Normalzeugnis Zeugnis

Italienische Reise. 4. 5. 1787 (WA I 31, 190)

Bald nach Tische kam der Abbé Sestini mit einem Wagen, da er uns den entferntern Theil der Stadt zeigen sollte. Bei’m Einsteigen ereignete sich ein wundersamer Rangstreit. Ich war zuerst eingestiegen und hätte ihm zur linken Hand gesessen, er, einsteigend, verlangte ausdrücklich, daß ich herumrücken und ihn zu meiner Linken nehmen sollte; ich bat ihn, dergleichen Ceremonien zu unterlassen. „Verzeiht!“ sagte er, „daß wir also sitzen, denn wenn ich meinen Platz zu Eurer Rechten nehme, so glaubt jedermann, daß ich mit Euch fahre, sitze ich aber zur Linken, so ist es ausgesprochen, daß Ihr mit mir fahrt, mit mir nämlich, der ich Euch im Namen des Fürsten die Stadt zeige.“ Dagegen war freilich nichts einzuwenden und also geschah es ... Schon in Neapel hatte mich der Lavenhändler sehr gefördert, hier, in einem weit höheren Sinne, der Ritter Gioeni. Ich fand in seiner reichen, sehr galant aufgestellten Sammlung die Laven des Ätna, die Basalte am Fuß desselben, verändertes Gestein, mehr oder weniger zu erkennen; alles wurde freundlichst vorgezeigt. Am meisten hatte ich Zeolithe zu bewundern, aus den schroffen, im Meere stehenden Felsen unter Jaci. Als wir den Ritter um die Mittel befragten, wie man sich benehmen müsse um den Ätna zu besteigen, wollte er von einer Wagniß nach dem Gipfel, besonders in der gegenwärtigen Jahreszeit, gar nichts hören. „Überhaupt“, sagte er, nachdem er uns um Verzeihung gebeten, „die hier ankommenden Fremden sehen die Sache für allzuleicht an, wir andern Nachbarn des Berges sind schon zufrieden, wenn wir ein paarmal in unserm Leben die beste Gelegenheit abgepaßt und den Gipfel erreicht haben. Brydone, der zuerst durch seine Beschreibung die Lust nach diesem Feuergipfel entzündet, ist gar nicht hinauf gekommen; Graf Borch läßt den Leser in Ungewißheit, aber auch er ist nur bis auf eine gewisse Höhe gelangt, und so könnte ich von mehrern sagen. Für jetzt erstreckt sich der Schnee noch allzuweit herunter und breitet unüberwindliche Hindernisse entgegen. Wenn Sie meinem Rathe folgen mögen, so reiten Sie morgen, bei guter Zeit, bis an den Fuß des Monte Rosso, besteigen Sie diese Höhe; Sie werden von da des herrlichsten Anblicks genießen und zugleich die alte Lava bemerken, welche dort, 1669 entsprungen, unglücklicherweise sich nach der Stadt hereinwälzte. Die Aussicht ist herrlich und deutlich; man thut besser, sich das Übrige erzählen zu lassen.“

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