Normalzeugnis Zeugnis
A. W. Schlegel an F. Schleiermacher 16. 12. 1799 (Jonas – Dilthey 3, 141)
Ihrem Verlangen nach näheren Berichten wegen des Bruchs mit der Allgem. Lit. Zeitung will ich durch Mittheilung zweyer Briefe von Hufeland und mir ... Genüge zu leisten suchen ... Dann ist auch der Umstand zu berichtigen, daß ich nie die Beurtheilung des W. Meister förmlich übernommen habe. Der erste Beurtheiler ist Schiller; der von dem sie jetzt etwas nicht gemeines erwarten Intelligenzblatt 1799, S. 1184, worüber Goethe sehr lachte, Huber. Diese Prostituzion ist ihnen noch zu gönnen.
Ich habe mit Goethe weitläuftig über diese Sache deliberirt, und das Resultat ist, daß keine Antwort auf die Gegenerklärung der Redactoren ebd. zu geben ist ...
Daß die Nicht-Einrückung des Aufsatzes von Hardenberg und des Widerporst beschlossen worden, wird Friedrich gemeldet haben. Ich war schon früher dieser Meynung, wurde aber überstimmt und provocirte auf Goethe. Dieser ist dann sehr in die Sache eingegangen, und hat mit umständlicher und gründlicher Entwicklung gegen die Aufnahme und für mich entschieden. Ich wollte daß Sie die schönen Reden, die er mir bey diesen und andren Gelegenheiten gehalten, mit hätten anhören können, es würde Sie entzückt haben. Ueberhaupt hat sich Goethe bei diesem ganzen Handel so herzlich und wahrhaft väterlich gegen uns genommen, daß sein Rath alle Rücksicht verdient, besonders da er eine große Erfahrung in diesem Fache hat, indem er, wie er sagt, sich nun, Gott sey gepriesen! an die dreißig Jahre in der Opposition befindet.
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