Bild anklicken für die vergrößerbare Ansicht (IIIF).

Zeichnung

Am Urnerloch

1775

Inventarnummer
GGz/0092
Inventarnummer
GGz/0092
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209651
Die Zeichnung entstand während Goethes erster Schweizreise im Sommer 1775. Nur schwach ist die Gegend des sog. Urner Lochs erkennbar, einem der ältesten Tunnel durch die Alpen. 1708 fertiggestellt, ermöglichte er es, von der Schöllenschlucht ins Urserental zu gelangen und so eine Teilstecke des Gotthardpasses zu umgehen.

Die Darstellung ist mit leichter Hand in Bleistift ausgeführt. Oben und unten finden sich mittig am Blatt Einstichlöcher. Vorderseitig ist ein Farbspritzer zu sehen. Das Wasserzeichen weicht von anderen Papieren der Schweizreise ab.

Im Tagebuch findet sich eine Erwähnung des Urner Loches im Eintrag vom 20. bis 22. Juni 1775 (vgl. WA III 1, S. 6 / Online-Edition: GT I, (20.–22.6.1775) (Wolfgang Albrecht/Andreas Döhler), in: http://goethe-biographica.de/id/GT01_0010 (Version vom 02.09.2024)). Auch in ‚Dichtung und Wahrheit‘ ist die Durchquerung des Tunnels kurz beschrieben: „Wir mühten uns weiter; das ungeheure Wilde schien sich immer zu steigern, Platten wurden zu Gebirgen und Vertiefungen zu Abgründen. So geleitete mich mein Führer bis ans Urserner Loch, durch welches ich gewissermaßen verdrießlich hindurchging: was man bisher gesehen, war doch erhaben, diese Finsternis hob alles auf. Aber freilich hatte sich der schelmische Führer das freudige Erstaunen voraus vorgestellt, das mich beim Austritt überraschen mußte“ (WA I 29, S. 121).

Die Zeichnung gehört zu den 16 Blättern, die Goethe laut Ruland für die Arbeit an ‚Dichtung und Wahrheit‘ heranzog und die sich in einem „alten Umschlag vereinigt in Goethes Bibliothek“ (Ruland 1892, S. 95) fanden.


Provenienz

1832 | Erbschaft von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) an seine Enkel Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885), Wolfgang Maximilian von Goethe (1820-1883) und Alma von Goethe (1827-1844) [1].

1885 | Vermächtnis von Walther Wolfgang von Goethe (1818-1885) an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach [2].

1885 | Stiftung des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach an das Goethe-Nationalmuseum Weimar (seit 1885) [3].

Quellen zur Provenienz

[1] Testament Johann Wolfgang von Goethes vom 6. Januar 1831: "Ich ernenne meine drey Enkel Walther, Wolfgang und Alma von Goethe zu meinen Universal=Erben [...]."

[2] Testament von Walther Wolfgang von Goethe vom 24. September 1883: "Ich ernenne das Großherzogthum Sachsen - den Staat - zum Erben des, aus dem Nachlaß meines seligen Großvaters des Geheimerathes Johann Wolfgang von Goethe herrührenden, in der Stadt Weimar belegenen Immobiliarbesitzes. [...] Der genannte Erbe erhält weiter: die, ebenfalls aus dem Nachlasse meines Großvaters herrührenden, im Goethehaus verwahrten Sammlungen von Bildern, Medaillen, Mineralien, Kunstwerken aller Art, u.s.w."; Ruland 1892, S. 95: „Die zweite […] Sammlung betrifft die erste Schweizer-Reise von 1775, genauer den mit seinem Landsmann Passavant in den Tagen vom 17ten bis 25ten Juni in die Urkantone und auf den Gotthard unternommenen Ausflug. Die sechzehn Blatt fanden sich in einem alten Umschlag vereinigt in Goethes Bibliothek, wo sie wahrscheinlich geruht haben, seitdem der Dichter sie beim Entstehen der Bücher XVIII und XIX von Dichtung und Wahrheit zu Rathe gezogen.“

[3] Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach: Stiftungsbrief des Goethe-Nationalmuseums, Wartburg bei Eisenach, 8. August 1885.

Mira Claire Zadrozny, 2025-08-14
Beschriftung

Unten rechts mit Bleistift von Goethe datiert und lokalisiert: "22. Jun Urner Loch."

Unten rechts mit Bleistift von Goethe datiert und lokalisiert: "22. Jun Urner Loch."

Bezüge im Wissensnetz

Cookie-Einstellungen