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Radierung

Landschaft mit altem Turm

1769

Inventarnummer
GGz/2225
Inventarnummer
GGz/2225
PID
pid.klassik-stiftung.de/pid/300:209523
Die Radierung gehört zu den wenigen eigenhändigen druckgrafischen Werken Goethes.

Im Mittelgrund der Landschaft erhebt sich auf einem Felsplateau ein verfallener Gebäudekomplex mit einem Torturm. Mehrere Staffagefiguren befinden sich auf einem Weg, der sich vom Vordergrund aus bis zum Tor windet.

Verschiedentlich wurde versucht das Motiv zu lokalisieren, aber weder das Wartburgtor (vgl. Koetschau 1899, S. 201) oder die Burgruine Tannroda (vgl. Aukt.-Kat. Gutekunst 1909/66, S. 113, Nr. 1769, 1770) ließen sich bestätigen, weshalb die Radierung unter verschiedensten Titeln in der Literatur erscheint.

Das Blatt ist an allen Seiten beschnitten. De Platte trägt unter der Darstellung rechts die Signatur „G“. Auf der Rückseite findet sich der Vermerk mit Bleistift „Radierung Goethes a. d. Besitz v. Fritz v. Stein. Geschenk d. Frau v. Kamptz.“

Laut Petra Maisak ist in Komposition und Details der Einfluss Adam Friedrich Oesers erkennbar (vgl. Maisak 1996, S. 37). Eine Vorlage für Goethes Radierung ist wahrscheinlich, allerdings ist kein konkretes Werk bekannt Die Datierung der Radierung auf 1769 basiert auf der Signatur „G“, die in dieser Form allein in der Zeichnung aus dem Stammbuch des Ernst Theodor Langer (Corpus VIb 10) noch einmal erscheint.

Während die zeitgenössische Kritik bei Hüsgen noch positiv ausfiel (vgl. Hüsgen 1780, S. 206) wird die Radierung von Petra Maisak mit Goethes negativem Selbsturteil aus ‚Dichtung und Wahrheit‘ in Verbindung gebracht: „Ich hatte mir eine ziemlich interessante Landschaft komponiert und fühlte mich sehr glücklich, als ich meine alten von Stock überlieferten Rezepte vorsuchen und mich jener vergnüglichen Zeiten bei der Arbeit erinnern konnte. Ich ätzte die Platte bald und ließ mir Probeabdrücke machen. Unglücklicherweise war die Komposition ohne Licht und Schatten, und ich quälte mich nun, beides hineinzubringen; weil es mir aber nicht ganz deutlich war, worauf es ankam, so konnte ich nicht fertig werden.“ (WA I 27, S. 213; vgl. Maisak 1996, S. 37)

Der Aufbewahrungsort der Platte ist unbekannt. Weitere Abzüge sind in dem Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig , dem Freien Deutschen Hochstift, Frankfurter Goethe-Museum, und der Stadtbibliothek und Universitätsbibliothek in Leipzig nachweisbar.


Provenienz

Vor 1832 | Schenkung von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) an Gottlob Friedrich Constantin von Stein, gen. Fritz von Stein (1772-1844) [1]

1844 | Erbschaft von Gottlob Friedrich Constantin von Stein, gen. Fritz von Stein (1772-1844) an Marie von Zobeltitz, geb. von Stein (1805-1876) [2].

1876 | Erbschaft von Marie von Zobeltitz, geb. von Stein (1805-1876) an Tosca von Kamptz, geb. Zobeltitz (nachgewiesen 1842/42) [2].

1892 | Schenkung Tosca von Kamptz, geb. Zobeltitz (nachgewiesen 1842/42), an das das Goethe-Nationalmuseum Weimar (seit 1885) [1, 3].

Quellen zur Provenienz

[1] Brief von Tosca von Kamptz, geb. Zobeltitz, vom 11.02.1892 (GSA 150/M 74 Bl. 156-157): „Erw. Hochwohlgeboren erlaube ich mir hierdurch mitzutheilen daß heut 2 Werthsendungen an das Göthe National Museum abgegangen sind, nach Ihrer Anweisung, u. wünsche ich mir daß die Sachen, wenigstens ein Theil derselben, etwas Freude bereitetet, es sind alles Geschenke von Goethe an meinen Großvater.“

[2] Analogieschluss aus der Provenienz zu GGz/0957.

[3] Rückseite, Beschriftung: „Radierung Goethes a. d. Besitz v. Fritz v. Stein. Geschenk d. Frau v. Kamptz.“; Ruland 1893, S. 13: „Eine Urenkelin Charlotte v. Steins schenkte dem Goethe-National-Museum eine Anzahl äusserst interessanter Zeichnungen Goethes aus der 70r und 80r Jahren, mehrere schöne Blätter von Tischbein und Kniep aus der Zeit der Italienischen Reise, und die von Goethe selbst gefertigte, fast lebensgrosse Silhouette des jungen Fritz von Stein“.

Laura Lisa Beier, 2025-06-24
Beschriftung

Signiert: "G"

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