Bild anklicken für die vergrößerbare Ansicht (IIIF).

Zeichnung

Kopie von 'Porträt Johann Caspar Lavater'

1777

Inventarnummer
GGz/2252
Inventarnummer
GGz/2252
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209585
Die Zeichnung gehört zu den Porträtzeichnungen. In einem Brief vom 15. Januar 1773 an Johann Christian Kestner schrieb Goethe: „Ich binn ietzt ganz Zeichner, und besonders glücklich im Portrait.“ (WA IV 2, S. 52-53 / Online-Edition: GB 2, Nr. 3 (Elke Richter / Georg Kurscheidt), in: http://goethe-biographica.de/id/GB02_BR003_0 (Version vom 02.09.2024)). In den Jahren von 1776 bis 1780 erreichte Goethes Interesse an der Porträtzeichnung einen Höhepunkt. Es entstanden zahlreiche Porträts von Freunden und Bekannten, mit Vorliebe im reinen Profil (vgl. Hecht 1982, S. 90). Das Porträtzeichnen bei gegenseitigen Besuchen und das Verschenken der Porträts verleihen diesen Zeichnungen eine wichtige Rolle im sozialen Gefüge.

In einem annähernd runden Medaillon, das mit einer Schleife geschmückt ist, erscheint vor einem dunklen Hintergrund, im Profil das Brustbild von Johann Caspar Lavater. Goethe verband eine Freundschaft mit Lavater, die in zahlreichen Briefen gut dokumentiert ist. Lavaters Physiognomik war für Goethe sowohl als Naturwissenschaftler als auch als Porträtzeichner von Interesse und er sandte ihm eine Reihe selbst gefertigter Schattenbilder mit Kommentaren für die ‚Physiognomischen Fragmente‘ (vgl. Fliedl, in: Ausst.-Kat. Frankfurt (Main)/Weimar 1994, S. 193).

Die Zeichnung ist mit Bleistift ausgeführt und mit einer doppelten Rahmenlinie versehen. Das Blatt ist an allen Seiten bis an den Rand der Rahmenlinien beschnitten worden.

Femmel bezweifelt einerseits die vollständige Eigenhändigkeit der Zeichnung, denn „der wie gestochen gezeichnete Kopf verrät fremde Mithilfe“ (Corpus I, S. 45). Andererseits vermutet er gleichzeitig, dass die Porträtzeichnung von Johann Heinrich Lips aus Goethes Kunstsammlung (GHz/Sch.I.275,0438.2) als Vorlage gedient habe und die Zeichnung Goethes bei Lavaters Besuch in Frankfurt im Juni 1774 entstanden sei. Die Unstimmigkeiten dieser eher gegensätzlichen Annahmen zum Entstehungskontext sind bisher außer Acht gelassen worden (vgl. Bergmann 1999, S. 34). Die hohe Übereinstimmung in Bezug auf Figur, Kleidung, Medaillon und Schleifenverzierung zeigen, dass es sich bei Goethes Zeichnung stattdessen um eine Kopie nach der Druckgrafik von Georg Friedrich Schmoll handelt (ID 250405). Dass sich auch Lips mit Schmolls Porträt auseinandersetzte, offenbart seine Radierung (KGr/02000), die Schmoll als Zeichner der Vorlage benennt. Die Ähnlichkeit der Zeichnungen Goethes und Lips lässt sich auch durch die gemeinsame Vorlage erklären.

Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Beschriftung

Rückseite, Testat mit Tinte: "Lavater. Diese Bleistiftzeichnung ist von der Hand des jungen Goethe, welcher sie dem Hofprediger H. Geheimrath Petersen (S. Wahrheit und Dichtung) schenkte, aus dessen Nachlaß sie mein Vater, der als Messecourator fungierte, erwarb. Petersen wohnte in unserem Haus in Darmstadt. Wilh. Hamm."

Rückseite, Testat mit Tinte: "Lavater. Diese Bleistiftzeichnung ist von der Hand des jungen Goethe, welcher sie dem Hofprediger H. Geheimrath Petersen (S. Wahrheit und Dichtung) schenkte, aus dessen Nachlaß sie mein Vater, der als Messecourator fungierte, erwarb. Petersen wohnte in unserem Haus in Darmstadt. Wilh. Hamm."

Bezüge im Wissensnetz

Cookie-Einstellungen