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Zeichnung
Brand in einem thüringischen Dorf
1776
- Inventarnummer
- GGz/0033
- Inventarnummer
- GGz/0033
- PID
- pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209679
Feder in Braun
Die Zeichnung gehört zu den Brandzeichnungen Goethes (vgl. GGz/1286, KK 1325).
Gezeigt ist ein Dorf in einer hügeligen Landschaft, die mit Thüringen in Verbindung gebracht wird. Über den Dächern der Ansiedlung steigen in der Nähe des Kirchturms dunkle Rauchschwaden auf, die sich im oberen Abschnitt in verschiedene Richtungen verteilen.
Die Zeichnung ist skizzenhaft ausgeführt. Oben, unten und rechts finden sich mittig am Blatt Einstichlöcher. Auf der Rückseite befinden sich Tintenproben. Das Blatt ist oben und rechts zugeschnitten.
Die schnelle Linienführung und der skizzenhafte Charakter des Blattes werden von verschiedenen Autoren hervorgehoben (Federmann, Drost, Münz, Hirth, Femmel, Maisak), für die es unter den früheren Zeichnungen Goethes keine Parallele gibt. Die Zuschreibung an Goethe ist daher unsicher. Die Ausgewogenheit der Komposition spricht trotz der skizzenhaften Ausführung gegen eine unmittelbare Erlebnisskizze, sondern eher für eine Anfertigung aus der Erinnerung (vgl. Maisak 1996, S. 71).
In den frühen Weimarer Jahren erlebte Goethe eine Reihe von Brandfällen, zu denen er als Begleiter oder Vertreter des Herzogs reisen musste. In den Tagebüchern der Jahre 1776 bis 1780 werden siebzehn Brandfälle erwähnt, wobei am 2. Juni 1776 explizit von den ‚Feuerzeichnungen‘ (WA III 1, S. 40 / Online-Edition: GT I, 2.6.1776 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0059 (Version vom 02.09.2024)) die Rede ist. Schon im Haus seines Vaters begegneten ihm die ‚Feuersbrünste‘ von Johann Georg Trautmann (KK 4189), in denen der starke Hell-Dunkel-Kontrast brennender Dörfer bei Nacht eine hohe Dramaturgie erzeugt. Anknüpfend an den Bildtypus der Brandstücke der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, lassen sich Trautmanns Darstellungen keinen konkreten Ereignissen zuordnen (vgl. Kölsch 1999, S. 100-101; Ausst.-Kat. Hamburg 2018, S. 266). In ‚Dichtung und Wahrheit‘ schreibt Goethe, Trautmann habe „sich den Rembrandt zum Muster genommen und es in eingeschlossenen Lichtern und Widerscheinen, nicht weniger in effektvollen Feuersbrünsten weit gebracht“ (WA I 26, S. 40). Goethes Brandzeichnungen erscheinen im Vergleich zu Trautmanns dramatischen Darstellungen eher nüchtern.
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Gezeigt ist ein Dorf in einer hügeligen Landschaft, die mit Thüringen in Verbindung gebracht wird. Über den Dächern der Ansiedlung steigen in der Nähe des Kirchturms dunkle Rauchschwaden auf, die sich im oberen Abschnitt in verschiedene Richtungen verteilen.
Die Zeichnung ist skizzenhaft ausgeführt. Oben, unten und rechts finden sich mittig am Blatt Einstichlöcher. Auf der Rückseite befinden sich Tintenproben. Das Blatt ist oben und rechts zugeschnitten.
Die schnelle Linienführung und der skizzenhafte Charakter des Blattes werden von verschiedenen Autoren hervorgehoben (Federmann, Drost, Münz, Hirth, Femmel, Maisak), für die es unter den früheren Zeichnungen Goethes keine Parallele gibt. Die Zuschreibung an Goethe ist daher unsicher. Die Ausgewogenheit der Komposition spricht trotz der skizzenhaften Ausführung gegen eine unmittelbare Erlebnisskizze, sondern eher für eine Anfertigung aus der Erinnerung (vgl. Maisak 1996, S. 71).
In den frühen Weimarer Jahren erlebte Goethe eine Reihe von Brandfällen, zu denen er als Begleiter oder Vertreter des Herzogs reisen musste. In den Tagebüchern der Jahre 1776 bis 1780 werden siebzehn Brandfälle erwähnt, wobei am 2. Juni 1776 explizit von den ‚Feuerzeichnungen‘ (WA III 1, S. 40 / Online-Edition: GT I, 2.6.1776 (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0059 (Version vom 02.09.2024)) die Rede ist. Schon im Haus seines Vaters begegneten ihm die ‚Feuersbrünste‘ von Johann Georg Trautmann (KK 4189), in denen der starke Hell-Dunkel-Kontrast brennender Dörfer bei Nacht eine hohe Dramaturgie erzeugt. Anknüpfend an den Bildtypus der Brandstücke der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, lassen sich Trautmanns Darstellungen keinen konkreten Ereignissen zuordnen (vgl. Kölsch 1999, S. 100-101; Ausst.-Kat. Hamburg 2018, S. 266). In ‚Dichtung und Wahrheit‘ schreibt Goethe, Trautmann habe „sich den Rembrandt zum Muster genommen und es in eingeschlossenen Lichtern und Widerscheinen, nicht weniger in effektvollen Feuersbrünsten weit gebracht“ (WA I 26, S. 40). Goethes Brandzeichnungen erscheinen im Vergleich zu Trautmanns dramatischen Darstellungen eher nüchtern.
Laura Lisa Beier, 2025-06-24
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