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Zeichnung

Scheideblick nach Italien vom Gotthard

1775

Inventarnummer
GGz/0094
Inventarnummer
GGz/0094
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209652

Bleistift, Pinsel in Grau (laviert)

Die Zeichnung entstand während Goethes erster Schweizreise im Sommer 1775. Unter den Blättern dieser Reise, ist der „Scheideblick nach Italien“ eines der bekanntesten, wohl auch da Goethe die Situation auf dem Gotthard, der den sehnsüchtigen Blick gen Süden öffnete, ausführlich beschrieben hat. Die Zeichnung zeigt genau diese Episode der beiden Reisegefährten Jakob Ludwig Passavant und Goethe, die als Rückenfiguren rechts unten zu sehen sind.

Die unvollendete Zeichnung vereint eine Bleistiftzeichnung, die nur im oberen Bereich des Blattes den Gebirgszug mit Pinsel in Grau ausgearbeitet wurde. An allen Ecken des Blattes sind Einstichlöcher erkennbar.

Rückseitig findet sich in Bleistift der (eigenhändige?) Vermerk „Scheide Blick nach Italien / vom Gotthard / d. 22. Juni 1775.“ In ‚Dichtung und Wahrheit‘ beginnt Goethe die Begebenheit mit dem Akt des Zeichnens: „Ich hatte mich an den Fußpfad, der nach Italien hinunterging, niedergelassen und zeichnete, nach Art der Dilettanten, was nicht zu zeichnen war und was noch weniger ein Bild geben konnte: die nächsten Gebirgskuppen, deren Seiten der herabschmelzende Schnee mit weißen Furchen und schwarzen Rücken sehen ließ. Indessen ist mir durch diese fruchtlose Bemühung jenes Bild im Gedächtnis unauslöschlich geblieben.“ (WA I 29, S. 128). Im Folgenden beschriebt Goethe eine Diskussion mit Passavant, der vorschlug, spontan nach Italien hinabzusteigen, doch Goethe entscheidet sich dagegen. In Zusammenschau mit dieser Beschreibung ist die Szene in den beiden Figuren der Zeichnung wiedererkennbar.

Die Zeichnung gehört zu den 16 Blättern, die Goethe laut Ruland für die Arbeit an ‚Dichtung und Wahrheit‘ heranzog und die sich in einem „alten Umschlag vereinigt in Goethes Bibliothek“ (Ruland 1892, S. 95) fanden.


Provenienz

1832 | Erbschaft von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) an seine Enkel Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885), Wolfgang Maximilian von Goethe (1820-1883) und Alma von Goethe (1827-1844) [1].

1885 | Vermächtnis von Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885) an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach [2].

1885 | Stiftung des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach an das Goethe-Nationalmuseum Weimar (seit 1885) [3].

Quellen zur Provenienz

[1] Testament Johann Wolfgang von Goethes vom 6. Januar 1831: "Ich ernenne meine drey Enkel Walther, Wolfgang und Alma von Goethe zu meinen Universal=Erben [...]."

[2] Testament von Walther Wolfgang von Goethe vom 24. September 1883: "Ich ernenne das Großherzogthum Sachsen - den Staat - zum Erben des, aus dem Nachlaß meines seligen Großvaters des Geheimerathes Johann Wolfgang von Goethe herrührenden, in der Stadt Weimar belegenen Immobiliarbesitzes. [...] Der genannte Erbe erhält weiter: die, ebenfalls aus dem Nachlasse meines Großvaters herrührenden, im Goethehaus verwahrten Sammlungen von Bildern, Medaillen, Mineralien, Kunstwerken aller Art, u.s.w."; Ruland 1892, S. 95: „Die zweite […] Sammlung betrifft die erste Schweizer-Reise von 1775, genauer den mit seinem Landsmann Passavant in den Tagen vom 17ten bis 25ten Juni in die Urkantone und auf den Gotthard unternommenen Ausflug. Die sechzehn Blatt fanden sich in einem alten Umschlag vereinigt in Goethes Bibliothek, wo sie wahrscheinlich geruht haben, seitdem der Dichter sie beim Entstehen der Bücher XVIII und XIX von Dichtung und Wahrheit zu Rathe gezogen.“

[3] Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach: Stiftungsbrief des Goethe-Nationalmuseums, Wartburg bei Eisenach, 8. August 1885.

Mira Claire Zadrozny, 2025-08-14
Beschriftung

Rückseite eigenhändiger Bleistiftvermerk: "Scheide Blick nach Italien vom Gotthard d. 22. Juni 1775"

Rückseite eigenhändiger Bleistiftvermerk: "Scheide Blick nach Italien vom Gotthard d. 22. Juni 1775"

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