitzes. [...] Der genannte Erbe erhält weiter: die, ebenfalls aus dem Nachlasse meines Großvaters herrührenden, im Goethehaus verwahrten Sammlungen von Bildern, Medaillen, Mineralien, Kunstwerken aller Art, u.s.w."; Schuchardt 1848/1, S. 265, Nr. 325.

[3] Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach: Stiftungsbrief des Goethe-Nationalmuseums, Wartburg bei Eisenach, 8. August 1885.

Laura Lisa Beier, 2025-06-24

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  • Untersatz aus braunem Papier, Rahmenlinien mit Feder und Pinsel in Grau auf dem Untersatz; Bleistift, Feder in Grau, Pinsel in Grau (laviert)

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